Geld sicher anlegen – in Dänemark?

Nachdem man als Normalverbraucher in Deutschland sein Erspartes nur noch mit Verlust anlegen kann und viele dem Euro nicht mehr voll vertrauen, suchen viele Private nach sicheren Häfen für ihr Geld. Dabei möchte man das Kursrisiko bei Fremdwährungen minimieren und sein Geld eventuell noch mit dem Auto besuchen können. Dänemark ist dabei einer der Kandidaten, da die Krone recht gut an den Euro angebunden ist aber trotzdem im Falle eines Falles unabhängig ist. Der dänische Staat hat seine Schulden (42% vom BIP) im Griff und wird sehr wahrscheinlich vom Klimawandel profitieren. Durch das Schmelzen des Eises in der Arktis kann man die Öl- und Mineralienvorräte in Grönland erschließen – selbst China möchte da mitmachen (Bericht NY Times). Dänemark war so schlau, sein Territorium Grönland nicht in die EU einzubringen. Man kann dort also ohne Eingriffe der Brüsseler EU Bürokraten handeln. Wer sein Geld in Dänemark anlegt, muss aber mit niedrigen Zinsen, eventuell sogar negativen Zinsen rechnen. Dänemark ist also nur für Anleger interessant, die mit erheblichen Problemen beim Euro rechnen. Allerdings kann Dänemark nur recht bescheidene Summen aufnehmen, da die Anlagemöglichkeiten in Dänemark begrenzt sind. Es könnte also durchaus zu einem Island Effekt kommen. Die Dänen sind aber gewarnt. Die Banken versuchen zwar die Dänen zur Aufnahme von Hypotheken zu bewegen, um mehr sichere Anlagemöglichkeiten zu haben, die Hausbesitzer sind aber auch bei finanziellen Abenteuern zurückhaltend zumindest auf dem Land. In den Städten sieht es aber schon anders aus *** siehe Update 5.4.2013.

Dänische Banken sind etwas weltoffener als deutsche Banken. Die Jyske Bank bietet z.B. Kundenkonten in verschiedenen Währungen an (Kronen, Euro, $, CHF …) bei denen man die Währung sogar wechseln kann. Achtung Dänemark als EU Mitglied ist kein Steuerparadies. Anlagen in Dänemark sind deshalb wohl nur für „ordentliche“ Bürger interessant, die ihr Einkommen korrekt versteuern müssen und die ihr „Euro Risiko“ etwas verringern wollen. Achtung: Für die Umwandlung von Fremdwährungen in Euro oder Barauszahlung verlangen die Banken z.T. kräftige Gebühren. Man sollte unbedingt das Kleingedruckte in den Verträgen sorgfältig lesen.

Update 5/4/2013:  Hier irrte der Blogger, die Zurückhaltung bei Hypotheken gilt wohl nur für die dänischen Landbewohner, die ich im Urlaub getroffen habe. In den Städten gab es offensichtlich einen Bauboom hervorgerufen durch niedrigen Zinsen ähnlich wie in Irland. Die dänische Staatsbank hat die Schulden durch Ausweitung der Geldmenge unterstützt.  Diese Kronen müssen teilweise abgeschrieben werden, was für die dänische Wirtschaft ohne Bedeutung ist. Allerdings wird das Geschäft mit dem Bau zurück gehen. Auf den Euro hat das alles keinen Einfluss, da die Dänen ihre Währung selbst verwalten.

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Was sind uns die deutschen Banken eigentlich wert?

Die Politik kümmert sich zur Zeit vorwiegend um das Wohlergehen der Banken. Es entsteht der Eindruck, dass die Banken für die Bürger unersetzlich sind und schon die kleinste Störung der „Märkte“ katastrophale Folgen für die Bürger haben könnte. Man könnte deshalb annehmen, dass die Banken als Unternehmen besonders wertvoll sind. Schaut man sich die kapitalistische Marktkapitalisierung (market cap) an, so steht die Deutsche Bank zur Zeit bei einem market cap von 40 Milliarden $ (Quelle Nasdaq). Das ist eine ähnliche Größenordnung wie BMW (43 Mrd $ oder Daimler(42 Mrd $). Der Rest der deutschen Banken bringt es zusammen auf ebenfalls etwa 40 Milliarden $. Das ist zusammen in etwa soviel wie das Softwareunternehmen SAP, das zur Zeit mit 86 Mrd $ bewertet wird. Interessanterweise halten also die Banker nicht arg viel von ihren eigenen Unternehmen. Apple mit einem market cap von 654 € ist höher bewertet als alle europäischen Banken zusammen!

Ein weiterer Bewertungsmaßstab ist bei Dienstleistungsunternehmen wie einer Bank der Wert der Dienstleistungen, die für Kunden erbracht werden. Dieser Wert ist für über 80% der Bankkunden relativ gering. Der Normalbürger benötigt außer der Abwicklung des Zahlungsverkehrs, Verwaltung der Sparvermögen und eventuell einer Hypothek für Haus und Wohnung kaum Finanzdienstleistungen. Diese Dienste werden von den Banken und Sparkassen erbracht. Nimmt man großzügig an, dass das Finanzsegment für die Bürger im Mittel für 1000 € Dienstleistungen erbringt, kommt man auf etwa 80 Milliarden € Umsatz für die Banken. Zusätzlich werden auch noch Dienstleistungen für Unternehmen erbracht, die wohl in der gleichen Größenordnung liegen. Der reale Wert der Dienstleistungen aller deutschen Banken und Sparkassen wird also etwa bei 160 Milliarden € liegen.

Die Bilanzsumme der deutschen Banken liegt aber bei etwa 4000 Mrd € und die der Sparkassen bei etwa 3600 Mrd €. Man sieht da sofort, dass der größte Teil der Finanzgeschäfte der Banken wenig mit der Realwirtschaft zu tun hat. Es werden aber offensichtlich sehr hohe Summen durch die Banken geschleust. Das hat aber mit der Realwirtschaft relativ wenig zu tun und hat darauf auch relativ wenig Einfluß.

Für die Gesellschaft ist die Zahl der Beschäftigten in einer Branche und die Gehälter die gezahlt werden wichtig, da der größte Teil der Unternehmenssteuern von den Angestellten über Einkommen- und Mehrwertsteuer eingezogen wird. In der Finanzindustrie arbeiten etwa 600 000 Menschen, die etwa 30 Mrd € an Löhnen erhalten. Die deutsche Automobilindustrie mit Zulieferern hat etwa etwa 2.1 Millionen Beschäftigte. Bei den Dienstleistern Caritas und Diakonie arbeiten etwa 920 000 Menschen, sicher aber mit wesentlich geringeren Gehältern als bei den Banken.

Die Pleite einer Bank ist also kein größerers Desaster für eine Volkswirtschaft wenn die Teile der Bank, die mit der Realwirtschaft verbunden sind, schnell getrennt und weiter betrieben werden. Die Verluste, die im virtuellen Banking gemacht werden, haben allenfalls sekundäre Auswirkung auf die Wirtschaft. Die Bankenpleiten in USA haben gezeigt, dass selbst große Bankenpleiten nur kurzzeitig die Realwirtschaft stören. Meist sind genügend andere Banken in der Lage das Geschäft der Pleitebank schnell zu übernehmen, die sich außerdem freuen, einen Konkurrenten weniger zu haben.

Die Pleite der HRE ist ein gutes Beispiel, wie eine Bank mit Hilfe des Staates abgewickelt werden kann. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass die HRE ihr Geschäft nur mit massiver Protektion des bayrischen Staates ausweiten konnte. Das hat man in der bayrischen Staatskanzlei nur allzu schnell vergessen. Man hat ja schließlich noch die Probleme und die Prozesse der bayrischen Landesbank am Hals.

Zwar lauern in der HRE Bad Bank noch Risiken von 200 Mrd €, die in den nächsten 10 Jahren mit möglichst geringen Verlusten für die Allgemeinheit abgebaut werden sollen. Die Pleite der HRE kommt aber sicher billiger als die HRE nur ein halbes Jahr weiter wursteln zu lassen. Hätte die Bankaufsicht früher eingegriffen, wäre die Verluste viel niedriger gewesen.

Es kommt bei Finanzkrisen also auf eine gute und eine energisch eingreifende Bankenaufsicht an. Die Politik scheut sich davor, da man Angst hat, dass eine Bankenpleite der Regierung angelastet wird. Wichtig wäre hier eine rechtzeitige Aufklärung, dass eine schnelle mit Hilfen des Staates abgewickelte Bankenpleite durchaus positiv für die Bürger sein kann.

Die Spekulanten an den internationalen „Märkten“ wissen natürlich, dass die deutsche Regierung fast alles tun wird um die Banken zu unterstützen und speziell die letzte deutsche Großbank, die Deutsche Bank, in der Liga der internationalen Großbanken (wo sie eigentlich schon nicht mehr drin ist) zu halten. Damit macht man sich natürlich erpressbar und muss dafür teuer bezahlen. Was gut ist für die Banken ist nicht automatisch gut für Deutschland.

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