Neue Ideen für Griechenland – Zweitwährung

Zur Analyse der Probleme Griechenlands gibt es in der Presse und im Web genügend Beiträge. Das zentrale Problem ist, dass sich die Griechen (wie viele andere Staaten und auch Staatsbürger in unserem Land) ein gutes Leben auf Pump eingerichtet haben, das einige Interessengruppen bereitwillig aus den verschiedensten Gründen finanziert haben. Zur Lösung der Probleme werden aber eigentlich nur zwei Vorschläge in der breiten Öffentlichkeit diskutiert.

  1. Die Griechen bleiben im Euroraum, verhalten sich systemkonform, zahlen den Rest ihrer Schulden zurück  und werden in Zukunft weiter subventioniert. Dabei ist es eigentlich belanglos ob das durch Transfers der EZB, durch Kredite (die von anderen EU Staaten garantiert werden) oder durch Reformprogramme der EU (das sind eigentlich versteckte Subventionen) erfolgt. Das Geld der anderen ist hin und weg. In Griechenland ändert sich wenig und wenn dann nur ganz langsam.
  2. Die Griechen verlassen den Euroraum, gehen zur Drachme über und zahlen ihre Schulden nicht mehr zurück (der finale Schuldenschnitt), erhalten dann aber nur noch wenig Hilfe von außen. Griechenland wird in der Entwicklung um Jahrzehnte zurück geworfen. Positive Kräfte werden nicht unterstützt.

Nun sind sich die Experten einig, dass beide vorgeschlagenen Lösungen nicht funktionieren. Warum verfolgt man diese Alternativen aber so hartnäckig und denkt nur in alternativen Kreisen (z.B. Change Now) über andere Lösungen nach. Etwas versteckt findet man einige kreative Vorschläge von Experten, die es Wert sind diskutiert zu werden und die sich in ähnlichen Situationen in verschiedenen Ländern bewährt haben.

  • Zweitwährung. Das ist ein bewährtes Mittel für Krisenzeiten. In vielen Ländern sind Dollar oder Euro de facto Zweitwährung, die zum Sparen, für Investitionen und Importe (z.B. DM in der DDR) verwendet werden, während die lokale Währung für Inlandsgeschäfte genutzt wird. Da bei dieser lokalen Währung Inflation immanent droht, wird diese schnell vor allem im Inland ausgegeben und kann eine darniederliegende Wirtschaft schnell aktivieren. Unbewusst verwenden wir heute schon Zweitwährungen, wenn wir mit Kreditkarte oder PayPal bezahlen. In Frankreich bezahlen fast alle Käufer im Supermarkt mit einer Bankkarte. In der Schweiz, in Ungarn u.a. kann man an den Supermarktkassen meist in Euro oder Landeswährung bezahlen. Bei der Einführung einer Zweitwährung kommt es nicht zu Kapitalflucht, wie es z.B. bei einem Zwangsumtausch von Euro in Drachme in Griechenland der Fall wäre. Man beginnt z.B. einfach Löhne, Gehälter und Renten (vor allem der Staatsverdiener) z.B. zu 80%  in der Zweitwährung auszubezahlen. Das wird aber nicht ausreichen die Wirtschaft schnell anzukurbeln. Deshalb empfiehlt es sich die Ausgabe der Zweitwährung zu koppeln mit Maßnahmen, die die Lage der Bevölkerung schnell verbessern und die Wirtschaft schnell ankurbeln.
  • Lastenausgleich. Mit dem Lastenausgleich (bestes Beispiel ist Deutschland nach dem 2. Weltkrieg) werden die Kapitalgewinnler (früher hieß sie auch Kriegsgewinnler) moderat besteuert gemäß dem Motto wer in guten Jahren gut verdient hat kann auch in schlechten Jahren etwas beitragen. Hiermit werden auch blockierte Kapitalwerte (z.B. Immobilien) aktiviert.
  • Einmalzahlung. Die Einmalzahlung in Zweitwährung geht direkt an die Bürger (z.B. bei der Währungsreform oder Begrüßungsgeld) und verhilft der Zweitwährung zur Akzeptanz. Für Griechenland könnte man sich eine Einmalzahlung von 1000 €
    je Bürger (egal ob jung, alt, arm oder reich) vorstellen. Das würde die EU 10 Milliarden € kosten, die zum Teil aus den nicht abgerufenen Strukturfonds finanziert werden könnten. Dabei nimmt man an, dass die Bürger Griechenlands besser wissen, was man mit dem Geld anfangen kann, als die EU Bürokraten. Man könnte das natürlich mit einem Appell an die reichen Griechen verbinden ihre 1000 € für die Armen zu spenden oder an die Steuerkasse zu überweisen. Eine solche Hilfe würde den Griechen deutlich zeigen, dass der Rest der EU durchaus solidarisch mit ihnen sein will – natürlich in gewissen Grenzen.  Diese Einmalzahlung käme die EU allemal billiger, als die aufgelaufenen Schulden bei den ausländischen Banken zu bedienen. Damit würde auch ein deutliches Zeichen gesetzt, dass Banken die schlecht wirtschaftende Staaten mit Geld versorgen, nicht von der EU Gemeinschaft belohnt werden.
  • Lokal Kaufen. Die Griechen müssen lernen auf überteuerte Waren (Klamotten, Autos) aus dem Ausland zu verzichten und wieder mehr griechische Produkte zu kaufen. Selbst in der teuren Schweiz oder Österreich kann man heute hervorragende handgefertigte Kleidung zu wesentlich niedrigeren Preisen kaufen als in den Kaufhäusern, wo ausländische Produkte mit immensen Aufschlägen für Design, Marketing und Gewinn verkauft werden. In kleinerem Maßstab wird das bereits von Lokalwährungen wie Chiemgauer, Elbtaler usw praktiziert.
  • Schrittweise Einführung.  Im Gegensatz zu Maßnahmen der EZB oder der griechischen Nationalbank stellt die Einführung einer Zweitwährung keine Revolution dar sondern erlaubt eine langsame Evolution. Verbessert sich die Lage Griechenlands im Vergleich zu anderen Ländern der EU so wird die Zweitwährung an Bedeutung verlieren und Griechenland kehrt de Facto in die Euro Zone zurück.

Nun kann man natürlich bezweifeln, ob eine Aktion Zweitwährung Griechenlands Lage wesentlich verbessern würde (Anmerkung: vielen Griechen geht es gar nicht so schlecht!). Zumindest ist es aber ein Ansatz, die ausgetretenen Wege, die nicht zum Erfolg führten, zu verlassen. Neue Ideen braucht nicht nur Griechenland.

Der Geuro der deutschen Bank
Überraschender Weise plädiert jetzt auch Hans Mayer, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank für eine Zweitwährung, den Geuro (wie schon andere Experten vorher). Allerdings hat die Deutsche Bank ganz andere Motive als den Griechen zu helfen. Sie möchte auf alle Fälle einen Ausfall der über 4.6 Milliarden hohen Kredite ihrer griechischen Tochterbank ATEbank (siehe Who loaned Greece the money) verhindern und möchte die Zweitwährung auf Importe und den Inlands-Zahlungsverkehr anwenden. Damit würde die Fremdwährung über handelbare Schuldscheine wie gehabt von den Banken kontrolliert. Nachdem der Kanzlerin in der Finanzpolitik meist nur die Ideen der Deutschen Bank einfallen, ist zumindest das Eis für eine Zweitwährung gebrochen.

PS I Who loaned Greece the money wird anschaulich gezeigt, dass Griechenland jedes Jahr 12 Lastzüge bepackt mit 100 $ Scheinen braucht, um sein Defizit zu bezahlen. Um die Schulden zu begleichen braucht man dann schon 150 mit Geld bepackte Lastzüge. siehe So erklärt man Wirtschaft im Webzeitalter (Sarrazin und Steinbrück schaffen das nicht!)

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2 Antworten zu Neue Ideen für Griechenland – Zweitwährung

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