Röslers Milliardengrab – elektronische Gesundheitskarte wieder aktuell?

Großprojekte des Bundes, die schon jahrelang in den Seilen hängen und den Bürgern ausser Kosten und Mühen nichts einbringen, sollten dringend einem öffentlichen Mediationsverfahren a la Stuttgart 21 unterworfen werden. Der dringendste Kandidat ist die elektronische Gesundheitskarte (eGK), die schon 2006 eingeführt werden sollte und an der Gesundheitsminister Roesler zeigen will, dass auch er unsinnige Projekte durchziehen kann.

Die eGK ist ein Überbleibsel aus der Zeit der Rot-Grünen Regierung mit Ulla Schmidt und Herrn Schily als Top Lobbyisten.  Die eGK ist ähnlich wie das S21 Projekt ein Sammelsurium von technischen Fehlern, Versprechungen, die durch keine Fakten gesichert sind, unklaren Zuständigkeiten, einer konfusen Sicherheitsstrategie und eine unendliche Schlamperei im Projektmanagement. Das sieht man schon daran, dass die LINKs zur Information über die eGK auf dem Server des Ministeriums alle ins 404 Nirwana führen (hier mal ausprobieren) Wie soll sich der Bürger denn da informieren?

Im Vergleich zu S21 ist die eGK ein Schnäppchen für den Bund – man wird wohl mit 3 Milliarden € auskommen, die von den Versicherten bezahlt werden müssen. Im Gegensatz zu S21 verursacht die eGK aber immense laufende Kosten bei Ärzten und Versicherungen und wohl  viel Ärger bei den Versicherten.

Abgesehen von der völlig sinnlosen Zielsetzung für das Projekt eGK ist durch die lange Projektlaufzeit die technische Basis total veraltet. Der neue Personalausweis (auch ziemlich sinnlos aber recht lautlos eingeführt) funktioniert ohne Kontake Personalausweis

während die elektronische Gesundheitskarte ähnlich wie die Telefon SIM Karte schöne goldene Kontakte hat. Das kann jeder Laie mit einem Blick auf die Karten feststellen. Über die Kontakte kann man meist nur Daten nur mit geringer Geschwindigkeit übertragen. Aber gerade bei medizinischen Daten braucht man größere Datenmengen. Dafür ist eine Kontakt Karte nicht geeignet. In der Verwaltung und beim Arzt wird man in Zukunft mindestens drei verschiedene Chipkartenleser benötigen – einen Leser für die alte Gesundheitskarte (mit Kontakt), einen Leser für die neue Gesundheitskarte (mit Kontakt),  einen Leser für den neuen Personalausweis (ohne Kontakt) und dann noch den wichtigsten Leser für das Inkasso der Ärzte – ec- und Kreditkarten Bezahlterminal (mit Kontakt). Zwar sind die neuen staatlichen Leser dank PC/SC technisch so konzipiert, dass mehrere Leser an einem PC betrieben werden kann. Man braucht in der Arztpraxis aber mindestens drei verschiedene Leser für die Patientenverwaltung. Mal sehen wer da denn Überblick behält welche Karte wann, wie eingesteckt werden muss.

Das Konzept der elektronischen Gesundheitskarte, wie sie das Ministerium mit seinen technischen „Experten“ propagiert stammt noch aus Zeiten (1992), als es noch kein Internet für Alle gab und die Ärzte keinen Anschluss an Datennetze hatten. Da machte es durchaus Sinn wichtige Daten z.B. für Diabetes Patienten auf einer Karte zu speichern, die der Patient mit sich trug. Heute ist das ähnlich sinnlos wie die geplante zentrale Speicherung von Patientendaten. Schon heute sind ja viele Patientendaten bei Ärzten, Kliniken und Versicherungen gespeichert und werden dort hoffentlich ordentlich geschützt. Man muss eigentlich nur Möglichkeiten schaffen, wie diese Organisationen die Patientendaten bei Bedarf geordnet austauschen können. So wird es z.B.im System in Slowenien gemacht – die Karte dient ähnlich wie unsere aktuelle Gesundheitskarte nur als Berechtigungsausweis für medizinische Dienste. Es ist leider zu befürchten dass die Medizin IT Lobbygruppen das sinnlose eGK Projekt durchdrücken, weil die Kosten ja einfach auf die Patienten umgelegt werden. Alle Entscheider sind dann ja nur mit Einnahmen und nicht mit Kosten am Projekt beteiligt.

PS In Frankreich wird eine Gesundheitskarte mit Chip seit Jahren verwendet – die französische Chipkartenindustrie hatte schon immer einen guten Draht zur Regierung. Geht man in Frankreich mit der Chipkarte zum Arzt wird die Karte auf dem Kopierer kopiert und die Kopie in der (Papier) Krankenakte abgelegt. Der Chip wird dabei gar nicht verwendet. Übrigens funktioniert auch die neue EGK als EU weite Versicherungskarte ohne Chip – alle Informationen stehen auf der Rückseite der Karte. Die Realität in den Apotheken Frankreichs sieht auch etwas anders aus als es Chipkartenlobbyisten predigen (siehe hierzu die Apothekeninfo aus Frankreich). Die Franzosen gehen mit Theorie und Praxis etwas lockerer um als die Deutschen und haben vielleicht deshalb eine geringfügig höhere Lebenserwartung als die Deutschen 78,0 (Frankreich) und 77,8 (Deutschland) bei den Männern und 82,8 zu 85 bei den Frauen. Vielleicht liegt es auch daran dass die Franzosen im Schnitt nur 2328 €/Jahr und die Deutschen 3210 €/Jahr für Krankheiten ausgeben. Ergo – wer weniger zahlt lebt länger!

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Die armen akademischen Schweine in den PIIGS Staaten

Zur Zeit starrt die Welt auf die hohen Schulden der PIIGS Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) die den Euro und die Finanzwelt bedrohen. Das Problem lässt sich aber mit dem Drucken von Geld (vor allem in Deutschland) lösen. In den PIIGS Staaten zeigt sich aber das neue soziale Phänomen des Akademiker Prekariats. In allen Ländern wurden mit Unterstützung der Politik und der EU sehr viele Studenten ausgebildet, die jetzt auf den Arbeitsmarkt drängen. Nun ist es ja durchaus positiv, dass viele junge Menschen gut ausgebildet werden. Leider werden an den Universitäten gerne Fächer gelehrt, für die es in der stagnierenden Wirtschaft keinen Bedarf gibt oder die in der staatlichen Verwaltung von Älteren besetzt sind. Die offiziellen Statistiken über Akademiker Arbeitslosigkeit sind in den betroffenen Ländern wenig aussagekräftig, da die „Akademiker im Praktikum“ mit Monatslöhnen von etwa 1000 € nicht als Arbeitslose gewertet werden. Ein schwacher Trost der Akademiker in den betroffenen Ländern ist wohl, dass es den Jungen mit schlechter Ausbildung noch schlechter geht als ihnen.

In Deutschland wird noch die Harfe des Arbeitskräftemangels geschlagen, obwohl sich ausser bei technischen Fachkräften mit 10 Jahren Berufserfahrung bereits ein ähnlicher Trend abzeichnet. Die Zahl der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe geht zurück – nur die relativ schlecht bezahlten Jobs im Service wachsen. Die Zahl der Stellenangebote für anspruchsvolle Stellen ist schon lange nicht mehr aussagekräftig da u.a. eine reale Stelle bei einem Unternehmen oft von > 10 Stellenvermittlern für Zeitarbeit angeboten wird.

Im Moment behindern die Sprachbarrieren und das häufig niedrigere Ausbildungsniveau in den PIIGS Ländern noch die Massenflucht der Akademiker nach Deutschland. Das kann sich aber sehr schnell ändern. Der Industrie kann das nur recht sein, die dies ja die Löhne auch der bereits angestellten Fachkräfte drückt. In USA ist der Arbeitsmarkt bereits soweit, dass sich das Gehalt der Fachkräfte bei einem Wechsel verringert. Früher war noch ein Plus von > 10% absolut notwendig um einen Mitarbeiter abzuwerben. Die Lage für die gut akademisch ausgebildeten Jugendlichen wird sich wie in anderen Ländern auch in Deutschland schnell zuspitzen und die jungen Leute und deren Eltern werden bedauern, dass sie sich nicht rechtzeitig um die Politik und die Wirtschaft in ihrem Heimatland gekümmert haben. Die cleveren Eltern schicken schon heute ihre Sprößlinge auf die Realschule und lassen sie auf einem der gesuchten Berufe in Handwerk und Industrie ausbilden. Bis die Akademiker dann ihren Batchelor (EU) haben sind die wenigen festen Stellen in der Realwirtschaft längst besetzt.

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