Irrationale Bildungspolitik: Hochschulen international – Schulen lokal

Die Bildungspolitik ist in Deutschland eines der Felder, das mehr mit Ideologie als mit Verstand beackert wird. Bei den Hochschulen wird das bewährte System aufgegeben, das Deutschland Wohlstand und Beschäftigung gebracht hat. Alle Studenten werden nun in das internationale System von Batchelor und Master gepresst, obwohl das in vielen umliegenden Ländern nicht gerade ein Erfolgsmodell ist. Das internationale System produziert aber viele Hochschulabsolventen auf niedrigem Niveau und ist vor allem für die Statistik gut. Die „Internationalisierung“ wird hier vorangetrieben obwohl ein deutscher Batchelor wohl kaum Chancen hat in Frankreich oder Italien in den Staatsdienst übernommen zu werden. Da bei sind die Titel nicht sehr relevant. Meist wird der ehemalige Ing. grad dem Batchelor und der Dipl.-Ing. dem heutigen Master gleichgesetzt obwohl sowohl beim neuen Batchelor und dem Master meist der starke Praxisbezug fehlt, den der Dipl.-Ing. mit bis zu einem Jahr Fachpraktikum und drei formalen fachlichen Arbeiten hatte.

Das Internationale Baccalaureat, das zu einem Studium an vielen ausländischen Universitäten berechtigt, wird in Deutschland nur von wenigen Schulen (meist teure Privatschulen) angeboten und ist vor allem für ausländische Schüler interessant, weil man damit kostenlos in Deutschland (mit geringen Einschränkungen) studieren kann.

Im Gegensatz zu der Verklärung der Internationalisierung, wird in Deutschland in der Schulpolitik auf den eigenen oft beschränkten Weg gepocht. Kein Mensch kommt hier auf die Idee, die unterschiedlichen Systeme in Europa zu vereinheitlichen (zu Recht). oder zumindest die Schulwelt in Deutschland zu ordnen. Obwohl hier die Schüler den größten Teil ihrer Ausbildungszeit verbringen, herrscht das größte Tohuwabohu. Alle Bundesländer haben individuelle meist ideologisch begründete Schulorganisationen und Lernziele. Daneben wird eine Vielzahl von Privatschulen mit Steuergeldern gefördert, die vor allem den weniger begabten Kindern aus Mittel- und Oberschicht einen „optimalen“ Weg zum Abitur ermöglichen. So können auch Kinder, die nicht logisch denken können, sich beim „Namen Tanzen“ in der Waldorfschule oder beim Kochen an den „Dr. Rudolf Oetker“-Schulen für die allgemeine Hochschulreife qualifizieren. Anspruchsvolle Hochschulen speziell in den technischen Fächern verzweifeln dann schier am großen Spektrum der Kenntnisse und Unkenntnisse ihrer Neulinge und müssen Vorbereitungskurse einrichten, in denen das in der Schule Versäumte nachgeholt wird. Die vielgehassten PISA Studien haben wenigstens einige dieser selbstgestrickten Systeme entlarvt. Das Land Sachsen hat aber gezeigt, wie man mit einem Neuaufbau des Schulsystems auch mit den alten Lehrern hervorragende Ergebnisse erzielen kann. Nun sollte man annehmen, dass sich andere Länder mit schwachen Schulsystemen das System in Sachsen ansehen und einfach kopieren. Das wäre für unsere Kulturpolitiker aber zu einfach. Da können sie ja nicht mehr gestalten!

Sollten sie ja auch nicht nachdem sie jahrzehntelang in vielen Ländern gezeigt haben, dass sie die Probleme in den Schulen nicht lösen können. Man scheut sich auch zuzugeben, dass ein Großteil der Probleme in der Lehrerschaft liegt. An korrigierende Maßnahmen traut sich aber kein Politiker ran weil die Lehrer in den meisten Landesparlamenten stark vertreten sind und auch als Meinungsbildner bei den Wahlen gefürchtet sind. Es gibt aber Hoffnung. Eine immer größer werdende Gruppe von jungen Lehrern fordert eine Vereinheitlichung des Schulsystems in Deutschland– Symptomatisch für die Situation in Deutschland ist, dass im Kopf dieses dpa Artikels auf meinem PC eine bezahlte Google Werbung für ein privates Gymnasium erscheint. Die Zerstörung des bewährten öffentlichen Schulsystems in Deutschland schreitet ungebremst voran.

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Modernisierung der Landesverwaltung in Baden-Württemberg nach den Wahlen?

Der Koalitionsvertrag von Grün/Rot erhält wie beim Start einer neuen Regierung üblich eine umfangreiche Liste von Verbesserungen im Land auf allen möglichen Gebieten. Man findet aber nur sehr magere Hinweise wie der Betrieb der Landesbehörden durch moderne IT Infrastruktur grundlegend modernisiert und effizienter gemacht werden kann. Man findet kein Wort über die Verbesserung der Infrastruktur bei Schulen und Universitäten (der größte Ausgabebrocken des Landes) oder Einsparungen bei Landesbehörden, um sie ähnlich effektiv zu machen, wie moderne Industrieunternehmen. Dabei wäre frischer Wind in den Amtsstuben nach Jahrzehnten CDU Herrschaft dringend nötig. Dort haben  Ingnoranz für moderne, bürgernahe Verwaltungsverfahren, Mangel an Finanzmitteln und ein nicht gerade progressiver Kreis von „Haus“Beratern  eine konsequente Modernisierung der Landesverwaltung speziell im Kultusministerium verhindert. IT Projekte im Land waren meist vom Wunsch geprägt, den im Land ansässigen IT Firmen Aufträge zu erteilen. Das ist im Prinzip ja nicht schlecht. Man sollte aber zunächst eine Strategie entwickeln und dies dann kontinuierlich umsetzen. Mit der CDU, der Partei des „Alles im Land ist großartig“, ließen sich Veränderungen schwer durchsetzen. Die neue Landesregierung hat nun die Chance auch die Verwaltung mit modernen Verfahren umzubauen. Dabei kommt der technologische Wandel dem Land entgegen. Mit modernen Web basierenden Diensten kann man die Einstiegskosten für neue Verfahren in der Verwaltung ganz erheblich reduzieren und erfolglose Projekte auch rechtzeitig ohne große Kosten wieder stoppen. Wichtig ist auch, dass der Einsatz von Web basierenden Lösungen, die Administration der Endgeräte und auch die Schulung der Mitarbeiter erleichtert und billiger macht. Vielleicht sollte jemand dem neuen Ministerpräsidenten ein Chromebook zum ausprobieren schenken

Zum Start sollte man sich einmal erfolgreiche Systeme, die außerhalb der offiziellen Linie der alten Landesregierung mal genauer ansehen z.B. für Schulen und Universitäten. Man kann ja auch von anderen lernen und muss das Rad nicht immer neu erfinden.

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