Freie Abgeordnete – nur bei Ethik?

Bei der Gesetzgebung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) wurde den Abgeordneten von ihren Parteioberen erlaubt, nach ihrem Gewissen abzustimmen. Hört, hört – die Parteioberen erlauben ihren Gefolgsleuten ihr im Grundgesetz verbrieftes Recht wahr zu nehmen. Warum eigentlich nicht auch bei anderen Abstimmungen. Wie es die Regeln des Bundestags vorschreiben, gab es auch mehrere Gesetzesentwürfe, sodass die Abgeordneten wirklich zwischen Alternativen abstimmen konnten. Bei allen anderen von der Regierung eingebrachten Gesetzentwürfen finde man unter der vorgeschriebenen Rubrik Alternativen immer den Eintrag: keine! Dies ist geradezu ein Markenzeichen der Regierung Merkel, dass über Alternativen nie nachgedacht wird. Auch die Opposition macht keine alternativen Vorschläge sondern ist meist nur dagegen. Bei der Debatte um PID durften auch mal Hinterbänkler fünf Minuten ihre ethischen Bedenken vor dem großen Haus darlegen. Sonst dürfen nur die Platzhirsche der Parteien reden.

Die ganze Debatte war ein geschickter Schachzug der Regierung, die murrenden Abgeordneten durch eine offene Pseudodiskussion ruhig zu stellen. PID ist wirklich von marginaler Bedeutung für das Land – betroffen sind im Jahr wohl weniger als 100 Paare, die mit der heute üblichen Mentalität alles technisch mögliche für ihr vermeintliches Lebensglück von der staatlichen Fürsorge einfordern. Geradezu rührend wie sich die Abgeordneten um ein paar ausgebürgerte Eizellen kümmern. Die über 110 000 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland (Zahlen von 2009) oder die 1600 durch Raserei verursachten Verkehrstoten in Deutschland scheinen die Ethiker im Bundestag weit weniger zu interessieren als ein paar abgetöte Eizellen.

Bei der beabsichtigten Lieferung von 1200 Panzern nach Saudi Arabien dürfen die Abgeordneten nach den selbst aufgestellten Relen überhaupt nicht mitreden. Dabei ist längst bekannt, dass Panzer heute nur noch sinnvoll bei innerstaatlichen Konflikten (Unterdrückung der Bevölkerung) oder gegen wenig bewaffnete Milizen eingestzt werden können. Hierfür werden sie mit Räumschaufeln „People Mower“ , Tränengaskanonen und Schnellfeuergeschützen ausgestattet. Bei einem militärischen Konflikt werden Panzer heute sehr effektiv mit billigen, ferngesteuerten Flugkörpern z.B. mit dem schönen Namen Hellfire  lahmgelegt. (Das kann man bei Computerspielen lernen) Auch diese kann man in Deutschland kaufen. Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, den Freiheitskämpfern in den arabischen Ländern ein größeres Kontingent dieser Verteidigungswaffen zur Verfügung zu stellen.

Es gibt für die mutigen Ethiker im Bundestag wohl noch viele Themen bei denen sie ihren Mut und ihre parlamentarische Sachkenntnis einbringen können.

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Stuttgarter Architekturvisionen – Augustoleum

Es ist immer wieder interessant, mit Besuchern die Bauhaus Häuser der Weissenhof Siedlung zu besichtigen. Vom Dachgarten des Corbusier Hauses kann man noch auf die Ikone des Stuttgarter Betonbaus verweisen, den Fernsehturm, der vielen Stuttgarter Architekten lohnende Aufträge in der ganzen Welt eingebracht hat. Man kann sich heute gar nicht vorstellen, dass die Stadt Stuttgart renommierte Architekten einlädt, neue Konzepte im Städtebau  zu entwickeln – das sollen jetzt die Schüler und die Bürger in der Stiftung Rosenstein machen.

Will man dem Stuttgart Besucher heute aber neue moderne Architektur in Stuttgart zeigen, wird es schwierig. Das Daimler und das Porsche Museum sind durch ihre gewollt auffällige Form, fehlende Einbindung in die Umgebung und die etwas einseitige Nutzung nicht gerade gute Beispiele für modernen Städtebau. Auf Anhieb fällt einem eigentlich nur das neue Pflaster in der Königstraße und den Nebengassen als Leistung der heutigen Stuttgarter Architektengeneration ein. Um dieses Pflaster herum werden quaderförmige Neubauten mit diversen Verkleidungen platziert. Glas gilt dabei als besonders edel und wird gerne verwendet, obwohl es ökologisch Unsinn ist..

Will man die neue Architektur Stuttgarts sehen, empfiehlt es sich nach dem Besuch der Weissenhofsiedlung das nagelneue Augustinum gleich dahinter anzusehen. Dort werden die üblichen Stuttgarter Glaskuben mit Bauhauselementen garniert. Plätze und Wege sind menschenleer – die Bewohner werden ja von der Augustinum Stiftung in den Kuben betreut. Das perfekte Mausoleum für den wohlhabenden Stuttgarter Rentner. Das „Augustoleum“ ist sicher ein Prototyp für die Stuttgarter Neubauten der nächsten Jahre. Am Killesberg auf der anderen Straßenseite entsteht schon ein ähnliches Viertel, nachdem der große Plan ein Modezentrum zu bauen, das ganz viele kreative Arbeitsplätze schafft und viel Gewerbesteuer bringt, schnell geplatzt ist. Nachdem der Investor das Grundstück von der Stadt ergattert hatte, wurden die Pläne rasch geändert und der Stuttgarter Gemeinderat durfte das Ganze wie immer nur abnicken. Wahrscheinlich werden wir im Rosensteinviertel eine ähnliche Entwicklung erleben.

Der Himmel auf Erden wird in den Luxusaltersheimen wahrscheinlich nicht zu finden sein. Den Himmel auf Erden hat für sich wohl nur der Vorstandsvorsitzende der Augustinus Stiftung, Honorarprofesser Dr. Markus Rückert geschaffen. Er hat Frömmigkeit (Theologie) und Geschäftssinn (Betriebswirtschaft) im calvinistischen Ideal so erfolgreich kombinert, dass in seinem Wohlfahrtskonzern der Euro nie ausgeht. Das schöne bei diesen sozialen Stiftungen ist, dass alle Nachkommen im Glauben fest auch wieder ihre Pöstchen mit gutem Auskommen in der Stiftung finden. Auch Dr. Markus Rückert hat die Stiftung quasi von seinem geschäftstüchtigen und frommen Vater geerbt. Es sind also nicht immer die bösartigen Manager und Banker die aus gesellschaftlichen Problemen riesige Gewinne machen. Auch mit einigen frommen Augenaufschlägen kann man in unserem Sozialwesen schöne Vermögen aufbauen.

Siehe auch
Warum Merkles CDU S21 bauen muss
Rosenstein Viertel – Architekten ratlos
Flugfeld Böblingen_Sindelfingen – Vorbild für Rosensteinviertel

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