Großfirmen parken Gewinne im Ausland

Die Deutschen sind besonders stolz auf ihre hohe Exportquote. Im Jahr 2010 wurden Waren und Dienstleistungen für 959 Mrd € exportiert und für 806 Mrd € importiert. Interessant ist nun was mit dem Außenhandelsüberschuss von 153 Mrd € passiert. Dieser Überschusss kommt nämlich nicht unbedingt bei der Bevölkerung in Deutschland an. Gewinne in China können z.B. nicht einfach ins Ausland transferiert werden und müssen deshalb zum großen Teil in China reinvestiert werden. In der Industrie spricht man dann davon, dass man in den Ländern investieren muss, wo auch die Märkte sind. Es stört sich aber niemand daran, dass z.B. in China vorwiegend für den Weltmarkt produziert wird. Deshalb ist für die deutsche Großindustrie der Euro u.a. so wichtig, weil damit Gewinne leicht von einem Land in das andere transferiert werden können.

Die Auszahlungen an die Aktionäre werden meist aus dem Gewinn im Inland ausbezahlt. Schwierig wird es dann, wenn die Gewinne im eigenen Land nicht so rosig sind, das Geschäft weltweit eigentlich gut läuft und die Aktionäre Geld sehen wollen. Großfirmen in  USA haben hohe Gewinne im Ausland stehen (allein Apple, Google und Microsoft 48 Mrd $). Wenn sie diese Gewinne in die USA transferieren müssten sie 35 % Steuern in USA bezahlen, die das Land dringend gebrauchen könnte. Nun sind die Lobbyisten am Werk, die ähnlich wie 2005 die Steuer auf 5.25 % reduzieren wollen und dafür versprechen riesige Investitionen mit dem repatriierten Geld zu finanzieren. Das erinnert sehr stark an die Aktionen von Finanzminister Schäuble, der erlaubte, das illegale Geld in der Schweiz zu Sonderkondionen bei der Steuer zu legalisieren. Die Politiker sind jetzt aber vorsichtiger, da schon 2005 das Versprechen der Investitionen in USA nicht eingehalten wurde. Die amerikanischen Großfirmen haben sogar massiv Leute entlassen.

Die Bundesbürger spüren zur Zeit am eigenen Leib, dass hohe Exportüberschüsse und hohe Unternehmensgewinne nicht unbedingt der Bevölkerung zu Gute kommen. Selbst das deutsche Vorzeigeunternehmen  Bosch (das die Mitarbeiter mit Prämien am Gewinn beteiligt) will z.B.  in China 24 000 neue Arbeitsplätze schaffen – für Deutschland sollen es nur 1200 neue Arbeitsplätze für hochqualifizierte Mitarbeiter geben. Bosch sagt in der Pressemitteilung natürlich nicht, dass wesentlich mehr Mitarbeiter aus Altersgründen ausscheiden. Interessant ist, dass im Geschäftsbericht 2010 von Bosch  die Beschäftigtenzahlen der Auslandsniederlassungen genau angegeben werden. Die genaue Zahl der Beschäftigten in Deutschland (ca 114 000) und die Veränderungen findet man aber nicht. Ein Schelm wer Böses dabei denkt! Die Einstellungen von Mitarbeitern in Großunternehmen erfolgen zum Großteil durch Übernahme von Mittelstandsfirmen. Da werden aber keine neuen Arbeitsplätze geschaffen sondern häufig auch bestehende vernichtet. Das nennt man dann Synergieeffekt wie z.B. bei der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank.

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Was ist ein Studium in Baden-Württemberg wert?

Das Finanzministerium Baden-Württemberg veröffentlicht das Dokument Staatshaushaltplan für 2010/2011 im Internet. Das Dokument ist eine Schwarte mit diversen Zahlengräbern, die streng nach Kriterien der Beamten gegliedert sind. Es wird offensichtlich kein Versuch unternommen, mit einer Übersicht und anschaulichen Diagrammen dem Bürger eine Übersicht zu geben wofür das Geld nun eigentlich ausgegeben wird.Interessant ist z.B. was in B-W für Forschung, Wissenschaft und Kunst ausgegeben wird.Das ist nicht ganz einfach weil ein großer Teil dieser Ausgaben an die Universitätskliniken geht, die ja zum größten Teil Dienstleistungsbetriebe sind und nur zu einem kleineren Teil Forschung und Lehre betreiben.

Trotzdem kann man mit einiger Mühe doch interessante Zahlen entdecken. Auf Seite 93 des obigen Dokuments findet man z.B eine Aufstellung wieviel Euro pro Sudent in den verschiedenen Disziplinen ausgegeben werden. Leider sind die Zahlen unvollständig und aktuell von 2008 (zu schnell geht’s halt in den Ministerien nicht!) . Ausgaben in 2008 (S. 92 und S. 93)pro Student in € im Jahr in den Fächern:
Recht, BWL, Sozialwissenschaften          3600 €
Sprach- und Kulturwissenschaft              4400 €
Kunst                                                            4700 €
Sport                                                             6700 €
Mathematik, Naturwissenschaften        10800 €
Ingenieurwissenschaften                          22000 €

Da können sich die Studenten leicht ausrechnen, was ihr Studium wert ist. Verständlich wird auch, warum sich das Ministerium beim Ausbau der Stellen für Ingenieure zurück hält. Die Studentenzahlen lassen sich mit wesentlich geringerem Aufwand bei den „weichen“ Fächern erhöhen! Man erkennt auch, welches Ziel die Regierung mit der Verkürzung der Studienzeit verfolgt.

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