Trump Steuerreform – gar nicht so dumm

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Die deutschen Medien sind sich einig, daß die US Steuerreform einseitig die Reichen bevorzugt und die Armen die Zeche bezahlen müssen. Donald Trump und die Republikaner müssten schon ziemlich dumm sein, wenn sie eine Steuerreform machen, die hauptsächlich ihre Wähler benachteiligt. Wie meistens muss man in Gesetzen das Kleingedruckte lesen und die Hintergründe des Gesetzes kennen.

Der Schlüssel zum Verständnis der Reform sind die vielen Abschreibungen, die man in den USA (ähnlich wie in Deutschland) geltend machen kann um seine Steuerschuld zu reduzieren. Die Geringverdiener haben meist wenig Möglichkeiten Abschreibungen zu machen. Ein Artikel in der NY Times zeigt, was die Steuerreform für unterschiedliche Mittelklassen Familien bedeutet. Wissenschaftler haben da nicht einfach Steuerzahlen verwendet, sondern haben die Verhältnisse für Haushalte – Familien, Singles, mit Vermögen und ohne, mit Haus usw – analysiert. Diese Arbeit machen sich die deutschen Wissenschaftler nicht, weil sie weder die notwendigen Werkzeuge noch die notwendigen Mittel für Forschung haben. In USA wird diese Art der sozialen Forschung meist durch Stiftungen finanziert.

Quelle: NY Times

Haushalte mit kleineren Einkommen, die  nur Basisabschreibungen geltend machen, zahlen fast alle weniger Steuern (grüne Punkte). Damit können Mittelklasse Bürger  ihre Steuern „auf einem Bierdeckel“ machen. Sie sind nicht auf die teuren Steuerberater angewiesen. Kurz vor der Abgabefrist der Steuererklärungen bricht bisher in USA eine panikartige Suche nach Belegen für alle möglichen Ausgaben aus, die zur Erniedrigung der Steuer führen. Dann ist Hochsaison der Steuerberater, die sich ihre Arbeitszeit gut bezahlen lassen. Diese Belege müssen dann von den Steuerbehörden umständlich überprüft werden und sichern damit teure Arbeitsplätze in der Steuerbürokratie. Keine Behörde wird in USA so von den Bürgern gehasst wie die Steuerbehörde IRS. Nach der Trump Reform gibt es an der Front viel weniger Ärger.

uelle:NY Times

Wer allerdings bisher hohe Abschreibungen geltend gemacht hat, muss nun in etwa 50  % der Fälle mit höheren Steuern (rote Punkte) rechnen. Besonders betroffen sind die Bürger in den demokratischen Hochburgen im Westen und Osten der USA, die teure Grundsteuern und Schulgeld für Privatschulen nicht mehr absetzen können. Die Steuerersparnisse sind allerdings mit  weniger als 2000$ im Jahr relativ gering. Die wirklich Armen, die weniger als 10 k$ im Jahr verdienen, zahlen keine Steuern und profitieren damit auch nicht von Steuererleichterungen.

Die Erniedrigung der Steuersätze für Firmen und Reiche erscheint dem deutschen Bürger als total ungerecht. Dabei wird übersehen, daß die Firmen und Reichen in USA (ähnlich wie in Deutschland) heute nur Bruchteile des Spitzensteuersatzes auf ihr Einkommen bezahlen. Speziell Gewinne aus Kapitalgeschäften speziell im Ausland bleiben meist steuerfrei. Allerdings will Trump die beliebte Methode des Gewinntransfers ins Ausland durch Zahlungen für Markenrechte, Patente usw., die auch deutsche Unternehmen exzessiv nutzen,  mit einer Export Steuer belegen. Diese Steuererhöhung  wird wohl an der Lobbyarmee nicht vorbei kommen. Kein Unternehemn bezahlt wirklich die offizielle Unternehmenssteuer von 35% auf den Gewinn. Das Großunternehmen General Electric hat in einem Jahr sogar Steuergeld vom Staat zurückgefordert. Auch Donald Trump spart mit dem neuen Gesetz keine Steuern. Er hat durch dubiose Immobiliengeschäfte soviel Verlustvorträge angesammelt, daß er auch bei heute geltendem Recht auf Jahre keine Steuern zahlen müsste. Weniger als 0% Steuern geht auch nach der Steuerreform nicht.

Trump und die Republikaner hoffen daß bei Erniedrigung der Steuern viele amerikanische Firmen ihr Ausland gebunkertes Kapital nach USA bringen, investieren und die Wirtschaft aufblüht und das Steueraufkommen steigt. Das ist wohl ein Trugschluss, da es sowohl an Ideen für neue Produkte als auch an solventen  Käufern in USA mangelt. Die Reallöhne sind in USA seit Jahren nicht mehr gestiegen.

Die Experten, die ein Anwachsen des US Schuldenberges erwarten, werden wohl recht behalten. Um den Schätzwert der zu erwartenden Schulden etwas zu verringern, hat man in den Plan zukünftige Steuererhöhungen eingeplant. Natürlich erst nach der geplanten zweiten Amtsperiode von Herrn Trump. Der zukünftige Schulenberg beeindruckt weder  Herrn Trump noch die republikanische Partei, kann man doch die bereits heute angehäuften Schulden nie zurückzahlen. Solange der Rest der Welt seine Produkte und sein Kapital nach USA schiebt, braucht man sich da auch keine Sorgen machen. Durch die Erniedrigung der Steuer für Unternehmen wird es für ausländische Investoren noch interessanter Geld nach USA zu pumpen.Die Deutschen sind dabei noch stolz darauf daß sie für Herrn Trump umsonst arbeiten dürfen. Es lebe die Volksbeschäftigung.

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