Das fehlt beim S21 Stresstest – Nutzeranalyse

Gegner und Befürworter von S21 streiten sich heftig um Fahrpläne, Haltezeiten usw als ob der neue Tiefbahnhof nur für Schaffner und Lokomotivführer gebaut werden würde. Eigentlich müsste es für jedes Verkehrsinfrastrukturprojekt eine Nutzeranalyse geben, in der zunächst festgestellt wird, welche Benutzer heute die Anlagen wofür benutzen. Also wieviele Personen fahren am Stuttgart täglich von wo nach wo? Wieviele steigen wo ein und aus usw? Danach ist die zukünftige Entwicklung abzuschätzen und dann erst die notwendige Infrastruktur zu definieren. Dies würde der heute in der Industrie üblichen Methode für Kosten/Nutzen Analyse als Grundlage ein geordnetes Projektmanagement entsprechen.

Ganz anders beim Projekt S21. Hier hält die Bahn diese Zahlen als Geschäftsgeheimnis zurück. Die Bahn könnte auch gerne diese Zahlen geheimhalten, wenn nicht die Allgemeinheit für Baumaßnahmen bezahlen müsste. Es gab zumindest einige schüchterne Versuche der S21 Gegner ein paar Zahlen über die Fahrgäste zu finden. Das Statistische Bundesamt hat nur globale Zahlen. So sind im Jahr 2010 2,37 Milliarden Eisenbahnfahrgäste gezählt worden (eigentlich eine Lüge – Gäste müssen ja in der Regel nichts bezahlen). Das relativiert sich aber schnell wenn man sieht, dass im Nahverkehr  2,2 Milliarden Fahrten gezählt wurden und nur 123 Millionen im sogennannten Fernverkehr, der ja meist nur ein etwas verlängerter Nahverkehr ist. Genau dieser Kundenkreis soll nun vom S21 Projekt hauptsächlich profitieren. Diesen Ansatz sollte man einmal mit Managern und Marketing Experten aus der Industrie diskutieren. Dort kommt es relativ selten vor, dass man für den unbedeutendsten Kundenkreis das meiste Geld ausgibt. Aber bei den Anhängern von S21 und K21 scheinen die grauen Zellen seit langem ausgeschaltet zu sein. Motto: mit dem Kopf voran durch die Tunnel!

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S21 Unsinn – demokratisch legitimiert

Nachdem inzwischen klar ist, dass das von der Bahn geplante S21 Projekt sowohl wirtschaftlich als auch technisch eigentlich unsinnig ist, wird jetzt auf die „demokratische Legitmation“ gepocht. Der Tenor ist, dass Bund und Land beliebigen Unsinn veranlassen können, wenn es gelingt in den Parlamenten eine Mehrheit zu finden. Das ist zwar prozedural richtig, macht aber aus einem unsinnigen Projekt kein sinnvolles Projekt. Würde man eine Liste anlegen, mit all den unsinnigen Projekten, die von den Parlamenten gebilligt wurden oder die gar ohne Zustimmung des Parlaments von der Regierung vertraglich zugesichert wurden (z:B. der Pseudo Euro Rettungsschirm), so hätte man sehr viel zu tun und müsste diese Liste fast täglich ergänzen.

Gerne wird auch die Notwendigkeit der Vertragstreue und der Verlässlichkeit der staatlichen Organe hingewiesen. Dabei werden fast täglich Gesetze zu Lasten der Bürger geändert. Eklatante Beispiele sind die sogenannte Rentenanpassung, die einfach die Rente der Bürger kürzt, die ihnen in den Jahrzehnten in denen sie in die Sozialkassen einbezahlt haben, versprochen wurde. Da wird natürlich auf Vertragstreue keinen Wert gelegt. Nahezu kriminell wird es wenn Regierungen Verträge mit Privatfirmen abschließen, die beliebige Preissteigerung ohne Ausstiegsklausel zulassen.

Den wirtschaftlichn Unsinn von S21 kann man sich verdeutlichen, wenn man sich klarmacht, dass in den nächsten 10 Jahren etwa eine Milliarde € in jedem Jahr für das Projekt ausgegeben werden muss während für den gesamten Straßenbau des Bundes nur etwa 5 Milliarden €/Jahr zur Verfügung stehen. Würde man in einer Volksbefragung die Bürger fragen ob sie für diese eine Milliarde lieber einen Bahnhof oder vernünftige Straßen ohne Mautgebühr haben wollen, wäre die Antwort wohl klar.

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