Edelpresse und Info-Trolle

BrandmelderIch leiste mir noch den Luxus einer seriösen Tageszeitung (Stuttgarter Zeitung), die mir täglich Informationen liefert. Ähnlich wie andere seriöse Zeitungen hat die StZ noch eine echte Redaktion und Korrespondenten im Ausland. Die Zahl der Mitarbeiter in der Redaktion schrumpft zwar ständig, man konnte sich bis jetzt aber eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. Die von den Redakteuren geschriebenen Artikel sind meist gut recherchiert und gut geschrieben. Die Auswahl der politischen Themen ist schon etwas kritischer zu sehen. Meist folgt man der Mehrheit und achtet darauf, die wichtigsten Autoritäten wie z.B. die Anzeigenkunden, die Landesregierung, die Stadt und die politischen Parteien nicht zu verärgern. Schließlich ist man auf Informationen aus diesen Organisationen angewiesen. Kritik wird erst geübt, wenn bereits eine große Zahl von Spatzen auf den Dächern der Leser darüber zwitschern.

Ein großes Ärgernis sind dagegen die Meldungen, die direkt von externen Quellen ohne Prüfung auf Wahrheitsgehalt übernommen werden, von „befreundeten“ Journalisten im Auftrag geschrieben oder von Interessengruppen lanciert werden. Nur selten wird erwähnt von wem die Meldung eigentlich stammt. Liegen die Meldungen im „Mainstream“ werden sie besonders gerne ohne Prüfung übernommen. Damit wäre die Redaktion bei der Vielzahl der Meldungen und Themen wohl auch überfordert. Neuerdings findet man auch ein neues Format – unterschiedliche Meinungen von zwei „Experten“ – auf der gleichen Seite der Zeitung.

In der Ausgabe der StZ vom 25.1.2016 findet man zum Beispiel einen Artikel, der fordert dass die Stromkunden „Smarte Zähler“ einbauen sollten, damit man den Stromverbrauch dem wechselnden Angebot von Wind- und Solarstrom anpassen kann. In einem zweiten Artikel liefert dann eine Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale schlüssige Argumente warum dies für Endverbraucher sinnlos ist. Damit wird der Leser ziemlich gut über für und wider informiert.

Ein Beispiel für schlampigen Journalismus ist dagegen der Umgang mit dem Feinstaubalarm in Stuttgart. Die grüne Regierung möchte die Feinstubbelastung am neuralgischen Punkt im Stuttgart durch Drosselung des Verkehrs erreichen. Da gibt es in der Stuttgarter Zeitung keinen Widerspruch. Hilfreich sind da die Kommentare der Experten. Feinstaub wird in Stuttgart durch Dieselruß, Reifenabrieb (minimal im Stau) sowie Abgase von Industrie und Heizungen verursacht. Leider weiß man nicht einmal wie hoch die Beiträge der einzelnen Verursacher sind – Hauptverursacher an den Meßstellen ist aber wohl der Verkehr und speziell die „heilix Blechle“ der Schwaben – die Dieselfahrzeuge.  Man ist sich aber einig, dass man die Automobilindustrie und die Haushalte (Wähler) vor der Landtagswahl nicht vergrätzen will. Ausgelöst wird der Hype um den Feinstaub durch eine Information der EU, dass in Europa 430 000/Jahr vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub verursacht werden. Die EUA (Europäische Umwelt Agentur), hat damit ein EU Gesetz im allgemeinen CO2 Hype medienwirksam platziert.

Unklar ist auch wie schädlich der Feinstaub eigentlich ist. Die Presse meldet meist XX 000 Todesfälle durch Feinstaub in Deutschland. Richtig müsste es heißen: XX 000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub in Deutschland. Quantitative Aussagen was vorzeitig ist gibt es natürlich nicht. Das Umweltbundesamt (zitiert in der WELT) gibt 47 000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland an. Das MPI  Mainz (zitiert von der FAZ) liegt bei 35 000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub (40 % sollen von der Landwirtschaft verursacht werden). Medienwirksam verkündet das MPI im gleichen Artikel der FAZ aber an anderer Stelle, dass die Zahl der Todesfälle durch Luftverschmutzung in Deutschland doppelt so hoch sei, wie die Zahl der Toten im Strassenverkehr. Bei etwa 3500  Toten im Straßenverkehr 2015 wären das 7 000 Opfer durch Feinstaub. Da traut man wohl keiner Zahl mehr. Ein Faktor 5 in einem Artikel ist wohl ein Hinweis auf unseriöse Information des MPI.

Schaut man sich die Daten der Wissenschaftler näher an, so findet man keine exakten Beweise für die veröffentlichten Zahlen. Das liegt im wesentlichen daran, dass es gar keine verläßlichen Daten gibt. Zu groß sind die Abhängigkeiten von anderen Lebens- umd Umweltumständen der Opfer. Unklar ist zum Beispiel wieviel Feinstaubpartikel der Vorderleute sich die Autofahrer mit ihren Lüftern selbst ins Auto blasen. Man wollte aber unbedingt Zahlen veröffentlichen, um Aufmerksamkeit zu heischen. Beliebter Spruch der ernsthaften Statistiker: „Wollen Sie Zahlen – 1, 2 und 5 um nur einige zu nennen!“ Ernsthafte Beiträge zur Feinstaubproblematik findet man in den Leserkommentaren der StZ. Diese muss man sich aus den polemischen Artikeln aber heraussuchen was sicher nicht jeder Leser kann. Diese Arbeit erwartet man von der Redaktion einer Edelzeitung.

Nun ist der Streit um den Feinstaub nicht sehr wichtig – immerhin hat die Bevölkerung in Stuttgart seit 100 Jahren mit diesem Problem gelebt. Es zeigt sich aber exemplarisch wie Themen in der Öffentlichkeit platziert und priorisiert werden. Die Meldungen (Botschaften) werden in der Regel von professionellen Medienagenturen über alle verfügbaren Medien gemanaged. Dabei wird Ort und Zeitpunkt der Meldungen und Diskussionen gewählt und die Streuung gemessen und gesteuert. Eventagenturen platzieren zusätzlich Aktionen und Demonstrationen – z.B. ein paar Aktivisten mit schwarz gefärbten nackten Oberkörpern um in Zeitungen, Fernsehen und Internet Aufmerksamkeit zu erzielen. Das große Vorbild ist dabei die Greenpeace Organisation deren einziger Zweck die Medienarbeit und das Eintreiben der nowendigen Spenden für die Bezahlung der eigenen Mitarbeiter ist. Ähnlich arbeitet der ADAC. Von der vermeintlichen gemeinnützigen Organisation bleiben nach der „Entflechtung“ gerade mal 10% des neuen Konzerns für „gemeinnützige Zwecke“. Tausende von solchen gemeinen und selbstnützlichen Vereinen und Organisationen versuchen die öffentliche Meinung zu beeinflussen und finden allzu oft willfährige Sprachrohre auch in der Edelpresse. Als kleine Medienübung empfiehlt sich, einmal die Mitwirkenden beim „Feinstaub“ und ihre Geldquellen zu identifizieren – sehr häufig bekommen sie ihre Gelder von der „offenen Hand“ und indirekt damit von den Steuerzahlern.

Problematisch wird es, wenn solche Aktionen schief gehen. Ein unschönes Beispiel ist die Aktion der deutschen Industrie billige(re) Arbeitskräfte zu akquirieren. Diese Methode war ja mit den Gastarbeitern sehr erfolgreich, die zum Großteil wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind. Bei den4.5 Millionen Russlanddeutschen hat sogar die Intergration einigermaßen geklapppt ein Großteil sprach ja deutsch. Mit der Botschaft „Deutschland vergreist und braucht dringend Arbeitskräfte für die Industrie “ wurde die  Politik manipuliert (man erhofft sich die Rettung der deutschen Rentenversicherung) und der Flüchtlingsstrom losgetreten. Die Edelpresse hat dies jahrelang unterstützt, obwohl schon längst klar war, dass diese Theorie auf tönernen Füßen steht. Man wollte den „Mainstream“ eben nicht hinterfragen.

Eine ähnliche kollektive Euphorie herrscht bei der Berichterstattung über die Energiewende. Es gibt keinerlei wissenschaflichen Beweise, dass mit der jüngst geplanten weltweiten CO2 Reduktion, die Erwärmung des globalen Klimas (ein äußerst künstlicher Begriff) auf 2° C begrenzt werden kann. Dafür gibt es eine Unzahl von theoretischen Vorhersagen obwohl man beim heutigen Stand der Meßdaten und der Technik globale Temperaturen nicht einmal für 4 Wochen vorhersagen kann. Die StZ muss man hier einmal loben, die den Leiter des Stuttgarter Hochleistungsrechenzentrums zu Wort kommen ließ. Die Folgerung aus dessen subtiler Aussage, dass man mit solchen Rechnern nur kurzfrisitige Aussagen machen kann, haben aber nicht viele Leser bverstanden. Sicher ist jedoch, dass Deutschland mit all den geplanten Aktionen zur Verringerung des CO2 Ausstoßes den Anstieg der „Globalen Temperatur in der Luft“ nur um etwa zwei Wochen verzögern kann, wenn man an die heute üblichen Modelle glaubt. Schaden kann eine solche Aktion wenig wenn wir genügend Kapital zur Verfügung haben, uns diesen kleinen Luxus zu leisten. Die Wirtschaft muss ja irgendwie angekurbelt werden.

Die nächste Pleite bahnt sich mit der Euphorie für Elektro Autos an. Ähnlich wie bei den VW Diesel Modellen klaffen bei den E-Autos die Spezifikation und die reale Kilometerleistung weit auseinander. Aber keiner will es zugeben. Träumen ist schöner.

Die größte kurzfristige reale Gefahr für die Menschheit geht heute von den Menschen durch Kriege Unterdrückung und Vertreibung selbst aus. Die Flüchtlinge in Deutschland haben diese abstrakte Aussage schnell für den Bürger erlebbar gemacht. Der Einfluss der Gesellschaftsysteme auf die Erdbevölkerung wird zwar immer wieder heftig diskutiert, die Grundstimmung ist aber immer noch die Kölner Weisheit  „es ist noch immer gut gegangen“. Auch hier würde man sich weniger Mainstreaming von den Edelmedien wünschen.

Mittelfristig sind wohl die Verschiebung der Erdplatten die größte Gefahr für das Erdklima. Schon ein relativ lokaler Tsunami forderte 230 000 Menschenleben. Die letzte Eiszeit in Europa, ausgelöst durch tektonische Prozesse und nicht durch CO2 in der Atmosphäre, endete erst vor 10 000 Jahren. Die Schwaben können das real an der schwäbischen Alb täglich verifizieren. Bei Verschiebung des Golfstroms kann es sehr schnell in Europa wieder 30 °C kälter werden. Davon haben wir aber offensichtlich keine Angst solange niemand eine Medienkampagne großen Stils beim nächsten großen Erdbeben startet.

Bei der Flut der Informationen, die an uns täglich herangetragen werden, ist die Fähigkeit Meldungen zu hinterfragen und Manipulationsversuche zu erkennen, wichtiger denn je. Wer weiß wie lange die Edelpresse uns dabei noch unterstützen kann.

 

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Der Schmiedel-Wutz – Indikator für rückständige digitale Infrastruktur in Baden-Württemberg

Benz1Trotz Feinstaubalarm in Stuttgart fährt der Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, Schmiedel,  mit dem Auto von Ludwigsburg durch die Feinstaubzone in den Landtag. Stolz berichtet er, dass durch den Feinstaubalarm weniger Autos unterwegs waren und er so schneller am Ziel war. Mit dieser Nachricht hat Schmiedel endlich mal wieder viel Aufmerksamkeit in der Presse erhalten. Als Politikprofi weiß Schmiedel, wie man Aufmerksamkeit generiert. Inhalt ist völlig egal.

Interessant ist die Ausrede von Herrn Schmiedel. Er hätte eine schwere  Aktentasche (so etwas verwenden eigentlich nur noch Servicetechniker) tragen müssen und hätte ausserdem noch Termine gehabt, die er mit dem Auto wahrnimmt. Das zeigt exemplarisch wie rückständig die Arbeit von SPD, dem Landtag und der Verwaltung B-W organisiert ist. In einem modernen Unternehmen hätte Schmiedel allenfalls ein kleines Notebook gebraucht, um seine Arbeit zu erledigen. Anstatt moderne Kommunikationstechnik zu nutzen, rennen unsere Politiker zu jedem „wichtigen Termin“ im Ländle, wo sie dann natürlich keine Repräsentanten der Bevölkerung, sondern nur ihre „Freunde“ treffen. Welcher normale Bürger geht schon freiwillig auf eine Veranstaltung mit Herrn Schmiedel?

In einem modernen Unternehmen hätte Schmiedel kurz im Büro angerufen und einen Home Office Tag ohne Auto eingelegt. Die IT der Landesverwaltung in Baden-Württemberg ist etwa 15 Jahre hinter dem Stand der führenden Unternehmen zurück. Obwohl mit SAP eine der wenigen IT Weltfirmen in Baden Württemberg zu Hause ist, gibt es keine IT Plattform oder einheitliche Verfahren z.B. mit der Kommunikation mit den Städten. Für die Bürger gibt es nur „Einweg-Kommunikation“ – neuerdings sogar modern über Facebook und Twitter! Man schafft es nicht einmal einen eigenständigen Kommunikationsdienst aufzubauen und zwingt die Bürger, die AGBs der Privatfirmen zu akzeptieren! In der Landesverwaltung gibt es hunderte von isolierten IT Verfahren, die meist auf veralteten Windows Rechnern laufen und mit viel Personalaufwand gewartet werden müssen. Die Cloud Technologie, die auch von SAP als Schlüsseltechnologie getrieben wird, wäre eine Chance endlich die IT Infrastruktur der Verwaltungen im Land zu koordinieren und auszubauen. Dafür ist natürlich jetzt kein Geld mehr da. Zum Glück fehlen auch die Experten in der Verwaltung, da man auch da gespart hat. Selbst wenn man wollte, könnte man jetzt keine neuen IT gestützte Verfahren in der Verwaltung einführen.

In keinem Parteiprogramm zur Landtagswahl von 2016 findet man einen Hinweis wie die Landesregierung speziell die existierende IT Industrie u.a. mit Aufträgen für moderne Anwendungen stärken will. Alle Parteien wollen nur „bewahren“ – aber auch das funktioniert in der Wirtschaft nicht. Man wundert sich z.B. dass GE Geschäftstellen im Land aufgibt und hunderte von Mitarbeitern entlässt. GE hat in B-W praktisch kein Geschäft mehr, da keine Kraftwerke mit Turbinen gebaut werden. In Frankreich werden aber nach wie vor Kraftwerke gebaut und man benötigt dort weiterhin Mitarbeiter.

Typisch für die IT Szene in Baden-Württemberg ist z.B. dass IBM ein neues IoT Zentrum mit etwa 1000 neuen Mitarbeitern in München einrichtet obwohl die IoT Grundlagen im IBM Labor in Böblingen seit etwa 15 Jahren (Einführung zum Buch Pervasive Computing, Pearson 2001) für IBM erarbeitet wurden. Die Knowhow Träger ziehen jetzt eben von Böblingen nach München um. Die Landesregierung B-W hat sowohl die Förderung von Wissenschaft und Forschung an den Universitäten verschlafen (die Feindlichkeit gegen Spitzenleistungen in der Wissenschaft war eine Spezialität der Regierung Teufel) und hat nicht erkannt, dass man für die Ansiedlung von größeren IT Unternehmen moderne Infrastruktur und große Büroflächen in attraktiver Umgebung braucht. IT Infrastruktur ist etwas mehr als die von unseren Parteien in ihren Parteiprogrammen propagierte Verlegung von Glasfaserkabeln im ländlichen Raum.

siehe auch: Die digitale Strassenbahn in Stuttgart-Versagen der Industriepolitik in Baden-Württemberg. (Konform mit der Grünen Politik heißt der Hochleistungsrechner an der Uni Stuttgart Hazel Hen „Haselhuhn“ und passt damit in die gängige Philosophie des Landes).

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