Abgeordnete und Quoten Politik

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Frauen Parkplatz

Die Abgeordneten eines Parlaments sollten die Bürger möglichst gut repräsentieren. Allerdings ist man sich nicht einig wie das erreicht werden kann. Einig ist man sich, dass möglichst jede Region vertreten sein sollte. Man teilt das Staatsgebiet in Wahlkreise auf, die jeweils einen Abgeordneten stellen. In England, der Wiege der Demokratie, wird das bis heute praktiziert. Wer von seiner Partei nominiert wird und im Wahlkreis gewinnt, zieht ins Parlament ein. Das führt dazu, dass bei den Tories nur 9% der Abgeordneten Frauen sind, obwohl die Mehrheit der Wähler Frauen sind. Noch weniger Abgeordnete gehören einer der in England recht großen ethnischen Minderheiten an (was immer das auch ist). Es sind auch noch keine Stimmen laut geworden, die fordern, dass auch der IQ der Abgeordneten repräsentativ sein sollte.

Idealisten würden fordern, dass nicht nur Frauen repräsentativ vertreten sind, sondern auch Bauern, Arbeiter, Ingenieure, Banker, Juristen, Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern usw. Nur das Parlament in China kommt diesem Ideal nahe – die Abgeordneten werden nach diesen Kriterien von der Parteispitze bestimmt. Leider haben aber diese Abgeordneten in China genauso wenig zu sagen wie die Bürger.

Interessanterweise werden in unseren Parlamenten weder fachliche noch moralische Ansprüche an die Abgeordneten gestellt. Die meisten Abgeordneten würden die Voraussetzungen für einen Job im mittleren Management eines Industriebetriebs oder einer Behörde nicht erfüllen. Interessant ist nun wie die Kandidaten von den Parteien aufgestellt werden. Dabei gibt es offizielle und inoffizielle Quoten.

Bei den Grünen gibt es jeweils eine Quote von 50% für Frauen und Männer. Es bleibt ein Geheimnis der Grünen warum das Geschlecht bei einem Abgeordneten so wichtig ist. Noch rigoroser ist das neue italienische Wahlgesetz. Hier bestimmt allein der Parteivorsitzende die Kandidaten mit der chinesischen Methode: 50 % Frauen und 50% Männer. Damit will man stabile Mehrheiten im Parlament schaffen.

Die inoffiziellen Quoten innerhalb der Parteien sind komplex, die verschiedenen Flügel der Parteien kämpfen um einen „gerechten“ Anteil der Abgeordneten. Auch heute ist die Religionszugehörigkeit noch wichtig. Der Grüne Ministerpräsident Kretschmann in Baden-Württemberg verdankt z.B. sein Mandat sicher auch seinem offen gepflegten Katholizismus, mit dem er bei den Altwählern der CDU punkten kann.

Das Ergebnis der Küngelei und der Rauslese innerhalb der Parteien ist häufig ein Kandidat, der z.B. bei einer Persönlichkeitswahl wie z.B. einer Oberbürgermeisterwahl in einer größeren Stadt keine Chance hätte. Hier müssen die Parteien häufig parteilose Kandidaten nominieren, weil sich unter den Parteimitgliedern kein geeigneter Kandidat findet. Dafür finden sich aber genügend Freiwillige, die über die Parteilisten in die Parlamente einziehen wollen.

Die FDP in Bremen hat die Zeichen der Zeit bereits erkannt. Anstatt eines farblosen Funktionärs wurde eine parteilose „Jungunternehmerin“, Lencke Steiner, als Spitzenkandidatin nominiert. Das Unternehmen, in dem sie Geschäftsführerin Teilhaberin ist, ist eigentlich nur ein kleines Großhandelsunternehmen (vom Vater aufgebaut) mit 4.5 Millionen € Umsatz (da bleibt nicht viel Gewinn hängen) dafür ist die Dame jung, blond und bekannt von Film, Funk und Fernsehen. Sie wurde im Wahlkampf auch perfekt vermarktet – man schaue sich nur ihre Fotos vor und nach dem Wahlkampf an. Wahrscheinlich wird man demnächst mehr lokale Wahlkämpfe sehen, die diesem Modell folgen.

Wie üblich geben die „Alten“ zum Beispiel in der FAZ Kommentare ab wie „wofür steht sie und die FDP eigentlich“, „Sex sells“ usw. Dabei kann das verschnarchte Bremer Parlament sicher ein paar Anregungen und mehr Aufmerksamkeit in der Presse sicher gebrauchen. Lencke Steiner ist selbstbewusst auch gegen die „Frauenquote“, die in Deutschland inzwischen kuriose Blüten treibt. So gibt es an Schulen noch immer „Frauenbeauftrage“ obwohl >90% des Kollegiums inklusive der Schulleitung Frauen sind. Die Rufe nach „Männerbeauftragten“ an Schulen und Kindergärten verhallen ungehört.  Auch in den Betrieben kommt es zu kuriosen Auswüchsen der Quoteriris.

PS Das Zeichen „Frauen Parkplatz“ oben stammt aus den frühen 80 er Jahren. In einer Tiefgarage mit etwa 100 Plätzen hat man doch glatt 3 (in Worten drei) Plätze für Frauen reserviert. Damals hatten die Männer in der Daimler Stadt das Lenkrad noch fest in der Hand!

 

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Katastrophenhilfe Deutschland und Nepal – eine Maizière

FEMA APP

FEMA App

Das Erdbeben in Nepal hat einmal mehr aufgezeigt, dass Deutschland international allenfalls in der 3. Liga spielt. Im Fernsehen konnte man nur eine Truppe von Feuerwehrleuten I.S.A.R. sehen, die mit ihren Suchhunden privat nach Nepal geflogen sind, um bei der Suche nach Verschütteten zu helfen. Das ist zwar emotional äusserst ergiebig, – Hunde sind nun einmal Sympathieträger –  die Aktion war aber wenig erfolgreich, da die Hundestaffel in ein Gebiet geschickt wurde, wo es gar keine Verschütteten gab und keinerlei Infrastruktur und Unterstützung von deutschen Behörden für die Aktion erfolgte. Typisch ist, dass I.S.A.R. eine Gruppe von etwa 60 Idealisten ist, deren Verein laut I.S.A.R. Geschäftsbericht 2013 einen Reingewinn von über 800 000 € gemacht hat. Offenbar hatte man nicht genug Gelegenheiten und Leute um das Spendengeld bei Hilfen auch einzusetzen. Es ist ganz offensichtlich, dass man mit Beträgen dieser Größenordnung bei großen Katastrophen wenig bewegen kann.

In den meisten Ländern wird Katastrophenhilfe primär vom Militär geleistet. Die USA können z.B. durch ihre weltweite militärische Präsenz weltweit helfen (siehe z.B. Fukushima) während Deutschland nicht einmal einsatzfähige Flugzeuge hat um Helfer und Gerät vor Ort zu bringen. Das Militär der USA wird auch nicht die örtlichen Behörden lange fragen, ob es genehm ist, Hilfsgüter ins Land zu bringen. In Deutschland sollten sich die Ministerien des Innern, der Entwicklungshilfe, der Aussenpoitik und das Militär zusammentun und Pläne für weltweite Katastrophenhilfe ausarbeiten. Die Hoffnung, dass diese Organisationen aber zielgerichtet zusammenarbeiten können ist aber gering.

Unser Innenministerium, das für den Katastrophenschutz im Inland aber auch im Ausland zuständig ist, hat seine Aufgaben an das THW delegiert. Aus den Augen aus dem Sinn. Man weiß aber sehr wohl, dass das THW seit Abschaffung des Wehrersatzdienstes an akutem Mitgliederschwund leidet. Bei einer Katastrophe in Deutschland kann das THW nur einen geringen Teil der Hilfen leisten. Feuerwehren, ärztliche Dienste, Behörden, Handwerker u.a. müssen koordiniert werden. Es sollte selbstverständlich sein, dass im Zeitalter der Smartphones auch die Bevölkerung rechtzeitig informiert wird und vor allem Notfallpläne rechtzeitig ausgearbeitet und kommuniziert werden. In Baden-Württemberg hat man z.B. die Warnsirenen abmontiert, sodass selbst bei einer kleinen Überschwemmung die Bevölkerung nicht rechtzeitig gewarnt werden kann. Den Aufbau eines Warnsystems über stationäre und mobile Telephone hat man aber versäumt, sodass selbst bei einem kleinen Hochwasser, wie in Hohenzollern, Menschen sterben müssen, weil sie vorab über Verhalten bei Überschwemmungen nicht informiert und auch nicht gewarnt wurden.

Die Strategie des Innenministeriums und der Behörden in den Ländern scheint aber zu sein allenfalls geheime Notfallpläne (ausser den Plänen für Atomunfälle) auszuarbeiten, die im Notfall nicht einmal die wichtigsten Hilfsorganisationen kennen.

Nun ist der Katastrophenschutz nicht das größte Problem in Deutschland. Die Lage zeugt aber einmal mehr davon, dass unsere Politiker nur agieren. Planung und Vorsorge für Land und Bürger ist nicht vorgesehen. Man wartet eben bis die Katastrophe – Kriege, Flüchtlinge, Euro usw eintritt um dann mit aller Kraft zu agieren. Unser Innenminister Herr de Maizière tut sich da besonders hervor, überall gibt es nur Nachsorge.

Der Innenminister und seine Beamten sollten sich einmal das Informations- und Warnsystem System der amerikanischen FEMA (Federal Emergency Management System) ansehen. Mit zwei kostenlosen APPs für iOS und Android  erhält man Informationen zur Selbstvorsorge und Zugang zu den Meldungen im Ernstfall. Diese beiden APPs zeigen exemplarisch warum die USA die führende Internet Nation ist. Der Fokus liegt ganz klar bei Informationen und Hilfe für die Bürger und nicht bei der Selbstdarstellung der Behörden. Ein ähnliches System könnte man in Deutschland für etwa 10 Millionen € entwickeln. Kleinere Warnsysteme können bei vernünftiger Anleitung und einemBasissystem sogar Ehrenamtliche für lokale Systeme entwickeln mit Betriebskosten von < 100 €/Jahr. Hierfür müssten unsere Politiker aber verstehen wie man heute mit Cloud Technologie effiziente Systeme für die Bürger zur Verfügung stellen kann. Man schwebt aber offensichtlich lieber über den Wolken. Vielleicht könnte Herr Oettinger ja mit einer großen EU Aktion da helfen. Merke: Auf die Bürger hören ist besser als abhören!

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