Neues Wahlrecht – Diskussion im Bundestag am Freitag 14.12.2012

Reichstag_FA2008Nachdem das Bundesverfassungsgericht das „reformierte“ Wahlgesetz der Parteien kassiert hat, haben sich die Parteien (bis auf die Linken) auf ein Konzept für das neue Wahlrecht geeinigt. Vereinfacht soll im neuen Gesetz gelten:

  • Jeder direkt gewählte Abgeordnete kommt in den Bundestag
  • Die Zahl der Abgeordneten wird soweit erhöht, dass das Verhältnis der Abgeordneten das Verhältnis der Zweitstimmen exakt abbildet. Damit wird sich die Zahl der Bundestagsabgeordneten, die über die Parteilisten in den Bundestag kommen,  signifikant erhöhen. Das ist natürlich allen Parteien äusserst angenehm!

Das Bundesinnnministerium unter Leitung des Ministers Friedrich sollte einen Gesetzentwurf vorlegen. Dieser soll nun in den Sitzungstagen vom 12. bis 14.Dezember im Bundestag diskutiert werden – geplant Freitag, 14.12. von 9:00 bis 10:40 (Achtung: dieser Link funktioniert nicht mehr, verweist auf ein anderes Argument. Offensichtlich ist die Bundestagsverwaltung an einer nachprüfbaren Dokumentation ihrer Tätigkeit nicht interessiert!) Offensichtlich hofft man, dass man vor Weihnachten nicht mehr viel diskutieren will. Leider findet man den Entwurf des Gesetzes selbst mit viel Mühe weder beim Bundestag noch beim zuständigen Innenministerium. Das Dokument hat offensichtlich noch nicht einmal eine Nummer erhalten. Wahrscheinlich erhalten die Abgeordneten den Gesetzesentwurf auch nur kurz vorher. Das ist nicht weiter schlimm, haben die Parteisekretäre schon längst beschlossen wie abzustimmen ist.

Das geplante Gesetz verstößt soweit bekannt ganz klar gegen das Urteil des Bundesgerichtshofs, dass die Zahl der Überhangmandate begrenzt werden soll. Wird auch nur in einem Wahlkreis ein Abgeordneter gewählt, der nicht Mitglied einer im Bundestag über Zweitstimmen einziehenden Partei ist, kann man keinen Zweitstimmenproporz mehr erreichen. Da durch das geplante Wahlgesetz die Stimmen der direkt gewählten Abgeordneten abgewertet werden, ist die nächste Runde beim dem BVG schon vorprogrammiert. Da die Zweitstimmen der Bürger, die mit ihrer Erststimme einen Kandidaten direkt gewählt haben, bei der Verteilung der vielen Sitze über die Zweitstimmen nicht gewertet werden, haben ihre Stimmen ein geringeres Gewicht. Das kann ja wohl nicht der Sinn eines Wahlgesetzes sein.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Festlegung der Gesamtzahl der Abgeordneten über Länderquoten und die Wahlbeteiligung. Hier muss die CDU einen Riesenspagat machen um dem Koalitionsgegner CSU entgegenzukommen. Bayern treibt mal wieder den Rest der Republik vor sich her.

Nützliche Links:
Einteilung der Wahlkreise Bundestagswahl 2013
Ergebnisse der Bundestagswahl 2009 als Tabelle nach Wahlkreisen
Direktwahl des Bundestagsabgeordneten

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Landesliste der Grünen Baden-Württemberg – Viele Soz.Päds und kein einziger Schaffer

BDie Grünen in Baden-Württemberg haben am Sonntag ihre (Landesliste für die Bundestagswahl 2013

Link nicht mehr gültig ) Liste der Kandidaten aufgestellt. Unbestritten ist, dass Baden-Württemberg einer der wichtigen Industriemotoren in Deutschland und Europa ist. Man sollte meinen, dass Forschung und Industrie auch einige Abgeordnete im Bundestag stellen. Schaut man sich das soziale Tableau der Grünen aber an, so findet man unter den ersten 14 Kandidaten, die eventuell einen Sitz im Bundestag erhalten könnten, keinen einzigen Kandidaten, der je einen Industriebetrieb oder eine Forschungseinrichtung von innen gesehen noch jemand der als Manager dort eine größere Organisation geleitet hätte. Auf der 14er Liste der Grünen findet man dagegen 4 Erzieher und Sozialpädagogen, 5 VWL und Politikwissenschaftler (zum Teil noch Studenten). Ein Landschaftsökologe und eine Architektin sind wohl die einzigen Kandidaten, die zumindest einige Tätigkeiten teilweise außerhalb der Politik ausgeübt haben. Fast alle Kandidaten sind im Umfeld der Partei und deren Organisation sozialisiert worden und haben Praktika bei allen möglichen politischen Stiftungen gemacht. Außer dem Betrieb in ihrer Partei haben diese Kandidaten noch nichts von der Welt gesehen.

Die Wertschaffenden in Baden-Württemberg brauchen sich nicht zu wundern, wenn ihre Interessen im Bundestag nicht vertreten werden. Dort gibt eine fröhliche Truppe von Gutmenschen und Schenkern den Ton an. Zumindest für die Verteilung der in der Industrie hart verdienten Gelder ist ja bestens gesorgt. Geld ausgeben macht ja bekanntlich wesentlich mehr Spaß als Geld zu verdienen.

Bei den anderen Parteien sieht es nicht viel besser aus. Die Landesliste der SPD erstellt der Vorstand (siehe Diskussion der SPD Mitglieder:  Mehr Demokratie wagen  SPD Landesliste Baden-Württemberg Landeier nach Berlin).  Das ist wohl kein sehr demokratischer Prozess wie er vom Wahlgesetz verlangt wird! Typisch ist, dass die Landesliste erst kurz vor den Wahlen erstellt wird – da bleibt nicht viel Zeit zum Streiten in der Partei. In Baden-Württemberg wird die CDU Landesliste erst im April erstellt u.a. soll Frau Schavan da einen symbolischen Ehrenplatz erhalten. Bei der CDU werden wohl aber nur ganz wenige Abgeordnete über die Landesliste einrücken, wenn die Bürger weiterhin ihre Erststimme den „alten“ Abgeordneten geben.

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