Lehren aus Frankfurt 22 für Stuttgart 21

Es ist schon verwunderlich dass trotz der vielen Millionen Planungskosten für Stuttgart 21 keine umfassende Dokumentation vorliegt, aus denen ein interessierter Bürger herauslesen kann, was eigentlich im Detail geplant wird und welche Vor- und Nachteile sich für die Benutzer der Bahn und die Stadt Stuttgart ergeben. Man würde sich für S21 ein ähnliches Dokument wünschen wie es der VerkehrsClub Deutschland (VCD) und die Initiative Frankfurt 22 im Jahr 2000 als Antwort auf den damals geplanten Tiefbahnhof Frankfurt 21 erstellt haben. Das Dokument Kopfbahnhof mit Köpfchen beschreibt eine integrierte Bahnverkehrsplanung für den Ballungsraum Frankfurt aus Sicht der Benutzer der Bahn. Dabei sollte man sich anhand des ICE Übersichtplans der Bahn zuerst klar machen, welche Bedeutung der Knoten Frankfurt etwa im Vergleich zum Bahnknötchen Stuttgart hat.

Der Tiefbahnhof Frankfurt 21 wurde zum Glück für die Frankfurter wohl auch durch das Konzept Frankfurt 22 nicht gebaut. In Frankfurt haben aber wohl vernünftige Überlegungen und nicht Emotionen und Parteipolitik eine wesentliche Rolle gespielt. Frankfurt ist durch den Verzicht auf den Tiefbahnhof auch nicht in die Steinzeit zurück gefallen.

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S21 – Ist die Eisenbahn Infrastruktur wirklich so wichtig?

Ganz Deutschland starrt zur Zeit wie das Kaninchen auf die Schlange auf das Bahnprojekt Stuttgart 21. Dabei sind spektuläre Bahnprojekte eigentlich ein Phänomen aus dem vorigen Jahrhundert. Wer glaubt mit einem Bahnprojekt Deutschland voran zu bringen, hat sich wohl im Jahrhundert vertan. Die für die Zukunft eines Landes entscheidenden Infrastrukturen sind wohl heute Breitbandnetze/Hochgeschwindigkeitsrechner, Energie Netze sowie Wissensnetzwerke durch Ausbildung, Entwicklung und Forschung.

Baden-Württemberg ist bei den Breitbandnetzwerken relativ gut positioniert, da das ursprünglich nur für das Kabelfernsehen gedachte Netzwerk auch für Internetanbindung mit hoher Geschwindigkeit (199 Megabit/sec) genutzt werden kann. Problematisch sind aber noch immer die „schwarzen“ Löcher, wo kein Internet Anschluss oder nur geringe Geschwindigkeit von 1 Mbit/sec möglich ist.  Leider hat die Politik bei der DSL Lizenzvergabe eine Anschlusspflicht (wie etwa damals beim Telefon) verschlafen. Relativ schwach ist die Position von Baden-Württemberg jedoch bei den kommerziell genutzen Hochleistungsservern (Cloud Computer), wie sie z..B. von Google u.a. genutzt werden. Hier gibt es in Baden-Württemberg weder globale Anwender noch eine fundierte Ausbildung an den Hochschulen. Die internationalen Hochgewindigkeitsnetze enden meist in Frankfurt. Dort hat sich auch eine starke Infrastruktur an Rechenzentren entwickelt, die eine möglichst schnelle Anbindung an die internationalen Glasfasernetze benötigen. Da zählt jede Microsekunde an Verzögerung als Standortnachteil.

Energienetze und Netzverbünde für die Nutzung speziell von Offshore Windenergie werden in Deutschland zwar ausgiebig diskutiert, die technische Entwicklung wird aber wohl in anderen Ländern vorangetrieben, die nicht auf subventionierte Programme sondern auf privates Engagement setzen. So beteiligt sich z.B. Google an einem Offshore Energienetz in USA. Die politische und wirtschaftliche Struktur der Energieinfrastruktur in Deutschland ist sicher wenig geeignet, um eine führende Stellung in der Weltwirtschaft einzunehmen. Speziell das Land Baden-Württemberg hat das Aufstellen von Windrädern systematisch behindert.

Traditionell kommt die technische Elite eines Landes, die entscheidend ist für die Zukunftsfähigkeit eines Landes aus den nichtsaturierten Schichten. Ingenieur ist ein typischer „sozialer Aufsteiger“ Beruf. Hat man zu wenig ehrgeizige Aufsteiger (z.B. verursacht durch ein nicht zeitgemäßes Schulsystem) dann fehlen die für das Wachstum notwendigen technologischen Impulse. Länder wie USA oder die Schweiz lösen das Problem durch gesteuerte Zuwanderung von hochbegabten Studenten oder fertig ausgebildeten technischen Spezialisten. Deutschland nutzt zur Zeit weder die Förderung begabter Studenten aus der „Unterschicht“ noch die qualifizierte Zuwanderung, die zudem noch durch geringe Verbreitung der Sprache Deutsch in der Welt erschwert wird.

Es ist leider zu befürchten, dass die deutsche Öffentlichkeit und die Politik durch wenig nutzvolle und einseitige Diskussionen um Klimaschutz, Eisenbahnnetze, Integration und Schulsysteme die wirklich wichtigen Zukunftsthemen verschlafen.

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