Klaus Regling ’s ESM und die vermeintlichen Erfolge des IWF

Klaus Regling ist der neue Chef des ESM.  Er ist fast eine Idealbesetzung. Für kritische Positionen setzt man bei der EU gerne Deutsche ein, die in ihrer Laufbahn bewiesen haben, dass sie nicht allzu viel Rückgrat haben und sich wechselnden Positionen schnell anpassen. Sind die Institutionen dann einmal etabliert und die deutschen Bürger beruhigt, übernehmen ähnlich wie der EZB sehr schnell strategisch denkende Experten das Ruder. Regling hat sowohl beim Schuldenmachen und beim Wegsehen (z.B. Griechenland Beitritt) Erfahrungen gemacht und ist mit der Welt der Banken und Hedgefonds gut vernetzt. Wenn immer seine Karriere ein kurzes Tief hatte, wurde er vom Finanznetz aufgefangen. Seine bisher größte Leistung ist die Unterschrift unter den größten Kreditvertrag mit 127 Milliarden € zusammen mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos – darauf ist Herr Reging sehr stolz. Venizelos ist jetzt weg vom Fenster. Hoffentlich kann sich wenigstens noch Klaus Regling daran erinnern was in dem Vertrag drin steht.

Klaus Regling sagt sehr richtig, dass Finanzhilfen den Krisenstaaten nicht grundsätzlich helfen sondern nur Zeit für Reformen der Staaten kaufen können. Den ESM sieht er als Ergänzung zum IWF der speziell den Eurostaaten Zeit kaufen soll, bis die eingeleiteten Reformen greifen. Gerne wird da auf die Erfolge des IWF in Brasilien, Südkorea, Irland oder der Türkei verwiesen. Klaus Regling übersieht dabei leider, dass keinem der EU Krisenstaaten die Werkzeuge zur Verfügung stehen, die meist trotz und nicht wegen des IWF zum Erfolg geführt haben.

Brasilien schottet seinen Markt durch hohe Einfuhrzölle ab, die Unternehmen zwingen Fabriken in Brasilien zu errichten. Diese Investitionen werden durch hohe staatliche Subventionen unterstützt, die durch Ausbeutung des Landes und seiner Bodenschätze gewonnen werden.  Kapitalexport wird durch Kontrollen erschwert (viele Banker in Brasilien waren früher Ingenieure und können gut rechen!) . Brasilien ist natürlich Herr des Wechselkurses der Landeswährung.

In Südkorea sind die Strukturanpassungen des IWF in der Krise 1977 – 1997 gescheitert. Der Aufschwung wurde durch den hohen technischen Bildungsstand der Angestellten und Kenntnisse von Hochtechnologien ermöglicht und hatte massive Nachteile für die breite Bevölkerung. Die Aktionen des IWF wurden von Südkorea weitgehend abgeblockt. Die Bevölkerung wurde mit dem Verweis auf den Erzfeind  Nordkorea massiv unter Druck gesetzt (ganz ähnlich wie in Deutschland zur Zeit des kalten Krieges der Kommunismus als gemeinsamer Feind geeint hat). Der Aufschwung in Korea wurde fast ausschließlich durch den Export erzielt. Südkorea ist heute extrem anhängig von China und USA, den Hauptabnehmern seiner Produkte.

Keines der Länder, die heute Unterstützung in der Eurozone brauchen, ist in der Lage mit ähnlichen Mitteln seine Position zu verbessern. Abschottung des eigenen Marktes und Aufbau einer eigenen Industrie  mit externem Knowhow und staatlichen Subventionen ist in der EU nicht möglich. Die Kapitalströme können in der Eurozone nicht kontrolliert werden (siehe Kapitalabflüsse aus Griechenland). Die Krisenländer können weder mit niedrigem Lohnniveau noch mit hohem Ausbildungsstand in Wirtschaft und Forschung aufwarten. Damit kann man keine Investoren anlocken. Als einender Erzfeind könnte allenfalls Deutschland dienen, was sich aber nicht empfiehlt wenn man genau von diesem Erzfeind Geld für den laufenden Unterhalt benötigt.

Die Eurokrisenstaaten haben eigentlich nur eine Chance – sie müssen ihren Lebensstandard absenken und ihre Wirtschaft auf niedrigerem Niveau stabilisieren. Diese Wahrheit traut sich natürlich kein Politiker auszusprechen. Frau Merkel vermittelt sogar den Eindruck, dass speziell sie alles im Griff hat und sich niemand Sorgen machen müsste. Auf sie trifft das sicher zu aber nicht für den Großteil der EU Bürger.

Klaus Regling vergißt bei seinen Reden immer auf einen wesentlichen Unterschied zwischen IWF und ESM hinzuweisen: beim ESM müssen die Mitglieder unbegrenzt Kapital nachschießen wenn der ESM dies verlangt. Damit verlieren die ESM Mitglieder jegliche Kontrolle über ihr Kapital. Natürlich steht dieser Passus nur auf dem Papier. Wenn es wirklich zu einer Krise eim ESM kommt, dann sind die meisten Länder wohl nicht in der Lage Geld nachzuschießen. Auch die Deutschen werden sich dann sehr schnell nicht mehr an den Vertrag halten. Das wissen die externen Kapitalgeber natürlich. Damit ist die Zusage von unbegrenzter Deckung des ESM wirkungslos – man legt eigentlich nur einen Schwachpunkt offen.

Der ESM vertraut darauf, dass seine Anleihen (Schulden) von den Märkten aufgekauft werden . Die Märkte scheinen sogar gewillt zu sein, Anleihen mit Negativzins zu kaufen. Das wird dann gern als Erfolg des Konzepts gesehen. Man lügt sich dabei aber nur in die Tasche. Die Investoren kaufen die Anleihen nur, weil sie damit als Sicherheit etwa 10x mehr Geld bei der EZB für Spekulationen leihen können und dann hohe Gewinne aus Spekulationen ziehen können. Das funktioniert aber nur solange die EZB fast unbegrenzt Geld zu niedrigen Zins und mittel- bis langfristig zur Verfügung stellt. Das Finanzkarussel dreht sich damit weiter – real kommt es aber nicht von der Stelle. Die grundsätzlichen Probleme werden nicht gelöst – Hauptsache die Stimmung ist gut. Wenigstens hat man aber noch  Zeit gewonnen schließlich will keiner den Ökostrom am Finanzkarussell abschalten.

Veröffentlicht unter Allgemein, Euro-Zone, Politik | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

Das Geld ist weg – aber wo ging es hin?

Es gibt viele laute Klagen über das viele Geld das Banken (auch in Deutschland) und die PIIGS Staaten benötigen. Berichte darüber, wo das viele Geld eigentlich hingegangen ist, sieht man dagegen ziemlich selten. In Deutschland ist die vorherrschende Meinung, dass alle anderen Staaten kassiert haben und nur Deutschland bezahlt hat. Wie immer ist die Lage nicht so einfach und in den verschiedenen Ländern der EU durchaus uneinheitlich.

Gewinner:

  • Banker -Ziemlich einig sind sich alle, dass sich die Banker in der EU über Gehälter, Spekulationen auf eigene Rechnung sowie Boni und Dividenden eine große Scheibe vom Kuchen abgeschnitten haben. Konkrete Zahlen findet man aber nicht. Für das Jahr 2006 gibt es zumindest einige Zahlen für New York. Dort wurden 23 Milliarden $ an Gehältern und Boni bezahlt. Durchschnittlich 138 000 $ pro Mitarbeiter. Top Manager konnten dabei auch mal > 50 Millionen $ verdienen.  Im mittleren Management war man mit 2 Millionen $ dabei. Das war aber nur die Spitze des Eisbergs. Hedge Fond Manager konnten auch mal mehrere 100 Millione $ im Jahr verdienen. New York aber auch London leben praktisch vom Geld das über die Banker in die Stadt fließt. In Deutschland fließen etwa 30 Milliarden an die 600 000 Beschäftigten der Banken (50 000 € mittleres Gehalt). Die Zahl der Banker, die über eine Million € im Jahr verdienen dürfte in Deutschland relativ gering sein – die Investment Banker sitzen sowieso in London oder USA.  Auch hier  wird das meist Geld ausserhalb der Banken gemacht.
  • EU Bürokraten – vor allem in Brüssel und Luxemburg hat sich eine Bürokratie  mit EU Beamten und einer großen Zahl von Lobbyisten aufgebläht. Als einziges EU Land hat Luxemburg mit Einkommenszuwächsen davon profitiert.
  • Bauindustrie – vor allem in Irland, Portugal und Spanien wurde im Bauboom mit Grundstücken, Bau von Wohnungen und dem Bau von Infrastruktur viel Geld verdient. Zum Teil ging das Geld auch an die Angestellten und Arbeiter in der einschlägigen Industrie. Auch hier haben die Banken bei der Finanzierung gut verdient. Nachdem jetzt die faulen Kredite geplatzt sind und der „Staat“ bezahlt hat, fallen in den Bauboomstaaten jetzt die Preise für Häuser und Wohnungen. Auch die Mieten fallen gewaltig. Da freuen sich viele Iren, Spanier, Portugiesen u.a. dass sie nun für wenig Geld schöne Wohnungen mieten oder kaufen können. Ein Teil des Geldes ist also nicht verloren, sondern fließt zu den schlauen Bürgern. Die geringe Zahl von Bürgern, die eigenes Geld investiert haben, sind sicher ärmer an Geld und Wohlbefinden geworden.
  • Deutsche Industrie – Speziell die Automobilindustrie hat lustig ihre produzierten Güter an EU Bürger (auch in Deutschland) verkauft, die für die Bezahlung eigentlich nicht genug Geld hatten.  Mit einer Vielfalt von Finanztricks wurde dafür gesorgt, dass das Geld in den deutschen Firmen ankam obwohl die Kunden gar nicht bezahlt haben (z.B. Leasing, Vorfinanzierung, negative Target2 Salden der Euro Staaten …) Davon haben die Unternehmen und ihre Zulieferer aber auch die Mitarbeiter über Löhne und Prämien profitiert. Gewinne der Unternehmen z.B. in China mussten dort wieder investiert werden. Ob und wieviel Geld von China wieder zurück fließt wird sich zeigen.
  • Bürger – Über Staatsanleihen wurden viele Staatsausgaben, die normalerweise die Bürger über Steuern bezahlen müssten, mit Schulden finanziert. Typisch ist hier Deutschland mit dem Aufbau Ost, der rechnerisch zum großen Teil über Schulden finanziert wurde. Viele Regierung haben das aufgenommene Gled auch benutzt, um Wahlgeschenke an bestimme Regionen und Bürger zu verteilen. Dabei ist in vielen Ländern auch viel Geld an korrupte Politiker und Beamte geflossen.

Trotz des vielen virtuellen Geldes, das von der EZB in das System gepumpt wurde, hat sich weder das inflationsbereinigte Einkommen in den Ländern der EU noch das Vermögen in Deutschland erhöht. Das zeigt eindrucksvoll dass durch die Leistungen der Finanzindustrie (Geldwanderungen mit Abgreifen von Gebühren) der Wohlstand allenfalls einzelner Bürger gemehrt werden kann. Die Banker haben entgegen der landläufigen Meinung wohl nur einen kleinen Teil des Geldsegens abbekommen (viel Geld für wenige). Der größte Teil des Geldes landete bei den Mittätern, die aber auch nicht gegen die Inflationsrate gewinnen konnten.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in USA, wo selbst die riesige Geldmenge, die von der FED zum Nullzins verteilt wird, nicht für reales Wachstum und höhere Einkommen der breiten Bevölkerung sorgen kann. Eine Erhöhung der Geldmenge und der leichte Zugang zu Krediten führt nur dann zu Wachstum wenn es in der Realwirtschaft kreative Menschen gibt, die mit dem Geld sinnvolle Investitionen tätigen können.

Veröffentlicht unter Euro, Innovation, Politik, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 3 Kommentare