Wo bleibt die Inflation?

Die Zentralbanken in Europa und in USA haben in den letzten zwei Jahren die Geldmenge und die Liquidität extrem erhöht. Allein die Schweiz hat letztes Jahr die Geldmenge praktisch verdoppelt um den Kurs des Franken gegen den Euro bei 1.20  stabil zu halten. Die Geldmenge der USA hat sich 2009 in nur vier Monaten verdoppelt.

Wachstum der US-Geldmenge im Dekadenverlauf – Quelle: Steve Keen

Dagegen stieg die Geldmenge im Euroraum in den letzten Jahren direkt bescheiden mit etwa 7% im Jahr. Im letzten Quartal ist die Steigerung der M3 Geldmenge sogar geringer ausgefallen (Statistik – Bericht EZB). Geld von der EZB wurde vorwiegend durch Ankauf von maroden Staatsanleihen in den Umlauf gebracht. Diese wurden von den noch immer existierenden Zentralbanken in den Markt geschoben. Die EZB hat damit nur indirekt zur Erhöhung der Geldmenge beigetragen.

Nach den üblichen Modellen der Wirtschaftswissenschaftler müsste die Inflation eigentlich sehr stark ansteigen, wenn die Zentralbank mehr Geld „produziert“. Interessanterweise wird die Inflation weder in den USA noch in der Schweiz von der Vergrößerung der Geldmenge beeinflusst. In Deutschland wird die Inflation hauptsäclich durch höhere Preise für Rohstoffe, Benzin, Heizöl und Strom und nicht durch die Geldmenge getrieben.

Der wesentliche Grund für den geringen Einfluss der Geldmenge liegt darin, dass das neu geschaffene Geld gar nicht bei den Bürgern oder den Unternehmen ankommt. Wer nicht mehr Geld in der Tasche hat kann auch nicht mehr ausgeben und damit gibt es auch keine Inflation. Die Wege des neugeschaffenen Geldes sind höchst unterschiedlich:

  • USA – hier ist die Zentralbank, die FED, keinesfalls eine unabhängige Institution sondern weitgehend eine Versammlung von Bankenvertretern, die natürlich zunächst für ihre Banken sorgen. Diese Banken haben im Bauboom der USA immense Kredite vergeben, die zu hoher Beschäftigung in der Baubranche und hohen Gewinnen auch in der Finanzbranche aber zu einer hohen Inflation der Baupreise geführt hatten. Nun füllt die FED einfach die in der Baukrise geschaffenen Finanzlöcher wieder auf (damit die Banken keine oder geringere Verluste ausweisen müssen). Zusätzlich liefert die FED nach wie vor $ ins Ausland, vorwiegend nach China aber auch in Länder deren Währung schwächer als der Dollar beurteilt wird. Inflation war also schon in USA. Das neugeschaffene Geld wurde schon vorab vernichtet, sodaß jetzt praktisch nichts bei Bürgern und Unternehmen landet.
  • Spanien, Irland – hier wurde das Geld ähnlich wie in den USA im Bauboom verbraten. Anders als in USA wurde dieser Bauboom aber mit Anleihen finanziert und man sitzt jetzt noch immer auf den Schulden und kämpft mit der Arbeitslosigkeit weil die Geldströme versiegen. Die Schuldigen saßen da vorwiegend in der Privatwirtschaft, die von den Regierenden gedeckt wurden. (Die Staatsverschuldung in Spanien ist ja geringer als in Deutschland. Die Schulden haben die privaten Unternehmen, Provinzen und Städte gemacht!) In diesen Ländern droht eher Deflation als Inflation.
  • Schweiz – Die Schweizer Bundesbank druckt einfach soviel Franken wie die ausländischen Spekulanten wollen, um den Kurs des Franken gegenüber dem Euro stabil zu halten. Von den ausländischen Devisen, die in die Schweiz fließen, kauft die Schweiz erstklassige Anleihen z.B. in Kanada, Norwegen, Schweden. Bei den Eidgenossen landet das Geld erst, wenn die Franken aus dem Ausland zurückfließen. Nun kann man aber in der Schweiz mit Milliarden kaum etwas kaufen. Für Grunderwerb und Immobilien gibt es hohe Hürden. Schweizer Unternehmen werden nicht ins Ausland verkauft. Ausländer mit Franken können allenfalls als Touristen ins Land kommen, ihre Franken abliefern und damit die schweizerische Wirtschaft unterstützen.
  • Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal usw – haben durch die Einführung des Euros Staatsanleihen mit wesentlich geringeren Zinssätzen erhalten können als früher und haben das auch weidlich ausgenutzt.

Vor dem Euro mussten die Italiener bis zu 15% Zinsen auf ihre Staatsanleihen zahlen. Auch viele der kleineren Länder mit eigener Währung, wie z.B. Polen, konnten in der Eurozone plötzlich Geld zu geringen Zinssätzen ausleihen. Einige Länder haben das für vernünftige Investitionen genutzt z.B. Polen, Slowakei, Slowenien. Andere Länder haben damit ungeniert den hohen Lebensstandard ihrer Reichen und die Löhne und Gehälter der Staatsdiener bezahlt.

Alle Schuldenstaaten brauchen nun viel Geld um die fälligen Schuldscheine aufzukaufen und niedrige Zinsen damit sie wieder neue Schulden aufnehmen können. Das größere Problem ist aber, dass sich die Bevölkerung in diesen Ländern auf einen Zustrom von frei verfügbaren Geld von außen gewöhnt hat. Die Preise für Lebensmittel, Dienstleistungen und Immobilien sind in den kleineren EU Ländern nach dem Beitritt sehr schnell auf EU Niveau gestiegen während die Löhne wegen mangelnder Produktivität damit nicht Schritt gehalten haben. Die Preise für italienische oder griechische Hotels sind z.B. so hoch, dass sich das selbst die deutschen Touristen nicht mehr leisten können oder wollen. Auch hier war die Inflation schon gestern.

Die Rettungsaktionen der EU können allenfalls das Schuldenproblem dieser Länder lösen. Auf keinen Fall wird man aber den Konsum und den Aufbau von Privatvermögen dieser Länder unterstützen können.

  • Deutschland – ist eigentlich in der glücklichen Lage, dass die Wirtschaft Überschüsse produziert. Diese Überschüsse landen vorwiegend im Ausland als Investitionen oder stehen in den Büchern der Bundesbank als Außenstände. Dazu kommen jetzt die direkten Finanzhilfen für andere Länder duch ESFS und ESM. Durch die stagnierenden Löhne bekommen die Bürger nichts vom Geldmengenregen ab. Allenfalls können die Ultrareichen zumindest virtuelle Vermögenszuwächse verbuchen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass in den Euroländern die Inflation bis jetzt kein Problem darstellt. Das könnte sich allenfalls dann ändern, wenn die „südlichen“ Schuldnerländer, das Regiment über die Finanzpolitik übernehmen. Die bisherigen Versuche scheiterten nur daran, dass Deutschland als Hauptgeldgeber nicht so richtig mitmachen wollte. Man muss sich aber fragen ob es noch Sinn macht, die EZB vorwiegend als Wächter über die Inflation zu definieren, wenn die wirklichen Probleme ganz woanders liegen und z.B. Sparen für die Bürger total sinnlos wird, wenn schon die geringe Basisinflation höher liegt als die Sparzinsen. Langfristig ist das Geld damit nichts mehr wert..

Mit dem bei Frau Merkel beliebten Finanzwissen der „schwäbischen Hausfrau“ (beherrscht im Gegensatz zu vielen Politikern zumindest die Grundrechenarten) kommt man bei dem Problem aber nicht weiter. Eher schon mit den beiden Volksweisheiten:

  Die Dummen leben von Arbeit. Die Klugen leben von den Dummen.
Volksweisheit

Wer’s Geld versauft vor seinem End – der macht das beste Testament.
Votivtafel aus dem Allgäu

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ist der nerd nix wert?

Die deutschen Medien reagieren auf den Erfolg der Piratenpartei nach bewährtem Muster. Anstatt sauber zu berichten mit welchen Methoden die Piraten es geschafft haben, die total verkrustetete Parteienlandschaft aufzubrechen, werden uns im Fernsehen einige wirre Männer gezeigt (die meist keine NERDs sind), die sich um „normalen“ politischen Umfeld recht unbeholfen bewegen oder sich schnell zu integrieren versuchen. Das ganze wird dann in Talkshows mit ein paar netten Studentinnen, die auch keine NERDs sind, in bewährter Manier aufgemischt. Das emotionale kommt ja viel besser rüber als politische Information und ist zumindest besser anzuschauen als die üblichen Altherrenriegen. Die neue Art der argumentativen und basisdemokratischen politischen Arbeit, wird allenfalls in einem Kabelsalat beim Parteitag dargestellt. Politisch werden die Piraten dann auf Transparenz als Hauptziel reduziert. Das liegt sicher daran, dass die Piraten auch nicht so genau wissen, welche Ziele sie sich setzen wollen.

Dabei ist es gar nicht wichtig, welche Ziele sich die Piraten jetzt setzen, sondern welche Resultate ihre Politik erreicht. Das beste Beispiel sind da ja wohl CDU und SPD, deren Politik so ziemlich das Gegenteil von dem erreicht hat, was in den Parteiprogrammen steht. Die Ergebnisse wurden dabei durch ein Gemauschel auf vielen Ebenen vorwiegend außerhalb der Parteien und des Parlaments durch nicht dokumentierte Interaktion erreicht. Die Parteien und die Regierung sind so zum Spielball der Interessengruppen geworden. Die deutsche Finanzpolitik wird z.B.  heute mehr durch die Deutsche Bank als durch die Politiker bestimmt.

Genau hier kommen die NERDs ins Spiel, die mit ihrer Erfahrung aus Software und Web ganz andere Arbeitsmethoden kennen und auch anwenden. Hier wird grundsätzlich offen gearbeitet.  Ansehen erhält man nicht durch Amt oder nach Wahl durch Unwissende, sondern nur durch ehrliche Arbeit und Anerkennung durch Peers (es ist bezeichnend dass es für dieses englische Wort im deutschen Obrigkeits-Wortschatz kein vernünftiges Wort gibt!). Diese Grundhaltung der Nerds kann man als eine Randerscheinung aus der Welt der Hacker und Raubkopierer ansehen. Dabei wird aber vergessen, dass genau diese globale, offene Welt mit ihren demokratischen Methoden die Grundlage des globalen Wachstums in den letzten vierzig Jahren war, das mit herkömmlicher Politik und traditionellen Technologien und Methoden nie möglich gewesen wäre. Zum Glück für unsere Gesellschaft haben sich die NERDs eine Nische geschaffen, in der traditionelle Methoden und Beziehungsgeflechte (wie z.B. die Burschenschaftler der CDU in Baden-Württemberg) keine Rolle spielen. Die anderen Parteien, das Parlament aber auch unsere Staatsdiener und Journalisten sollten sich endlich die Methoden der NERDs ansehen und verstehen, welche Entwicklungsmöglichkeiten es durch deren Methoden für unsere Gesellschaft gibt. Nicht die zugegebenermaßen etwas introvertierten NERDs haben die Pflicht den Rest der Gesellschaft zu informieren sondern der traditionsverhaftete Rest der Gesellschaft hat eine Holschuld.

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