Als Freier Abgeordneter 2016 in den Landtag Baden-Württemberg

Beuren & HohenzollernDie Bundesländer haben höchst unterschiedliche Wahlverfahren. Eine gute Übersicht findet man über die verschiedenen Wahlverfahren findet man bei www.wahlrecht.de . Parteien, die einmal eine große Mehrheit im Parlament hatten, haben diese genutzt um das Wahlrecht in ihrem Sinn zu beeinflussen. Das Wahlrecht in Baden-Württemberg wurde von der CDU so gestaltet, dass große Parteien bevorzugt werden und möglichst Ausgleichs- und Überhangmandate entstehen. Die SPD hatte da mitgemacht, weil sie hoffte, auch einmal eine große Partei zu werden. Die wichtigsten Fakten für die Landtagswahl am 13. März 2016 in Baden-Württemberg:

  • Jeder Wähler hat nur eine Stimme. Damit wählt man unmittelbar den Kandidaten für seinen Wahlkreis und gibt anders als bei der Bundestagswahl gleichzeitig eine Stimme für dessen Partei ab.
  • Der Landtag hat nominell 120 Sitze. Durch Ausgleichsmandate kann sich die Zahl der Sitze erhöhen. Der amtierende Landtag wurde 2011 gewählt und hat 138 Abgeordnete.
  • 70 Sitze werden direkt an die Gewinner der einzelnen Wahlkreise vergeben.
  • Die restlichen Sitze werden in einem komplizierten Verfahren an die Parteien mit mehr als 5% der Wählerstimmen in den einzelnen Regierungsbezirken aufgeteilt. Die Reihenfolge der Kandidaten einer Partei ergibt sich aus deren relativem Stimmenanteil in ihrem Wahlkreis.
  • Die Abgeordnetentätigkeit wird ab 2016 als berufliche Tätigkeit gewertet und die Diäten werden dafür natürlich erhöht. Beamte wie Lehrer, Bürgermeister und Landräte können ihren Beruf nicht mehr zusätzlich zu ihrem Landtagsmandat ausüben. Dadurch werden einige Platzhirsche aus dem Parlament ausscheiden. Da aber Nebenerwerb ähnlich wie im Bundestag erlaubt weiter erlaubt ist, werden wohl einige Multitalente in den Landtag drängen.

Das Wahlverfahren in Baden-Württemberg ist eigentlich eine Persönlichkeitswahl. Nur Kandidaten, die einen hohen Anteil der Wählerstimmen erhalten, kommen in den Landtag. Der entscheidende Nachteil ist allerdings, dass die Bürger eigentlich nur die Kandidaten wählen können, die von den Parteien nominiert werden.

Das Wahlverfahren stellt sicher, dass alle Landesteile im Parlament ähnlich repräsentiert werden. Der Bürger hat aber keine Möglichkeit seine Meinung über die Qualifikation der von den Parteien aufgestellten Kandidaten geltend zu machen. Es gilt offensichtlich die Devise „Friß Vogel oder stirb“. Die ersten Meldungen über die Kandidaten der Parteien sind nicht sehr positiv. Da werden qualifizierte Frauen bei der CDU durch clevere Dauerstudenten verdrängt oder Kandidaten aus der Parteizentrale in den Wahlkreisen platziert wie z.B. bei der SPD. Bei den Grünen werden die innerparteilichen Kämpfe über der Wahl der Kandidaten ausgetragen. Küngeleien der Ortsvereine und feindliche Übernahmen durch kurzfristige Neueintritte  (und kurz nach der Wahl des Kandidaten die Austritte) in die Partei sind übliche Strategien bei der Kür der Wahlkreiskandidaten.  In vielen Wahlkreisen hat der Wähler nur die Wahl zwischen Skylla und Charybdis.

In Baden-Württemberg ist es inzwischen bei Oberbürgermeisterwahlen (siehe Oberbürgermeisterwahl Ebingen) eine weit verbreitete Praxis, dass die Parteikandidaten wegen mangelnder Qualifikation und mangelnder Bürgernähe keine Chance haben. So sollte es in Baden-Württemberg auch möglich sein, einige unabhängige Abgeordnete in den Landtag zu wählen. Das Verfahren zur Nominierung eines unabhängigen Kandidaten ist im Gesetz über die Landtagswahlen Abschnitt 25 beschrieben. Ein Wahlvorschlag muss von mindestens 150 Wahlberechtigten des Wahlkreises unterschrieben werden und spätestens 18 Tage vor Wahl beim Wahlkreiswahlleiter eingereicht werden. Erfahrungsgemäß sollte man sich recht früh mit dem Wahlkreisleiter in Verbindung setzen, weil meist keine gültigen Formulare für die Anwendung vorhanden sind und die Verwaltung unabhängigen Kandidaten nicht gerade hilfreich zur Seite steht.

Bürger sollten sich zeitnah nach der Nominierung Parteikandidaten im Wahlkreis nach einem geeigneten unabhängigen Kandidaten umsehen, der durch Qualifikation und Charakter ein würdiger Vertreter des Wahlkreises im Landtag werden könnte.  Weiterlesen

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So läßt man die Aktien steigen

LBM at Symposium 104Wenn die Aktienkurse steigen freuen sich die Aktionäre und meist auch die Manager, die dann meist einen schönen Bonus erhalten. Die Dummen sind dabei die „Otto Normalverbraucher“, denen geraten wird die überteuerten Aktien zu kaufen. Eine zur Zeit beliebte Methode ist der Rückkauf der eigenen Aktien. Die Firma IBM ist da z.B. ein schönes Beispiel. Seit 2000 hat IBM für 108 Milliarden $ eigene Aktien gekauft. Bezahlt wurde dabei mit den Gewinnen aus dem laufenden Geschäft aber auch durch Aufnahme von billigen Darlehen. Die Aktionäre freut das, da dadurch sowohl der Kurs der Aktie und die Gewinnauszahlungen pro Aktie (siehe auch Allianz Gewinnausschüttung). Die Großaktionäre, Versicherungen und diverse Fonds u.a. Warren Buffet, können ihren Kunden hohe vermeintliche Zuwächse des Vermögens berichten (ihre Rente im Alter ist sicher!). Der Nachteil dieses Verfahrens ist allerdings, dass Aktienrückkäufe und hohe Dividenden anzeigen, dass ein Unternehmen offensichtlich keine Ideen hat, wie man das verdiente Geld gewinnbringend im eigenen Unternehmen einsetzt. Die Unternehmenkuh wird verstärkt gemolken und immer weniger gefüttert. Es macht durchaus Sinn wenn sich ein Unternehmen wie IBM rechtzeitig aus den Geschäftsfeldern zurückzieht, die langsam schrumpfen. Wenn aber nicht gleichzeitig neue Geschäftsfelder rasch aufgebaut werden kommt das Unternehmen schnell in die Problemzone, speziell wenn sich wie bei IBM die Technologie und das Geschäftsmodell schnell ändern.

Eine spezielle Variante des Aktienrückkaufes wird schon längere Zeit bei VW gepflegt. Die Familien Porsche und Piech sind ja relativ erfahren in Manipulation der Aktienkurse. Büssen muss wahrscheinlich nur der „kleine“ Angestellte Wiedeking, gegen den wahrscheinlich ein Verfahren eröffnet wird wegen Manipulation der VW Aktienkurse.  Die deutsche Börsenaufsicht griff selbst bei Kursen von über 1000 € nicht ein!

Durch den Rückkauf von VW Vorzugsaktien wird der prozentuale Anteil der Familien Porsche/Piech und des Landes Niedersachsen an den Aktien erhöht. Damit wird die Mehrheit dieser Großaktionäre gesichert. Ob das wirklich zum Vorteil des Unternehmens ist, wenn weniger Geld für Investitionen zur Verfügung steht, wird sich zeigen. Auf alle Fälle sind die kleinen Aktionäre mal wieder die Dummen.

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