ARD Report über Amazon – digital naiv

Ihr Päckchen oh kommet

Zunächst sollte man die ARD loben, daß man ab und zu Dokumentarsendungen vor 23 Uhr ausstrahlt, in denen die ARD versucht, „objektiv“ über wichtige Sachverhalte zu berichten. Das hebt sich wohltuend von den zahllosen Talkshows ab, in denen viel diskutiert aber wenig informiert wird. Im Berichte Das System Amazon ausgestrahlt am 27.11.2017 und in der ARD Mediathek verfügbar bis zum 27.12. 2017 nehmen sich die ARD Autoren das System Amazon vor. Im Stil von Autoren einer Lokalzeitung werden verschiedene Kleinhändler vorgestellt, die vom Online-Händler Amazon erdrückt werden, weil Amazon sowohl als Vermittler als auch als konkurrierender Händler auftritt. Meiner Meinung nach hatte keiner der Händler ein vernünftiges Geschäftsmodell, das mittelfristig trägt. Bei sinkenden Umsätzen werden sie noch von „Digital-Beratern“ ausgenommen, die ihnen Software verkaufen, die nicht zukunftsfest ist.

Kein Wort darüber, daß der Besitzer von AMAZON, der 53 jährige Self-Made Mann, Jeff Bezos, mit seiner Geschäftsidee zum reichsten Mann der Welt aufgestiegen ist, der  praktisch unbegrenzt über Kapital verfügt. Der Herrschaft von Amazon wird nicht durch die vielen Packfabriken begründet, die immer wieder in der Sendung gezeigt werden (das gibt ja so hübsche Bilder), sondern durch das weltweit größte Computer Netzwerk – AMAZON CLOUD. Damit ist AMAZON auch unabhängig vom Konkurrenten GOOGLE. Wer bei AMAZON sucht, findet blitzschnell jedes Produkt, das in der westlichen Welt verfügbar ist und bekommt es auch schnell geliefert. AMAZON stellt sowohl seine Hardware als auch seine Software selbst zusammen, ist damit unabhängig von Lieferanten und kontrolliert seine gesamte Wertschöpfungskette. Langfristiges Ziel ist es, Zwischenhändler zu eliminieren und extrem billige Produkte zu verkaufen (Beispiel: Wyze Überwachungskamera für 20$)  AMAZON vermietet seine Cloud Services und macht damit andere Unternehmen, nicht nur seine Händler und Lieferanten, von sich abhängig. Ganz wichtig für Amazon ist ein schneller Internet Zugang zu den Endverbrauchern, möglichst über Glasfaser oder 5G Mobilfunk. Das ist wohl kein Problem in Deutschland – unsere Politiker legen sich mit ihren Digitalisiserung Plänen AMAZON gerne zu Füssen ohne zu überlegen, daß sie damit den übermächtigen Konkurrenten der deutschen Firmen einen roten Teppich ausrollen.

Mit der weltweiten AMAZON Infrastruktur kann man fast beliebige Geschäftsfelder erobern. Nächstes Ziel ist wohl der Medienmarkt (wie lange wird es noch dauern bis die ARD berichtet, daß ihre Sendungen auch von AMAZON bezogen werden können). Als nächstes wird wohl der Gesundheitsmarkt „amazoniert“. Da kann man dann nicht nur Medikamente, sondern auch Versicherungen, Ärzte und Krankenhausaufenthalte bei Amazon kaufen. Unklar ist nur noch, wie die Fließbänder für die Patienten aussehen werden. Als nächster Markt ist schon Bildung und Schulung avisiert, da tritt aber bereits GOOGLE als mächtiger Konkurrent auf. Der Markt für Mobilitätsservices ist für Amazon noch zu klein. eAutos aus China wird man aber schon bald bei Amazon kaufen können.

Der Zugang zu den neuen Märkten erfolgt eigentlich immer nach dem bisher erfolgreichen Schema. Zunächst werden kostenlose Services angeboten (man hat ja bereits eine funktionierende Infrastruktur und genügend Kapital), dann werden „Partner(Verlierer)“ in den Zielmärkten gesucht und dann wird kommerzialisiert. Leichte Beute sind dabei Dienste, die traditionell von der öffentlichen Hand erbracht werden. Diese sind meist so veraltet und ineffizient, daß man sie leicht vom Markt drängen kann.

Die deutschen Politiker, Manager und Gewerkschafter (die schwarzen Nullen) streiten sich derweil über Posten und Petitessen und sind unfähig die Zeichen am Horizont zu erkennen. Pläne für notwendige Veränderungen und Investitionen sind nicht zu erwarten. Allenfalls wird man erwärmte Planschbecken für die Amazon Krokodile einrichten.

PS Beispiel für digitalen Irrsinn ist die Begrenzung der Verfügbarkeit der Amazon Sendung auf einen Monat! Digital naiver geht es wohl nimmer. Sollte ein Leser den ARD Film in den Jahren nach 2017 sehen wollen, stelle ich gerne einen Link zu einem Server zur Verfügung auf dem man die Sendung auch noch in 20 Jahren sehen kann. Vielleicht wollen Medienwissenschaftler den Untergang der deutschen Medienwirtschaft untersuchen.

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