Wir brauchen einen Ombudsmann für Internet Dienstleistungen

21.6.2013 ErstveröffentlichungParagraph-rot

Kunden von Internet Firmen haben in Deutschland wenig Rechte. Das fängt schon bei den Datenleitungen an, die häufig niedrigere Datenraten haben als vom Kunden bezahlt und hört mit den AGBs von Firmen wie Google und Facebook auf, die den Kunden viele Pflichten auferlegen und ihm praktisch keine Rechte geben. Viele Bürger aber auch Firmen sind heute abhängig vom Web für die Kommunikation aber auch für Dienstleistungen, die über das Web erbracht werden. Die Sperrung von eMail Adressen oder Websites durch Internet Dienstleister kann für Selbständige oder kleinere Firmen existenzbedrohend sein. Vielfach kann der Benutzer die Probleme mit seinem Konto nicht selbst beheben wenn z.B. die Server Sicherheitslücken haben, die für Botnetze ausgenutzt werden oder wenn persönliche eMail Adressen als Absender von SPAM benutzt werden. (Der eMail Absender ist ähnlich leicht zu fälschen wie ein Absender auf einem Briefumschlag!). Ähnlich kompliziert und für den normalen Internet Nutzer undurchschaubar sind die Regeln des Urheberrechts, die Verwendung von Namen und Adressen im Internet oder der Datensicherung und des Datenschutzes. Ein typischer Nutzer von Internet Dienstleistungen steht in Geschäftsbeziehungen mit vielen Firmen, die ihren Sitz in der ganzen Welt haben und dort unterschiedliche Rechtssysteme vorfinden.

Selbst wenn der Kunde im Recht ist, hat er größte Probleme sein Recht einzuklagen. Versuchen Sie einmal eine Anzeige gegen einen eMail Spammer bei der deutschen Polizei zu machen! Ein guter Polizist wird den Bürger darauf aufmerksam machen, dass er keine Chance hat sein Recht durchzusetzen und er besser keine Anzeige macht, die höhere Anwaltkosten nach sich zieht als die Sache wert ist.

Ganz ähnlich ist es beim Streit über Urheberrechte und beim Zitieren von Texten, Bildern und Musik (Remix). Den Wust von deutschen, EU und US Gesetzen und davon abgeleitete Rechte verstehen inzwischen nicht einmal erfahrene Web Spezialisten und Internet Anwälte. Durch die deutschen Gesetze, die z.B. jedem Kläger erlauben den Gerichtsstand zu wählen (bevorzugt Hamburg mit BILD Lobby) und völlig überhöhte Streitwerte entstehen wahre Paradiese für Abmahnanwälte. Ein Schüler der ein Video in YouTube stellt, in dem die Klasse Happy Birthday für einen Mitschüler singt, muss nach deutschem Recht mit Schadenersatz und Anwaltskosten von mehreren tausend € rechnen. Völlig absurd wird das Verfahren wenn nicht einmal von autorisierte Vereine wie GEMA oder VG Wort verbindliche Auskunft über den Schutzrechtsstatus der Werke geben können, für deren Nutzung  sie Geld von den Bürgern verlangen (Irrsinn deutsches Urheberrecht – aus der Praxis).

Nun gibt es im Leben eines Bürgers auch andere komplexe Geschäftsbeziehungen bei denen man als einfacher Bürger auf verlorenem Posten steht. Bei Verträgen mit Banken oder Krankenversicherungen ist die Sachlage meist so komplex (aber viel einfacher als im Internet), dass ein Rechtsstreit für die Bürger nicht mehr handhabbar und zu teuer ist. Andererseits sind die Banken und Krankenversicherungen durchaus daran interessiert, dass die Kunden Vertrauen zu ihnen haben und ihre Produkte auch kaufen.

Die Funktion eines Ombudsmannes und einer damit verbundenen Schlichtungsstelle hat sich bei privaten Banken (Schlichtungsstelle) und Krankenversicherungen (Online Beschwerdeformular) bewährt. Beschwerden sind für den Kunden kostenlos. Die privaten Banken akzeptieren sogar die vom Ombudsmann vorgeschlagene Schlichtung bis zu einem Streitwert von 5000 €. Mit dieser Regelung sparen sich sowohl die Kunden als auch die Banken und Versicherer eine Menge Ärger und Geld.

In Österreich gibt es bereits einen Internet Ombudsmann, der aber nur für kostenlose Streitschlichtung beim Einkaufen im Internet zuständig ist.  Diese Aufgabe übernehmen in Deutschland teilweise die Verbraucherschutzzentralen. Bei Google, Facebook, GMX und Co kauft der Kunde ja gar nichts ein – damit ist da auch niemand zuständig. Sowohl für die Internet Industrie als auch für die Bürger wäre die Einrichtung einer Internetschlichtungsstelle mit der Funktion eines Ombudsmannes in Deutschland von grossem Vorteil und könnte dazu beitragen, das Internet Neuland in Deutschland etwas populärer zu machen. Im Parteiprogramm der CDU sucht man solche kreativen Ansätze natürlich vergebens. Im Wahlprogramm der SPD kommt Internet gar nicht vor.  Gute Nacht Neuland!

PS In USA gibt es für wichtige Prozesse z.B. beim IRS Beauftragte, die strittige Fälle mit Machtwort entscheiden können .

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Hochwasser – und schon wieder ist der Klimawandel schuld?

Mediterranean Cyclone 07 oct 1996 1202ZGrosswetterlage Vb (Wikipedia)

Auch früher hat man über schlechtes Wetter geschimpft, der Pfarrer führte dies auf die Sünden seiner Schäfchen zurück und die Bauern erhöhten die Preise ihrer Produkte. Heute ist man da weiter. Egal ob im Frühjahr die Jungstörche in der Kälte sterben (oder weil es zu wenig Frösche wegen großer Trockenheit gibt) oder Deutschland mal wieder im Hochwasser versinkt, immer muss der Klimawandel als Schuldiger herhalten.

Die Betrachtung des globalen Klimas ist wenig hilfreich, wenn man das lokale Wetter oder das Wetter im Einzugsgebiet von Flüssen wie Rhein, Donau oder Elbe analysieren will. Die Wissenschaft hat hierfür Grosswetterlagen definiert. Für das Hochwasser an Donau und Elbe war die Grosswetterlage Vb (oben abgebildet) verantwortlich, bei der feuchte warme Luft aus dem Mittelmeer nach Norden transportiert wird und dort auf Kaltluft trifft. Nun gibt es in Deutschland genügend hochbezahlte Wissenschaftler, die sich um solche Phänomene, die Überschwemmungen mit Milliardenschäden verursachen, kümmern oder kümmern sollten. Das Potsdam Institut für Klimafolgenschätzung(PIK), stellt sich gerne als letzte Instanz zum Thema Klima dar und wird auch mit viel Geld von der Politik unterstützt. Das PIK hat 2010 einen großen Bericht Katalog der Grosswetterlagen Europas (1881 – 2009)  herausgegeben. Hier wird in vielen Details dargestellt, wie sich die Grosswetterlagen in Europa über die Jahre verändert haben.

Das Fazit des Berichts:
In den vorliegenden Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass sowohl die
Häufigkeiten und Andauern der Großwetterlagen als auch die meteorologischen
Charakteristika der einzelnen GWL zeitlichen Änderungen unterworfen sind. Im letzteren
Fall sind die Änderungen zudem noch räumlich unterschiedlich ausgeprägt. Zusätzlich
konnte ein raum-zeitlicher Zusammenhang zwischen den Großwetterlagen und den
Nebeltagen in Deutschland aufgezeigt werden.

Keine Rede davon, dass sich die Großwetterlagen systematisch verändert hätten. Donnerwetter, das hätte ein Bürger, der täglich den Wetterbericht im Fernsehen verfolgt nicht erwartet (meist passiert beim Wetter ja mehr als in der Politik). Versucht man in dem Bericht Informationen zu der aktuellen Vb Wetterlage zu finden, so wird man enttäuscht. Obwohl im Jahre 2010 die Elbhochwasser von 2002 und 2006 sowohl bekannt als auch schon einige Jahre zurück lagen, findet man im PIK Bericht keinen Hinweis auf die Vb Grosswetterlage und die aktuellen Elbhochwasser. Ein schönes Beispiel für  Elfenbeinturm-Wissenschaft unserer Klimawissenschaftler.

Die wissenschaftliche Erklärung für dieses Versäumnis ist relativ einfach. Die PIK Forscher verwenden die Klassifikation der Grosswetterlagen nach Paul Hess und Peter Berzowsky. Dort gibt es die Vb Grosswetterlage nicht – ein Mittelmeertief liegt ja ausserhalb Europas! Nur die Österreicher nehmen sich der Vb Grosswetterlage in Österreich an – sie sind ja da auch öfter betroffen. Die Hagelversicherer behaupten, dass man eine Zunahme um 4% festgestellt habe. Allerding wird nicht berichtet in welchem Zeitraum die Zunahme erfolgte und ob die Häufigkeit oder die Regenmenge um 4% zugenommen hat. Im Bericht der Technischen Akademie Freiberg zu Meteorologischen Einflüssen auf die Entstehung von Hochwasser in Deutschland (Anne Förster) gibt es eine recht gute Zusammenfassung. Die angegebenen Quellen zur  Zunahme der Häufigkeit von Vb Grosswetterlagen sind aber im Internet nicht verifizierbar. Auf alle Fälle ist eine Schwankung von 4% der doch relativ selten auftretenden Grosswetterlage Vb aber statistisch nicht relevant. Der Zusammenhang der Großwetterlagen mit der Temperatur des Wassers im Atlantik (soll von 1960 bis 2009 um 0.5°  gestiegen sein) ist wohl schwierig nachzuweisen, man kann ihn aber auch nicht ausschließen. Eigentlich kommt das Wasser bei Vb ja aus dem Mittelmeer und nicht dem Atlantik. Man kann also beliebig über die Zusammenhänge schwadronieren.

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