ist der nerd nix wert?

Die deutschen Medien reagieren auf den Erfolg der Piratenpartei nach bewährtem Muster. Anstatt sauber zu berichten mit welchen Methoden die Piraten es geschafft haben, die total verkrustetete Parteienlandschaft aufzubrechen, werden uns im Fernsehen einige wirre Männer gezeigt (die meist keine NERDs sind), die sich um „normalen“ politischen Umfeld recht unbeholfen bewegen oder sich schnell zu integrieren versuchen. Das ganze wird dann in Talkshows mit ein paar netten Studentinnen, die auch keine NERDs sind, in bewährter Manier aufgemischt. Das emotionale kommt ja viel besser rüber als politische Information und ist zumindest besser anzuschauen als die üblichen Altherrenriegen. Die neue Art der argumentativen und basisdemokratischen politischen Arbeit, wird allenfalls in einem Kabelsalat beim Parteitag dargestellt. Politisch werden die Piraten dann auf Transparenz als Hauptziel reduziert. Das liegt sicher daran, dass die Piraten auch nicht so genau wissen, welche Ziele sie sich setzen wollen.

Dabei ist es gar nicht wichtig, welche Ziele sich die Piraten jetzt setzen, sondern welche Resultate ihre Politik erreicht. Das beste Beispiel sind da ja wohl CDU und SPD, deren Politik so ziemlich das Gegenteil von dem erreicht hat, was in den Parteiprogrammen steht. Die Ergebnisse wurden dabei durch ein Gemauschel auf vielen Ebenen vorwiegend außerhalb der Parteien und des Parlaments durch nicht dokumentierte Interaktion erreicht. Die Parteien und die Regierung sind so zum Spielball der Interessengruppen geworden. Die deutsche Finanzpolitik wird z.B.  heute mehr durch die Deutsche Bank als durch die Politiker bestimmt.

Genau hier kommen die NERDs ins Spiel, die mit ihrer Erfahrung aus Software und Web ganz andere Arbeitsmethoden kennen und auch anwenden. Hier wird grundsätzlich offen gearbeitet.  Ansehen erhält man nicht durch Amt oder nach Wahl durch Unwissende, sondern nur durch ehrliche Arbeit und Anerkennung durch Peers (es ist bezeichnend dass es für dieses englische Wort im deutschen Obrigkeits-Wortschatz kein vernünftiges Wort gibt!). Diese Grundhaltung der Nerds kann man als eine Randerscheinung aus der Welt der Hacker und Raubkopierer ansehen. Dabei wird aber vergessen, dass genau diese globale, offene Welt mit ihren demokratischen Methoden die Grundlage des globalen Wachstums in den letzten vierzig Jahren war, das mit herkömmlicher Politik und traditionellen Technologien und Methoden nie möglich gewesen wäre. Zum Glück für unsere Gesellschaft haben sich die NERDs eine Nische geschaffen, in der traditionelle Methoden und Beziehungsgeflechte (wie z.B. die Burschenschaftler der CDU in Baden-Württemberg) keine Rolle spielen. Die anderen Parteien, das Parlament aber auch unsere Staatsdiener und Journalisten sollten sich endlich die Methoden der NERDs ansehen und verstehen, welche Entwicklungsmöglichkeiten es durch deren Methoden für unsere Gesellschaft gibt. Nicht die zugegebenermaßen etwas introvertierten NERDs haben die Pflicht den Rest der Gesellschaft zu informieren sondern der traditionsverhaftete Rest der Gesellschaft hat eine Holschuld.

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