Landtagswahl ist Richtungswahl und nicht S21 Wahl

Die CDU hätte nur zu gerne, daß die Bürger die Landtagswahl als Abstimmung über S21 sehen, weil die konservative Mehrheit im Land sicher für Ruhe und Ordnung und gegen Revoluzzer ist. Dabei ist die Frage ob S21 gebaut wird oder nicht genauso irrelevant wie der Bau der Neuen Messe vor Jahren auf den Fildern *. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg und auch in anderen Ländern ist in Wahrheit aber eine Abstimmung über die Richtung der Politik in Deutschland und damit auch eine Abstimmung über die Politik der Kanzlerin. Gewinnt die CDU die Wahlen in den größeren Ländern, dann wird das in Berlin als Signal für „Weitermachen wie bisher“ auch in der Finanz- und Europapolitik gesehen. Die Europapolitik der jetzigen Regierung mit immer mehr EU Rechten  und weniger Rechten aber unkalkulierbaren Belastungen für den deutschen Bürger wird aber mit Sicherheit nicht von der Mehrheit der Wähler unterstützt. Deshalb scheut man eine Volksabstimmung wie der Teufel das Weihwasser.  Es ist dringend notwendig die Grenzen der EU Politik, die ja weitgehend vom Europäischen Rat und nur marginal vom EU Parlament bestimmt wird, neu und genauer zu definieren. Diese Konstruktion erlaubt es der Bundesregierung finanzielle und legale Verpflichtungen einzugehen, die man nie und nimmer durch Parlament gebracht hätte und schon gar nicht durch eine Volksabstimmung. Dieses Regieren ausserhalb des im Grundgesetz definierten Rahmens (auch Herr Mappus in B-W)  ist zur lieb gewonnen bevorzugten Methode der Politiker geworden. Die Abgeordneten sind nur noch Nick-Mohren (die standen früher an Weihnachten in den katholischen Kirchen neben der Krippe) denen man oben Posten und Geld einwirft und die das durch verlässliches Nicken danken. Ein Abgeordneter, der da nicht mitmacht, wird von der Parteimaschinerie gnadenlos abgestraft und nicht mehr nominiert. Das sieht man daran, dass selbst bei kontroversen Themen kaum ein Abgeordneter mal gegen die Parteilinie stimmt auch wenn seine Stimme gar nicht zum Verlust der Mehrheit führen würde. Dieses Herdenverhalten ist auch bei Oppositionsabgeordneten zu beobachten auf deren Stimme es ja gar nicht ankommt. Aber selbst hier traut sich keiner der Abgeodneten mal eine andere Meiung zu haben als die Führung. Nur bei Ethik und Moral dürfen die Abgeordneten nach ihrem Gewissen abstimmen, wohl weil der Parteiführung Ethik und Moral sowieso egal sind.

Interessanterweise segeln aber alle etablierten Parteien auf Europaschmusekurs wohl weil man der Industrie glaubt, dass eine Änderung der EU Politik den Export schädigen würde. Dabei ist der Aufschwung aus der Finanzkrise vorwiegend Ländern wie China, Indien, Brasilien usw zu danken, die gar nicht in der EU sind. Offensichtlich hat noch keine Partei EU und Finanzpolitik Politik als wichtiges Thema der Bevölkerung für den Landtagswahlkampf entdeckt – dafür ist der Landtag ja formal nicht zuständig. Der Ausgang der Wahl wird aber Einfluss auf die Politik in Berlin haben. Die Parteien halten sich wahrscheinlich deshalb zurück, weil ihnen die Sitze im Europaparlament, auf denen man über Dinge wie Glühlampen, Frauenquote usw lange diskutieren kann, ans Herz gewachsen sind. So lange die Bürger in Deutschland glauben, dass die Eskapaden der Regierungen keinen Einfluss auf ihr Wohlergehen haben, wird es in Deutschland wohl keine Partei geben, welche die Interessen der Bürger wirklich vertritt. Bis dahin kann man nur eine Abwahl Strategie verfolgen, bei der man den Politikern klar macht, dass sie sich um die Interessen der Bürger kümmern müssen, wenn sie im Amt bleiben wollen.

* Nach neuesten Besucherzahlen kamen in die alte Stuttgarter Messe 1.6 Millionen Besucher im Jahr in die neue Messe am Stuttgarter Flughafen kommen trotz Investition von 1 Milliarde € nur 1 Million Besucher. Wer einmal bei der großen Touristikmesse CMT die mit Wohnmobilen und mit Scharen von marodierenden Rentnern gefüllten Hallen gesehen hat, die noch nicht gelernt haben sich im Internet zu informieren, kann die Bedeutung der Neuen Messe für die Wirtschaft Baden-Württembergs wohl besser einschätzen als die Abgeordneten im Landtag.

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Sinnlose Maßzahlen in der Politik – BIP

Das Zusammenleben der Bürger in einem Staat ist äusserst kompliziert und hat sehr viele Aspekte. Es ist sicher unmöglich das Wohlergehen der Bürger in einer Zahl darzustellen. Trotzdem wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Maßzahl von der Politik fast ausschließlich für das Wohlergehen des Landes verwendet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist sicher die Maßzahl, die am meisten überschätzt wird. Eine Erhöhung des BIP um 1% wird schon als Riesenerfolg der politischen Führung verkauft.  Eine Umfrage in der deutschen Bevölkerung würde wohl ergeben, daß Deutschland auch beim BIP natürlich Spitze ist. Mit Verwunderung nehmen die Bürger dann die Realität zur Kenntnis. Wenn man schon BIP als Maßzahl für die Wertschöpfung eines Landes verwendet, dann muss man sich das in Relation zur Zahl der Einwohner ansehen. In der Liste BIP pro Kopf liegt 2009 Luxemburg (104 k$), die Schweiz (67 k$), Irland (51 k$) aber auch Österreich (46 k$) und Frankreich (43 k$) vor Deutschland. (41 k$). Der deutsche Bundesbürger, dem die Politiker dauernd vormachen, dass wir in Europa Spitze sind, reibt sich da verwundert die Augen. Selbst wenn wir unser BIP um 3% steigern sind wir nicht einmal auf dem Niveau von Frankreich! An das „arme“ Irland kommen wir selbst mit vielen Anstrengungen nicht heran. Nun erklärt sich das hohe BIP per capita durch die Bankgeschäfte in Luxemburg und der Schweiz (Lichtenstein liegt noch weiter vorn!) – da kann man ohne viel Arbeit richtig Geld verdienen. Die hohe Wertschöpfung in Irland erklärt sich dadurch, dass viele große Firmen (u.a. auch IBM) ihre Warenauslieferung von Irland machen. Die Produkte (Medikamente, Software, China Produkte … ) werden zum geringen Preis in die EU in Irland importiert und dann mit hohen Aufschlägen an andere EU Länder ausgeliefert. Das lohnt sich, da die Unternehmensgewinne in Irland nur mit 12.5% besteuert werden. Ziemlich ratlos sind die Politiker aber wohl, wenn sie erklären müssen warum die „lustigen“ Österreicher und die „Frührentner“ Franzosen eine höhere Wertschöpfung generieren als die „fleißigen“ Deutschen. In Frankreich ist das BIP/Beschäftigten sogar noch höher, da es in Frankreich viel mehr Kinder und Jugendliche < 20 Jahre (25 %) als in Deutschland (19%) gibt. Da wird die Mär vom fleißigen Deutschen und den „lustigen“ Franzosen noch fragwürdiger.

Jeder deutsche Politiker wird sofort sagen, dass an der BIP Statistik etwas nicht stimmt, wird aber wohl nicht im Detail erklären können, wie denn solche BIP Wert zustande kommen. Allerdings sollte jeder vernünftige Mensch zur Einsicht kommen, dass BIP Werte ziemlich sinnlos sind. Dann sollte man diese aber nicht landauf landab zur Parteiwerbung und zur Volksverdummung einsetzen und geringfügige Erhöhungen des BIP um einige Prozent als politische Heldentat feiern.

Viele Wissenschaftler (seit langem) und auch einige unserer Volksvertreter (erst neulich)  haben denn Unsinn des BIP als Gradmesser des Fortschritts erkannt. Eine Enquete Kommission des Bundestags und viele Experten sollen nun eine neue Meßgröße für das Wohlergehen des Volkes finden. Gesucht wird dann sicher etwas was sich noch leichter manipulieren lässt als der BIP.

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