Sinnlose Bauaktivitäten in Stuttgart

Auf der Website der S21 Gegner wird eine beeindruckende Liste von Bausünden der Stuttgarter Verwaltung aufgeführt, die nur zum Teil durch den Widerstand der Bevölkerung verhindert werden konnten. Die wichtigsten Siege der Bevölkerung sind wohl der Wiederaufbau des Neuen Schlosses nach dem Krieg und in jüngerer Zeit der Erhalt der Markthalle. Wäre es nach der Stadtverwaltung gegangen, gäbe es heute keinen attraktiven Schloßplatz und auch keine Markthalle als Touristenattraktion mehr. In der Liste der S21 Gegner fehlen aber einige Untaten der Stadtverwaltung. Aus neuester Zeit ist wohl die Verunstaltung des Königbaus durch den Stilwerk Dachaufsatz zu nennen. Damit ist vor allem der Blick von den Stuttgarter Hanglagen auf das Schloßplatz Ensemble total ruiniert worden. Anstatt einem attraktiven neuen Einkaufzentrums ziehen jetzt die Schwaden eines China Imbisses (auch mexikansich) durch die heiligen Hallen des Königsbaus und durch die „vornehmen“ Büros im Obergeschoss, bei deren Mitarbeiter schon im Aufzug in der Tiefgarage fernöstliche Urlaubsstimmung aufkommt. Alteingesessene Fachgeschäfte wurden verdrängt und haben den üblichen Ramschläden Platz gemacht.

Erinnert sei auch an die Schlacht um die zweite Landebahn des Stuttgarter Flughäfeles. Ohne diese Landebahn werde Stuttgart von der Welt abgehängt und die Stuttgarter Firmen würden wegen mangelnder Flugverbindung wegziehen hieß es damals. In Wirklichkeit landen und starten heute in Stuttgart weniger Flugzeuge als früher obwohl die Zahl der Billigfluggäste, die sich äußerst umweltschädlich per Flugzeug in den Urlaub fliegen lassen, dramatisch gestiegen ist. Das liegt zum einen daran, dass die Flugzeuge wesentlich größer geworden sind und zum andern dass durch das Internet, wesentlich weniger Geschäftsleute in der Welt herumreisen müssen als früher. Mit Ach und Krach reicht es zur Zeit zu einem einzigen Direktflug nach New York von Stuttgart. Merke – meist kommt es anders als man denkt.

Ähnlich ist die Situation beim Stuttgarter Bahnhof mit dem Regional- und Fernverkehr. Ohne die Subventionen von Bund und Land würden wahrscheinlich heute weniger als 50% dieser Züge fahren. Auch mit dem jetzigen Subventionsniveau werden in Zukunft immer weniger Züge im Bahnhof einlaufen. Ein Ausbau der Kapazität, wie es sowohl die Gegner als auch die Befürworter des S21 Projekts fordern, ist ähnlich sinnlos wie die zweite Landebahn am Flughafen. Das geht langsam auch den Märklin Altfans auf beiden Seiten der Kampfzone auf. Der Ausbau der S-Bahn in Ost-West Richtung und das Verlegen der Stadtautbahnen B14 und B27 in den Untergrund wird durch den Tiefbahnhof auf alle Ewigkeit blockiert.

PS Den Bahntunnel könnte man in Zukunft auch für Elektroautos benutzen, um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten. Die eAutos würden die Steigung zum Flughafen viel leichter bewältigen als die Züge! Dabei würden wohl mehr Menschen den Tunnel täglich nutzen als mit den Zügen!

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