Das Märchen von den niedrigen Renten im Osten

Danse Round_smallEntgegen der im Osten gepflegten Mär von den niedrigen Renten sind die Renten für Frauen mit etwa 1000 € im Monat nach Abzug der Beiträge für Krankenkasse und Pflegeversicherung im Osten und Westen etwa gleich. (FAZ Beitrag Renten)

Die niedrigste Duchschnittsrente für Frauen gibt es in Bayern mit 969 €. Alle Ost Länder liegen darüber, da dort die Frauen länger Vollzeit gearbeitet haben.

Allerdings sind die Zahlen der gesetzlichen Rentenversicherung systematisch falsch. Die Renten der Beamten, Firmenrenten und die privaten der Selbständigen werden nicht erfasst. Beamte z.B. Lehrer haben meist hohe Renten, die aus dem Verdienst beim Rebteneintritt berechnet werden.Viele Frauen haben Ansprüche auf Witwenrente (auch arme Männer!) oder Betriebsrenten. „Kleine“ Beamte z.B. Bei Post und Bahn haben aber auch kleine Renten. Im Westen gibt es aber auch viele Selbständige die mit allerlei Tricks wenig in die Sozialrente einbezahlt haben und sich im Alter dann beklagen daß ihre Rente niedrig ist. Die Frauen von Selbständigen wurden gerne mit wenig Lohn im eigenen Betrieb angestellt um eine billige Krankenversicherung für Frau und Kinder zu erhalten. Dazu kommen die Scheidungsopfer, deren Rente aufgeteilt wird. Das Vermögen der Rentner und Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung wird in der offiziellen Statistik genau so wenig berücksichtigt wie die virtuellen Mieteinnahmen aus dem Besitz des Wohnhauses oder der Eigentumswohnung. Diesen Rentnern geht es natürlich gefühlt und auch real besser.

Meist wird aber nur über die gesetzliche Rentenversicherung diskutiert aber auch hier wird der heutige Rentner im Osten nicht wesentlich benachteiligt.

Monatliche Auszahlung an Männer und Frauen nach Bundesland 1) mit 35 Beitragsjahren

1) Nach Abzug der Sozialbeiträge, vor Abzug der Steuern; Stand 2018

Grafik: F.A.Z. / Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Bei den Männern sieht es etwas anders aus. Hier beträgt die Differenz zwischen Nordrhein-Westfalen und dem Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern  253 €, die man in NRW meist schon für die höhere Miete ausgeben muss. Typisch ist, daß die durchschnittliche Rente für Männer in Ostberlin mit 1355 € auch höher ist als z.B. in Bayern. Hier machen sich die Sonderrenten für die „DDR Elite“ bemerkbar,  die sich bei der Wende häufig auch noch schöne, billige Wohnungen unter den Nagel gerissen haben.

Fazit: mit der gesetzlichen Rente kann man in ganz Deutschland keine gtoßen Sprünge machen. Von einer systematischen Benachteiligung der Rentner im Osten kann aber keine Rede sein. Die  niedrigeren Renten werden wohl durch Verlust der Arbeitsplätze für Ältere nach der Wende zu erkären sein.

Das große Problem im Osten sind gute Arbeitsplätze und nicht die Renten. Mit der Rentenmär kann man aber offensichtlich viele ältere Protestwähler gewinnen.

Finanzielle Vorteile haben die Rentner im Osten wenn sie in ein Pflegeheim kommen – viel Freude wird da aber nicht aufkommen. Im Osten kann man noch Pflegeheime finden die < 1300 € Zuzahlung im Monat verlangen. In den Ballungsgebieten im Westen liegt man häufig bei > 2500 € Zuzahlung. Da bleibt von Oma’s Klein Häuschen für die Erben nichts übrig!

Siehe auch: Unser Rentensystem hat keine Zukunft

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Paul Krugman – die Deutschen sparen sich zu Tod

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Paul Krugman ist einer der wenigen Ökonomen, der sich traut gegen den Mainstream zu schwimmen. In einer neuen Kolumne kritisiert er den deutschen Sparzwang. In guter pietistischer Tradition haben die Deutschen bisher schwer gearbeitet aber anders als die Pietisten die Früchte ihrer Arbeit an Nassauer verschenkt. Dabei wurde ein immenses Defizit im Außenhandel angehäuft und viel Geld in andere EU Länder geschaufelt. Die Deutschen haben sich als Schenker groß und bedeutend in der Welt gefühlt. Nun stellt man mit Erstaunen fest, daß die Beschenkten nicht dankbar sind und sogar aufsässig werden. Schon unsere Großmutter wußte „Bevor du etwas Gutes tust überlege es dreimal.“

Mit Entsetzen stellt man nun fest, daß man Jahrzehnte zu wenig in die Infrastruktur und Innovationen investiert hat. Dabei hätte man in Ostdeutschland genug Möglichkeiten für sinnvolle Investitionen gehabt. Lothar Späth hat das in Jena mit einer Investition von 3 Milliarden eindrucksvoll gezeigt. Das Gegenbeispiel kann man in Stuttgart besichtigen. GrünSchwarz haben hier 12 Milliarden € in ein Bahnhofloch versenkt. Den Niedergang der Bildung und der Forschung nimmt man dafür stoisch im Ländle hin.

Das politische System ist offensichtlich zu dumm zu investieren. Es ist richtig, daß man sich per Gesetz zu einer Schuldengrenze von 2% verurteilt hat obwohl man mit Aufnahme von Staatsschulden sogar Geld verdienen kann. Eine solche Schuldengrenze macht nur Sinn wenn man verhindern will, daß das Geld für Wahlgeschenke verpulvert wird. Offensichtlich haben die Politiker Angst vor ihrer eigenen Gesinnung. Eigentlich hat man genügend sinnvolle Vorschläge für Investitionen. Man kann sich aber nicht über Prioritäten einigen.

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