Jauch-zen am 2. Oktober 2011: Total daneben

Eigentlich kann man sich die unsäglichen Talkshows in den öffentlichen Sendern gar nicht mehr ansehen, bei denen immer wieder die gleichen Darsteller ihre üblichen Sprüche abgeben. Nachdem Günther Jauch nun relativ neu im Geschäft bei der ARD ist, habe ich mir die Sendung am 2. Oktober zur Lage der Rentner doch einmal angesehen. Zuerst das Positive – Herr Jauch hat es offensichtlich geschafft die Dauerphrasendrescher Frau von der Leyen und Oskar Lafontaine zu zähmen. Man versucht durch Einspielung von kurzen Fakten Sequenzen die Diskussion etwas zu erden. Dabei muss man jedoch feststellen, dass es kaum möglich ist, komplexe Zusammenhänge in einer Minute richtig darzustellen.

Bei der Auswahl seiner Gäste war Herr Jauch ähnlich glücklos wie seine Talk Show Kollegen. Der ehemalige McKinsey Chef, Herbert Henzler, war ein überzeugendes Argument dafür, daß Führungskräfte spätestens mit 62 in Pension gehen sollten. Als Vertreter der jungen Generation gab es einen Jung FDPler, der außer der Kopfhaut wenig unter seiner Guttenberg Frisur aufzuweisen hatte. Außer den üblichen FDP Phrasen zur Privatvorsorge mit Riesterrente Nur die Rente von Herrn Riester ist sicher) war wenig zu hören. Unterstützung fand er vom Historiker Aly, der erfreulicherweise mit absoluten € Beträgen (und nicht mit den üblichen Prozentzahlen) argumentierte. Herr Professor monierte aber, dass der Bund mit etwa 100 Milliarden € die Rentner unterstützt, während für die Kinder z.B. für die Förderung der Kinderkrippen nur einige Milliarden ausgegeben werden. Das war etwa die Key Message dieser Sendung.

Dabei ist diese Aussage pure Demagogik. Da in unserer Republik vorwiegend die Länder (zusammen mit Städten und Kreisen) für Schulen, Universitäten und Kindergärten und die vielen gut besoldeten Lehrer zuständig sind, fallen dort Kosten an, welche die 100 Milliarden € Ausgaben für die Rentner übersteigen. Nun kann man trefflich darüber streiten ob die Balance der Ausgaben für Jung und Alt stimmt. Die Aussage, dass sehr viel Geld für die Rentner und nur wenig für die Jugend ausgegeben  wird ist aber schlichtweg falsch. Offensichtlich können wir uns sehr bald weder die Jungen noch die Alten leisten. Es lebe die mittlere Generation!

Fazit: auch Talk Shows sind nicht vertrauenswürdig.

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Bankenschulden und die Privatschulden in der Finanzkrise kritischer als Staatsschulden.

Auch in Deutschland gibt es Regionen, die ähnlich hoch verschuldet sind wie Griechenland. Berlin ist das beste Beispiel. Anders als in Griechenland werden die vielen Beamten (vor allem die ehemaligen DDR Staatsträger), Rentner,  Studenten, Arbeitslose und Hartzer vom Bund und den anderen Länder (über den Länderfinanzausgleich) mitfinanziert. Sonst wäre Berlin ähnlich Pleite wie Griechenland. Anders als Griechenland ist Berlin jedoch in das Ausgleichsystem Bundesrepublik Deutschland eingebunden. Wir alle sind Berlin.

Interessanterweise wird diese Querfinanzierung von den Bundesbürgern ohne viel Murren akzeptiert.  Ein wesentlicher Aspekt ist da sicher, dass in Berlin nach Regeln gespielt wird, die wir in der Bundesrepublik in einem weitgehend demokratischen Prozess setzen während Griechenland gerne nach eigenen Regeln spielen will. Da will dann natürlich niemand mitspielen.

In ganz ähnlicher Form wie das Defizit in Berlin finanzieren wir die Schulden unserer Banken, die wir ziemlich klaglos übernommen haben. Wohl nicht aus Solidarität sondern weil wohl die Bürger nicht verstanden haben, wo sie da reingeritten wurden.

Referenz: Paul de Grauwe,  Fighting the wrong Enemy / Quelle: European Commission, AMECO, and CEPS

Verglichen mit den Schulden der Banken und Unternehmen, sind unsere Staatschulden noch „Peanuts“. Deshalb kann nur entschieden vor jeder direkter oder indirekter Übernahme von Schulden von Banken, Unternehmen oder Privatpersonen gewarnt werden. Beim heute niedrigen  Zinsniveau finanzieren sich Banken und Unternehmen nur zum Bruchteil über Aktien als Eigenkapital. Die großen Unternehmen kaufen sogar Aktien zurück und nehmen lieber billiges Geld auf, damit die Risiken des Unternehmertums von Kreditgebern getragen werden, die sich in das Geschäft nicht einmischen können.

Ebenso muss vor Übernahme von  Privatschulden durch den Staat gewarnt werden (Hypotheken Blase in USA!). Wenn Frau Merkel und damals Herr Steinbrück tönen „die Ersparnisse der Bürger sind sicher“ so geben sie eigentlich ein falsches Signal, dass man die Banken um jeden Preis retten will. Das richtige Signal wäre wohl „Schauen Sie sich genau an, wem sie ihre Ersparnisse, Lebensversicherung, Rentenversicherung usw anvertrauen.“ Die Hypothekenbanken, die noch vor 10 Jahren ein grundsolides Geschäft im Sinn ihrer Anleger(die für ihre Rente sparen wollten) haben sich im Ausland verzockt und sind eigentlich Pleite. Der Staat kann aber nicht alle Banken und Versicherungen retten!  Die Wahrheit zu sagen war in der Politik aber noch nie populär. Die Versicherungen verlieren durch die Wulff Posse auch langsam ihre Lobby in der Politik. Deshalb sollten die Bürger sich selbst kundig machen und zumindest mit ihrem privaten Vermögen nicht auf die Sprüche der Politik hereinfallen.

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