Geld global sicher anlegen – im 17. Jahrhundert

Geld_IntFür alle die nachts nicht mehr schlafen können weil sie um ihr mühselig erspartes Geld bangen kann es tröstlich sein, wenn man sich ein wenig mit der Geschichte beschäftigt und daraus lernt, dass alle Probleme eigentlich schon längst bekannt sind.

Eine schöne Beschreibung für globales Geldmanagement im Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert gab der florentinische Kaufmann Francesco Carletti in seinem Buch Ragionamenti di Francesco Carletti ( Reise um die Welt, Horst Erdmann Verlag, Tübingen 1966 – das gibt’s beim Antiquar). Carletti reiste von Genua aus rund um die Welt bis China und Japan und betrieb globale Geschäfte wie z.B. Handel mit Sklaven, Silber und Gold, Porzellan, Gewürzen und diversen anderen Waren. Natürlich brauchte man dafür eine Lizenz vom Staat (Spanien), die man teuer bezahlen musste. In Südamerika winkten Unmengen von Silber und Gold, das damals Reichtum nach Spanien für den König und den Adel  brachte ohne dass die Spanier dafür arbeiten mussten. Das hat das Land auf Jahrhunderte geprägt und die Entwicklung einer Industrie, wie in ärmeren Ländern, verhindert. Der spanische König hielt sich sogar Wirtschaftsgelehrte, die in ihren Büchern bewiesen, dass alles Eigentum der Bürger eigentlich dem König gehört. da sie ja alle ihm untertan waren. Diese Idee und die Methode der Gutachten von Wirtschaftsgelehrten hält sich bis heute hartnäckig.

Die Verwaltung in China im 17. Jahrhundert war nicht viel anders als im modernen China. Die Verwaltungsbeamten mussten höchsten intellektuellen Ansprüchen genügen und auch schön schreiben können, konnten aber auch in ihrer Amtszeit viel Geld verdienen. Allerdings verloren pro Jahr aber etwa 4000 der Beamten ihren Job und meist auch ihren Kopf.

Interessant ist auch, dass sich Japan schon damals von der Welt abschottete. Handel war nur in minimalem Umfang und unter der Kontrolle des Staates möglich. Diese Haltung findet man noch bis heute in der japanischen Gesellschaft.

Ein zentrales Problem von Carletti war, wie man das Geld, das man für den Handel brauchte und auch die Gewinne wieder mit nach Hause bringen konnte. Übliches Zahlungsmittel waren damals Gold- und Silbermünzen oder Barren, Cash waren Kupfermünzen. Dieses Geld konnten Räuber relativ leicht rauben, besonders wenn es in größeren Mengen transportiert wurde.  Schon damals spezialisierten sich die Engländer darauf, anderen ihr sauer verdientes Geld abzunehmen. Sir Francis Drake wurde, ähnlich wie heute Banker, dafür auch geadelt.

WertvolleEdelsteine konnte man wesentlich einfacher transportieren als Gold. Ein großer Diamant konnte mehrere Tonnen Gold wert sein. Da die wertvollsten Edelsteine in Indien (Heiderabad) gefunden wurden, konnte der Maharadscha von Heiderabad zu Reichtum kommen. Genutzt hat den Indern dieser Reichtum wenig, da die Engländer Indien eroberten (siehe oben) um an deren Reichtümer zu kommen..

Francesco Carletti legte sein Geld in Waren und in Edelsteinen an. Leider nahmen ihm die Niederländer auf der Rückreise seine Reichtümer ab. Nach einem mehrjährigen Rechtsstreit konnte er eine kleine Abfindung in einem „Deal“  erstreiten – wie gewonnen so zerronnen. Von seiner Abfindung musste er aber noch ein aufwändiges Abschiedsdinner für seine Richter und Anwälte finanzieren.

Eigentlich haben sich die Verhältnisse im globalen Markt nicht geändert. Für die „kleinen Leute“ gibt es nach wie vor keine sichere Methode, wie man sein Vermögen absichern kann. Alte Bauernweisheit aus dem Allgäu: „Wer’s Geld versauft vor seinem End, der macht das beste Testament!“

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Guter Deal für die Zyprioten

Tempel_RuineIn den deutschen Medien werden in vielen Artikeln die armen Zyprioten bedauert, die für Gelder auf ihren Konten Steuern bezahlen müssen. Dabei trifft die Sondersteuer sicher nicht die Armen, die haben wie bei uns am Monatsende meist kein Geld auf dem Konto, und auch nicht die Reichen, die nur einen sehr geringen Teil ihres Vermögens als Sichteinlage auf dem Girokonto haben und den größten Teil ihres Vermögens schon längst ausser Landes gebracht haben. Betroffen werden Private und kleine Firmen (Zypern Limited), die im Boom durchaus gut verdient haben oder als Zwischenhändler oder Vermieter von Büros Gewinne „gesichert“ haben. Steuern wurden auf diese Gelder vielfach überhaupt nicht bezahlt (Schwarz & Fleißig) oder allenfalls eine minimale Körperschaftssteuer von 10%.

Viele deutsche Unternehmen und Privatleute würden mit Begeisterung nur 10% Steuer auf ihre Einkünfte bezahlen selbst wenn ab und zu einmal eine Sonderabgabe fällig wäre. In Ländern wie Griechenland, Italien und Zypern in denen Steuern nicht ordentlich erhoben werden sind Abgaben auf das Vermögen, die einzige Möglichkeit Steuern einzutreiben. Steuern auf Immobilien funktionieren in Ländern, in denen es keine verbindlichen Grundbücher gibt nur begrenzt, selbst wenn man die Steuer wie in Griechenland an die Stromrechnung koppelt. Die zyprische Methode hat den Vorteil, dass die Steuereinnahmen in wenigen Tagen durch Abbuchung von den existierenden Konten mit geringen Kosten eingesammelt werden. Da die Besitzer der Konten gegen diese Zwangsabgabe klagen und sicher auch gewinnen werden, wird dann in sechs Monaten die EZB den Banken die Fehlbeträge mit einem zinslosen Darlehen wieder überweisen. Aber vorher hat ja unser Bundestag der Rettungsaktion zugestimmt.

Die deutschen Sparer sollten sich nicht sorgen, die Garantie der Einlagen bis 100 000 € von Frau Merkel und Herrn Schäuble steht felsenfest. Über eine eventuell notwendig werdende Sonderabgabe haben sie ja nichts gesagt. Hier muss man sich auf die Aussage des Euro Gruppen Chefs Dijsselbloem verlassen, dass es in anderen Euro Staaten keine Zwangsabgaben geben wird. Über einen EU Solidaritätsbeitrag hat er ja nichts ausgesagt!

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