Unser Rentensystem hat keine Zukunft – Beispiel Australien und andere Länder

Wiulff_G_smallIm Wahlkampf übertreffen sich die Parteien mit Vorschlägen wie die Renten in Zukunft aufgebessert werden müssen. Dabei nimmt man an, dass unser Rentensystem die kommenden Jahrzehnte beibehalten wird. Die LINKEN rechnen durch lineare Exploration sogar den Mindestlohn aus.

Tatsache ist, dass es heute unseren Rentnern so gut wie nie geht. Der „klassische“ Rentner hat sein Leben lang gearbeitet, lebt mit seinem Ehepartner im eigenen Haus oder einer Eigentumswohnung und hat genügend Geld für Konsum – auch für die Unterstützung der Enkelkinder, sofern er überhaupt Enkel hat. Muss der Rentner Miete bezahlen, muss er sich nur in den Ballungsgebieten etwas einschränken und im Urlaub in die Türkei und nicht nach Mallorca fahren. Die Oberklasse der Rentner, höhere  Beamte und Angestellte von Behörden und Großbetrieben, haben Geld für Kreuzfahrten und anderen Luxus solange sie nicht in ein Pflegeheim kommen- dort sind heute bereits 2500 € als Eigenbeitrag üblich – für ein Ehepaar macht das 5000 €! Das können sich die wenigsten Rentner heute leisten. Da muss dann das ersparte Eigenheim verkauft werden oder das Sozialamt muss einspringen. Die Pflegeversicherung ist keine Vollversicherung wie die Krankenkasse sondern eine Teilkaskovericherung mit einem hohen monatlichen Eigenbeitrag, der z.B. dieses Jahr um 200 € im Monat erhöht wurden, weil die Löhne der Pflegekräfte erhöht wurden. Das schlägt voll auf die Zuzahlungen durch. Da kann die Politik leicht Wohltaten beschließen wenn anschließend die Bürger die Rechnung bezahlen müssen.

Unser Rentensystem wurde für ein klassisches Szenario ohne Pflege entwickelt und könnte für „gesunde“ Rentner, die rechtzeitig ableben auf Jahrzehnte stabil bleiben. Läßt sich das „Rentnerehepaar“ heute scheiden, reicht das Geld nicht mehr für die Führung zweier Haushalte. Oft können sich die heutigen Paare nur einige Jahre leiden und leben dann lieber als Alleinerziehende mit allerlei Ansprüchen aus Hilfen durch die Gesellschaft. Die Jungen speziell in Ostdeutschland, heiraten lieber gar nicht, weil sie damit soziale Risiken eingehen würden, die sie nicht abschätzen können. Es ist eben besser mit einem „Hartzer“ (mit eigener Wohnung)  als Freund zu leben als einen Nichtverdiener im Haushalt zu haben. Die Sozialleistungen sind ja so gestaltet, dass sie diesen Trend unterstützen. Die Jungen beginnen heute erst etwa mit 25 Jahren signifikante Beiträge in die Rentenversicherung einzuzahlen und gehen meist vor 65 in den Ruhestand und erwarten mindestens 25 Jahre Rente.

Immer mehr Bürger zahlen keine Beiträge zur Rentenversicherung weil sie als „Selbständige“ und nicht als Angestellte bei Firmen beschäftigt werden. Zur Zeit zahlen 1.8 Millionen Selbständige nicht in die Rentenversicherung ein. Dazu kommen 1.7 Millionen Beamte und zusätzlich Beschäftigte in „Freien“ Berufsgruppen wie. z.B. Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte usw, sowie Gutverdienende, die sich von der Rentenversicherung haben befreien lassen. Nur etwa 70% der 23 Millionen Beschäftigten zahlen heute noch in die Rentenkasse ein. Davon sind > 30 % Geringverdiener, die wenig einzahlen aber über die Grundsicherung mehr Rente beziehen als sich aus ihren Einzahlungen ergeben würde. Dazu kommen die Zusatzleistungen, die der Rentenversicherung von der Politik aufgebürdet werden, die aber aus Steuermitteln nicht vollständig ersetzt werden.

Die Rentenversicherung kassiert auch die Zahlungen der Beschäftigten aus den EU Ländern ohne Renten an deren Eltern zu bezahlen zu müssen. Wenn dann die EURO Boomer ihre deutsche Rente im Alter haben wollen wird der Kuchen für die Deutschen Rentner wohl kleiner.

Das größte Problem ist aber, dass die Zeiten der lebenslangen Beschäftigung vorbei sind. Sowohl beim Einstieg in den Beruf als auch beim Umstieg und Ausstieg muss man mit Arbeitslosigkeit und niedrigen Löhnen rechnen. Damit wird die Arbeitszeit als eine bestimmende Größe für die Höhe der Rente immer mehr irrelevant. Es werden ja schon Schwafelbegriffe wie „Lebensleistung“ erfunden – wobei niemand verrät wie man die denn messen soll. Eine Rente von 50 € pro Kind wird da wenig helfen (Frau von der Leyen würde dann 350 € bekommen!). Die Einführung einer Grundrente würde vor allem Frauen nutzen, die einen gut verdienenden Mann haben oder hatten, nicht arbeiten mussten und wenig in die Rentenkasse eingezahlt haben. Ähnlich wie die Mütterrente würden diese Frauen auch die Grundrente gerne zur weiteren Anhebung ihres Lebensstandards im Alter entgegennehmen. Man kann aber auch einen älteren Beamten/-in (gerne auch alten SED Funktionär) heiraten, und dann die volle Witwerente kassieren obwohl man nur einige Jahre verheiratet war.

Hilfreich ist es einmal über die deutsche Grenze zu schauen. Zunächst einmal gibt es selbst in der EU Staaten, die überhaupt keine auskömmlichen Renten haben. Die EUmaniker denken ja schon laut über einen EU Sozialfond für alle nach. Reiche Länder wie Norwegen und Schweden sparen Kapital an, um Renten auszahlen zu können. Das funktioniert aber nur bei relativ kleinen Ländern (die nicht dem Euro Verbund angehören) da es nicht genügend sichere Anlagemöglichkeiten gibt. In den USA muss man privat vorsorgen oder fällt in die Sozialhilfe. Die private Vorsorge ist durch Kapital gedeckt. Das hat solange funktioniert solange große Firmen und staatliche Organisationen genügend Geld in die Fonds eingezahlt haben. Jetzt wollen viele Versicherte (Baby Boomer) ihr Geld zurück und stellen verblüfft fest, dass die Verwalter ihres Geldes einen Großteil davon verjubelt haben. Um den Rentenmarkt in USA nicht ganz zusammenbrechen zu lassen, kauft die FED von den Banken u.a. faule Hypothekenkredite für 80 Milliarden $ im Monat auf! Wie lange das gut geht wird man sehen.

In Dänemark wird die Rente aus der Zahl der Jahre errechnet, die man in Dänemark gewohnt hat. Zuwanderer haben da schlechte Karten. Ein Original-Däne erhält eine gesicherte Grundrente von etwa 1400 € unabhängig davon wie lange er gearbeitet hat. Auch die Krankenversicherung ist unabhängig von der Beschäftigung. Die Dänen haben deswegen wenig Angst vor  Arbeitslosigkeit und sind am Arbeitsmarkt sehr flexibel.

Eine interessante Methode für die Altersrente hat Australien entwickelt. Hier erhält man beim Eintritt ins Rentenalter, oft erst im Alter über 70, eine Summe ausbezahlt, die aber für eine Rente nicht ausreicht. Die Rentner nehmen also das Geld und machen eine Kreuzfahrt oder geben es den Enkeln, um deren teure Ausbildung zu finanzieren. Anschließend meldet man Konkurs an. Die Sozialbehörde schätzt dann das Eigenheim und „kauft“ es auf. Der Besitzer erhält dann eine Rente und eine Krankenversicherung. Die Besitzer des Hauses können dann bis zu ihrem Tod im Haus leben. Ein ähnliches System gibt es in den USA. Dort übernehmen die Banken das Haus aber nicht die Krankenversicherung – der Besitzer darf aber bis zu seinem Ableben darin wohnen.  Das ist gesetzlich geregelt. Das System hat u.a. den Vorteil, daß damit genügend preiswerte Wohnhäuser für junge Familien auf den Markt kommen, die dann oft in Eigenleistung modernisiert werden.

Dieses Modell ist durchaus auch für Deutschland denkbar. Die ältere Generation hat ja genügend Vermögen angehäuft. Die jungen Deutschen müssen dann die Renten der meisten Alten nicht mehr zahlen – was sie ja auch gar nicht können werden. Kommt der deutsche Rentner ins Pflegeheim muss er etwa 2500€/Monat aus eigener Tasche zuzahlen. Dafür muss das Eigenheim, sofern er eins erspart hat, verkauft  werden. Hat er kein Vermögen zahlt das Sozialamt und der deutsche Bürger kann über die Sinnhaftigkeit des von den Politikern propagierten Sparens für das Alter nachdenken.

Diese Methode hat kurzfristig durchaus Sinn. Es gibt dann weniger zu erben. Das kann durchaus positiv sein, da es dann keinen Streit über das Erbe gibt. Da in Deutschland aber viele Bürger keine Geldvermögen oder  Wohnungseigentum haben, bleiben noch genügend Rentner übrig, deren Rente über Umlagen wie heute finanziert werden muss. Die Höhe dieser Rente wird aber wohl globalisiert und auf den in USA üblichen Standard absinken. Die Kinder, die auf das elterliche Haus als Beitrag für die Rente hoffen,  können dies Hoffnung fahren lassen.

Die empfohlene Strategie für die Ü50 Generation lautet dann wohl: Wer’s Geld versauft vor seinem End, der macht das beste Testament. Von den Aussies lernen heißt siegen lernen. Die Österreicher sind auch schlauer. Sie haben bei den Parlamentswahlen eine Partei gewählt, die versprochen hat, das Heim der Eltern vor dem Zugriff der Pflegeorganisationen zu schützen. Die Partei scheint sogar ihr Wahlversprechen einzuhalten!

PS Inzwischen haben unsere Sozialträger und Sozialämter eine ähnliche Strategie wie die Australier entwickelt. Im Altersheim werden z.B. Rentner mit geringem Einkommen aber mit Vermögen mit hohen Zuzahlungen belastet und nit teuren „Sonderleistungen“ verwöhnt. Die Kosten streckt das Sozialamt vor – natürlich gegen Zinsen. Stirbt der „Kunde“ wird der Vorschuss vorab vom Erbe abgezogen. Es gibt allerdings inzwischen auch genügend „Berater“, die den Rentnern erklären wie man dem Sozialamt mit Schenkungen usw die Rechnung verderben kann.

  • 2017 Therese May hat ihren Wählern im Rentenalter eine ähnliche „australische“ Lösung vorgeschlagen und kam damit ganz offensichtlich nicht gut an.
  • Aus Australien kam soeben (2017) die Nachricht, dass sich eine Bekannte mit 85 Jahren als Krankenschwester zur Ruhe gesetzt hat. Ein Modell für Deutschland? Etwa 100 Ärzte, die sie  „ausgebildet“ hat, haben ihr ein rauschendes Abschiedfest arragiert. Eine schöne Form die Achtung vor dem Pflegeberuf auszudrücken.

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