Wachstum braucht neue Technologien und Märkte – unser Ausschuss im Bundestag

Alle Politiker in Europa reden von Wachstum aber fast niemand schafft es, echtes Wachstum zu generieren. Die angekündigten Wachstumsraten werden eigentlich nur durch Inflation und neue Dienstleistungen (H.O. Henkel nannte dies „Haareschneiden“) erreicht. Das BIP wächst eigentlich nur noch durch Verlagerung von ehemals häuslichen Arbeiten wie Altenpflege, Kinderbetreuung und Ausbildung in „soziale“ Wirtschaftsunternehmen. Caritas und Diakonie beschäftigen z.B. in Deutschland mehr Mitarbeiter als der Maschinenbau! Leider kann man diese Dienstleistungen im Ausland nicht verkaufen und die Gehälter für die Dienstleister müssen in anderen Sektoren der Wirtschaft erst einmal verdient werden. .

Wachstum im Unternehmen läßt sich anders als beim Staat durch Expansion und Erschließung neuer Märkte im Ausland erzielen. Aber auch hier ist das Ende der Fahnenstange schnell erreicht, wenn Länder wie China oder Brasilien Importe sehr stark regulieren und Importe nur zulassen, wenn im Land selbst gefertigt wird.

Nur globale Marktführer wie Audi und BMW in der Automobilindustrie schaffen es, diese Barrieren zu durchbrechen. Daimler hat durch viele Fehler im Management (Reuter, Schrempp, Zetsche) seine einst führende Rolle als Technologieführer verloren und darf nun im Konzert der Marktführer nur noch die zweite Geige spielen. Die französische Automobilindustrie ist bereits im abgeschlagenen Verfolgerfeld. Da hilft es wenig, wenn man mit Lohn- und Kostensenkungen versucht wieder den Anschluss zu gewinnen. Mit Kostendenken und Niedriglöhnen wird man die Mitbewerber aus Asien sicher nicht schlagen können. Bei BMW hat man da offensichtlich keine Probleme hat man doch schon immer auf Führung durch Technik Wert gelegt.

Die Königsdisziplin der Unternehmen ist das Schaffen von neuen Produkten und Märkten. Das schaffen eigentlich zur Zeit nur US Firmen der IT Branche wie eBay, Google und Apple. In Europa ist in den letzten zehn Jahren keine Firma entstanden, die einen globalen neuen Markt etabliert oder in einem bestehenden Markt zum Marktführer aufgestiegen wäre. Kein Wunder es wurden auch keine neuen Technologien wie die IT in USA  entwickelt und erfolgreich vermarktet.

Sicher liegt es nicht an den fehlenden guten Ideen in Europa. Das wirtschaftliche und politische Umfeld scheint die Innovation in Europa zu behindern. Während die Amerikaner sehr stolz auf ihre Innovatoren sind (die wichtigsten Innovatoren lernen die Kinder schon in der Elementarschule kennen) ist Innovation und Technologie in der deutschen Politik allenfalls ein Sprechthema. Das sieht man z.B. im deutschen Parlament, wenn man sich die Besetzung des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie anschaut.

Von den 14 Mitgliedern der CDU kann allenfalls Herr Riesenhuber als ehemaliger Chemiker und Forschungsminister Fachkenntnisse vorweisen. Seine aktive Zeit liegt aber auch schon sehr lange Zeit zurück. In der CDU Riege gibt es noch einen Ingenieur, der aber seit 30 Jahren nicht mehr in seinem Beruf tätig war. Der Rest der Truppe setzt sich aus Betriebswirten und Juristen (ohne Führungs- und Facherfahrung) sowie treuen Parteisoldaten, Angestellten und Handwerkern zusammen. Zumindest verfügt eine ehemalige Schneidermeisterin gewisse Erfahrungen auf dem Textilsektor, die sie sicher in die Technologiediskussion einbringen kann.

Bei den anderen Parteien sieht es noch trostloser aus. Bei der SPD findet man keinen Abgeordneten im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie, der auch nur den geringsten Hintergrund in Wirtschaft und Technologie hätte. Allenfalls könnte man einer Dame mit theologischem Hintergrund einen Einfluss bei der Technologieentwicklung zugestehen (da hilft nur noch Beten). Die FDP hat wenigstens einen Elektromeister als Fachmann an Bord. Die Qualifikation der Sprecherin Birgit Homburger als Sprecherin der FDP allgemein ist bereits in diesem Blog hinreichend gewürdigt worden.  Bei den Grünen hatte der Technologieexperte Fritz Kuhn dieses Amt inne. Da er jetzt als Oberbürgermeister nach Stuttgart geht, übernimmt seine Nachrückerin Susanne Kieckbusch, eine Lehrerin, seinen Sitz im Ausschuss. Es ist anzunehmen, dass mit diesem Wechsel das Kompetenzniveau der Grünen im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie nicht sinkt, da sich die Dame zumindest für diese Aufgabe interessiert.

Es ist zu erwarten, dass auch nach der nächsten Bundestagswahl die Kompetenz des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie nicht wesentlich ansteigen wird. Es sei denn es werden kompetente Freie Abgeordnete gewählt.

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Private Geldmacher – Inn-Taler und Bitcoin

Quelle: Wikimedia Coomons

Wir haben uns daran gewöhnt, dass der Staat und die von ihm geförderten Banken das Geld machen, mit dem wir täglich Leistungen kaufen und für unsere Leistungen belohnt werden. Tatsächlich kann jeder Geld machen indem er z.B. einen Schuldschein ausgibt. Man muss natürlich jemanden finden, der diesen Schuldschein akzeptiert. Zur Zeit kauft man nur Banken größere Mengen dieser Schuldscheine (Anleihen) ab.

Beliebt werden zur Zeit wieder lokale Währungen, die z.B. die Händler einer Stadt herausgeben. Prominente Beispiele dieser Geldart sind z.B. der Chiemgauer, der Inn-Taler u.a. Das Ziel der Initiatoren ist es, eine lokale Währung für den Handel in einer Region zu schaffen. Das hatten wir schon mal zu Zeiten der Inflation. Man kann die Währungen in kleineren Ländern wie Dänemark, Schweiz, Schweden, Norwegen, Litauen u.a. als lokale Währung betrachten. Die lokale Währung wird dabei immer durch Primärwährungen wie US $, €, Schweizer Franken ergänzt. In der DDR war die DM die Primärwährung. Bei hoher Inflation der lokalen Währung gehen die Länder zu Zahlungen in der Primärwährung über wie z.B. Simbabwe, das gerade seine eigene Währung Z$ abgeschafft hat und Zahlungen mit US $ legalisiert hat. Ohne Regionalwährung verliert die Regierung die Fähigkeit Import und Export über den Währungskurs zu regulieren.

Es gab auch schon viele Versuche „Web-Geld“ zu kreieren. Man hat es aber bisher nur geschafft die Webzahlungsmethode Paypal populär zu machen.  Amazon verdient damit gutes Geld weil keine Bank in der Lage war, einen ähnlichen Bezahlservice im Web zu etablieren. (Meine eigenen Versuche mit einer großen deutschen Bank sind schon vor 10 Jahren gescheitert!) Nun versuchen die Konkurrenten wie z.B. Apple auch ihre eigenen Zahlungssysteme zu etablieren.

Ein recht revolutionäres Ansatz für die Schaffung und das Management einer Währung ist Bitcoin. Das gesamte Währungssystem wird von den Benutzern verwaltet. Weder Regierungen noch Banken sind involviert.

Die neuen Währungssysteme stecken noch ziemlich in den Kinderschuhen – aber das war beim Web und bei PayPal auch einmal so. Es ist durchaus denkbar, dass mächtige Gruppen z.B. Banken und große Unternehmen sich eine neue Währung schaffen, um von der Politik unabhängig zu werden. Die FED in USA ist bereits eine Vorstufe zu einem solchen System, da das Währungssystem von Großbanken gemanged wird und die Politik immer weniger Einfluß auf die Schöpfung und die Verteilung des Geldes hat. Auch der Euro bewegt sich in diese Richtung. In vielen Ländern hätten die Bürger wohl mehr Vertrauen zu einer externen Währung als zu einer eigenen Währung, die von ihren korrupten Regierenden verwaltet wird. Die Finanzkrise im Iran mit galoppierender Inflation ist ein schönes Beispiel  dafür wieviel wirkungsvoller ein Wirtschaftskrieg als ein konventioneller Krieg ist. Die meisten Iraner hassen zwar die Amerikaner lieben aber inzwischen den doch recht stabilen Dollar.

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