Deutschland wird faul – Amerikaner wollen nicht mehr in Büros arbeiten


Eine Umfrage der NY Times zum Thema Home Office brachte ein überraschendes Ergebnis. Ein Großteil der über tausend Teilnehmer würde nach Corona weiterhin gerne von zu Hause arbeiten. Wer je in einem amerikanischen Cubicle Büro gearbeitet hat kann die Amerikaner gut verstehen.

Viele wollen schon aus New York weg in andere Städte oder auf das Land ziehen. In New York ist ja auch nichts mehr los – die Straßen sind fast leer. Die Gehälter sinken, man kann sich New York nicht mehr leisten. Amazon ermutigt seine Angestellten aus Silicon Valley wegzuziehen. Man will die hohen Ortszuschläge nicht mehr bezahlen!

Den Deutschen geht es ähnlich. Sie wollen gar nicht mehr mit dem Auto oder mit dem ÖPNV zur Arbeitsstelle fahren. Vielfach dürfen sie wegen Kurzarbeit gar nicht mehr arbeiten. Allzu eifrig ist man auch im Home Office nicht. Viele Dinge erledigen sich von selbst und die Manager scheuen sich schriftlich zu kommunizieren. Kooperation und Kollaboration funktionieren plötzlich sogar an Schulen.

Vor ein paar Jahren bin ich mit einem Portalprojekt bei Daimler krachend gescheitert, bei dem die Zahl der Dienstfahrten mit dem Auto reduziert werden sollte. Die Mitarbeiter konnten sich für die Dienstfahrten ja dicke Autos aussuchen. Erst vor zwei Jahren hat Daimler Chef Zetsche auch vergeblich versucht, die Zahl der Dienstfahrten zu verringern. Sein Wunsch: Mehr arbeiten – weniger Freude am Fahren und im Stau stehen.

Bei IBM Forschung und Entwicklung war internationale Zusammenarbeit über Netze bereits 1975 üblich. Die IT Infrastruktur kostete damals noch 100k $ im Jahr pro Arbeitsplatz! Mein erstes Webinar, ein Kurs des MIT über Compiler Technik, fand 1978 statt. Eine Vorlesung von einer Stunde kostete 10 000 $ für die Standleitung.

In der Corona Krise schwächelt die Wirtschaft und die Steuereinnahmen sinken. Das nominale Bruttosozialprodukt geht zurück. Das reale Bruttosozialprodukt wahrscheinlich nur wenig. Die Schwarzarbeit blüht (Malermeister aus Wolfsburg: „Wenn VW Kurzarbeit macht brauche ich morgens gar nicht aufzustehen!“), man kocht selbst, erledigt Arbeiten am Haus und verschönert den Garten mit einem Pool für die Kinder. Auf diese Arbeit muss man keine Steuern zahlen!

Die Blagen sind ohne Kindergarten und Schule ein Problem. In den modernen offenen Räumen mit großen Wohn/Küchen gibt es keine Rückzugsorte. Immer wieder sieht man bei Videokonferenzen um Aufmerksamkeit heischende Kinder. Teure Kleidung braucht man auch nicht – es reicht ein Teams/Skype Pulli! Deutsche wünschen sich nun Tagesschulen, damit sie in Ruhe zu Hause arbeiten können. Die Politik hat das erkannt. Die Öffnung der Schulen hat höchste Priorität.

Arbeiten im Home Office wird zu einem Statussymbol. Nur „arme Säue“ müssen noch mit dem Auto zur Arbeit fahren. Die Elite der Werktätigen arbeitet in internationalen Teams. Chinesen und Inder sind dabei aber ein Problem – die stehen schon morgens um 7 Uhr auf der Matte.

Viele Ökos und bekennende Radfahrer denken bereits über einen Umzug aufs Land nach. Im Osten und in vielen Gegenden im Westen gibt es billige Häuser am See. Mit dem neuen E-Auto kann man CO2 frei in die Stadt und bald auch betrunken nach der Disco in der Nacht autonom nach Hause fahren.

In den dichtbesiedelten Städten in Japan und in China macht sich der Trend bereits bemerkbar. In Japan gibt es acht Millionen leerstehende Häuser auf dem Land. In Italien wollen viele Junge gar nicht mehr in die Industriestädte ziehen. Vom Opa erbt man ein schönes Haus (Italien ist ein Land der Einzelkinder) Oma kocht hervorragend, man bearbeitet einen Biogarten, hat eine nette Clique und eine Vespa, die überall parken kann. Kultur kommt über Netflix und Youtube. Auch in den großen Städten sind Theater und Opernhäuser meist geschlossen.

Man kann in internationalen Teams über das Internet als Designer, Übersetzer, IT Service und Programmierung arbeiten. Moderne IT Firmen wie WordPress oder GitHub arbeiten bereits in virtuellen Teams. Selbst deutsche Mittelständler haben heute oft mehr Mitarbeiter im Ausland als in der Firmenzentrale.

Das große Problem: die Einkommen werden für viele Bürger niedriger, das Konsumverhalten ändert sich, die Steuereinnahmen sinken. Schönes neues Öko Deutschland 😇

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