Energie – keine Wende sondern Strategie ist nötig

Frei_HighWie so oft zeigt die Auswahl des Begriffes für Ideologien  wie verquer die Schöpfer dachten und noch denken. Nimmt man die „Energiewende“ wörtlich, so müssten wir in alte Zeiten der Enegieerzeugung und des -verbrauchs zurückfallen und wieder offene Feuer mit Holz betreiben und allenfalls Talglichter in der Nacht verwenden. Es gibt auch keine „erneuerbaren“ Energien, wenn man die Gesetze der Physik akzeptiert. Energiewende heute steht aber für die Beibehaltung alter Strategien und unkoordinierte Förderung neuer Technologien, die von verschiedenen Lobbygruppen bewußt gefordert und von willfährigen Politikern unterstützt wird. Wesentlich besser wäre es, eine Energiestrategie zu entwickeln und anschließend einen realistischen Plan für die Umsetzung zu machen. Dieser Plan sollte dann regelmäßig überprüft und an die sich ändernde Technologie und vor allem an die Entwicklung der Preise für Rohstoffe und Geräte angepasst werden.

Ziele einer Energiestrategie sollten sein:

  1. Fossile Energien sind endlich, werden knapp und teuer (Große Monopole sind dabei treibende Kraft) und sollten durch von der Sonne erzeugte Energie -Licht, Wind, Wasserkraft ersetzt werden.
  2. Die Bedürfnisse für Wohnen (Heizung, Kühlung, Strom), Industrie (Wärme, Strom) und Verkehr müssen mit einem möglichst homogenem System abgedeckt werden.
  3. Energieerzeugung und Verbrauch sollte in modularen Systemen erfolgen. Sowohl große als auch kleine Systeme, z.B. für ein Haus, sollten mit der gleichen Basistechnologie realisiert werden können.
  4. Geräte für die Erzeugung und Nutzung der Energie sollten effizient und preiswert sein, damit auch andere Länder Energie effizienter nutzen können. Geräte müssen weltweit wirtschaftlich einsetzbar sein. (Sonst verliert Deutschland durch zu hohe Kosten für die Energie im globalen Industriewettbewerb).
  5. Auch Netze und Systeme zur Energieverteilung und Steuerung sollten modular aufgebaut sein um globale Störungen zu vermeiden und lokale Optimierung zu ermöglichen. Riesige zentrale Stromnetze sind zu vermeiden, da sie bei einer modularen Energieerzeugung nicht benötigt werden und nur zu monopolistischen Strukturen führen. Moderne Netzte bestehen nicht aus monolithischen Synchronsystemen sondern aus Teilnetzen, die über Gleichstromstrecken gekoppelt werden. Die Anpassung der heutigen Netze sollte ohne große Störung des Betriebs, in angemessenem Tempo und mit erträglichen Kosten erfolgen.
  6. Der Übergang vom heutigen System zum Zielsystem sollte möglichst ohne Unterbrechung und mit unterschiedlichem Tempo (schnell oder langsam) möglich sein. Insebsondere dürfen neue, noch unwirtschaftliche Technologien nicht massiv gefördert werden. Das vernichtet nur dringend benötigtes Kapital.

Misst man die heute im Raum stehenden Lösungsvorschläge an obigen Kriterien, so ist ziemlich klar, welche Technologien man verfolgen sollte. Wir sollten ganz klar auf eine Basis mit Wind, Sonne und Gas setzen. Mit der in Deutschland potentiell verfügbaren Energie aus Wind und Sonne, können wir langfristig unseren gesamten Energiebedarf decken. Zur Abdeckung der Flauten bei Wind und Sonne brauchen wir große Energiespeicher, die man heute bereits durch Gasspeicher realisieren kann. Die ältere Generation erinnert sich noch an die Gaskessel, die es früher in jeder Stadt gab. Der Vorteil von Gas ist auch, dass man Transportleitungen für Gas ohne große Störung der Umwelt bauen kann. Solche Leitungen führen bereits heute auch durch die Natur, ohne dass dies ein Öko bemerken würde. Gas kann als Flüssiggas auf vielen verschiedenen Wegen nach Deutschland gebracht werden. Man ist nicht nur auf die Pipelines angewiesen, die das Gas auf politisch unsicheren Wegen nach Deutschland bringen.

Ein Privathaushalt kann diese Strategie schon heute umsetzen z.B. mit Solarmodulen auf dem Dach und einem kleinen gasbetriebenen Kraft/Wärme Modul mit einem Motor von VW. Will man total autark ein, so betreibt man den Motor mit Flüssiggas. Das Auto kann man mit geringem Aufwand auf Gasbetrieb umbauen. In Zukunft wird man wohl Hybrid Elektroautos mit einem kleinen Gasmotor als Range Extender verwenden, eventuell auch Antriebe mit Brennstoffzellen. Das bietet unserer Automobilindustrie einen einfachen Migrationspfad.

Auch für die Industrie ergeben sich damit bereits heute wirtschaftliche Lösungen. Das neue BMW Werk In Leipzig erzeugt einen Großteil des benötigten Stroms aus Wind. Energieintensive Prozesse wie z.B. die Herstellung von Aluminium und Carbonfasern werden ins Ausland verlagert (Norwegen, USA) wo billige Energie aus Wasserkraft zur Verfügung steht.

Fossiles Gas ist bei dieser Strategie eine Brückentechnologie. Langfristig wird man Gas aus Wind und Sonnenlicht erzeugen. Es ist interessant, dass die USA die Führung bei diesem Wandel übernommen hat und in sonnenreichen Gegenden riesige Solaranlagen errichtet. Aber auch billiges Gas mit Fracking im Land gewinnt. Durch die Umstellung alter Kraftwerke auf Gas reduziert die USA den Co2 Ausstoß wesentlich stärker als z.B. Deutschland. Während die Energieexperten sich schon längst einig sind, wo die Reise hingeht, stemmen sich in Deutschland die alten Energie- und Netzmonopolisten gegen diese Strategie und finden dank vieler Lobbyisten dafür auch Unterstützung in der Politik. Gegen die normative Kraft des faktischen werden sie aber verlieren. Die Gefahr besteht aber, dass Deutschlands Unternehmen und Bürger viel Geld in unnütze Technologien investieren und damit unsere Wettbewerbsfähigkeit im globalen Wettbewerb schwächen. Speziell die großen Unternehmen in USA (nicht die Regierung) versuchen die Technologieführerschaft in den neuen Schlüsseltechnologien mit Unterstützung der Informationstechnologie zu übernehmen.

Veröffentlicht unter Idee, Innovation, Politik, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Daimler Abitur – zwei WIR planen ihre Zukunft in der Straßenbahn

Berlin HdrZu Wahlkampfzeiten wird das Volk plötzlich interessant. Sowohl die Kanzlerin als auch P€€r fahren in ihren schwarzen Limousinen mit einem Tross von Beratern und Medienvertretern durch das Land, auf der Suche nach positiven Beispielen. Ab und zu gelingt es auch, irgendeinen WIR zu finden, der es trotz Migrationshintergrund und abstehenden Ohren zu etwas gebracht hat. Viel einfacher wäre es diese Erfolgsmenschen, die in der Schule sitzen geblieben, ihr Studium nicht abgeschlossen und trotzdem den Aufstieg geschafft haben, bei den Parteien im Bundestag zu finden. Mit den wahren Problemen der WIR an der Basis kommen die Politiker nicht in Berührung. Hierzu müssten sie sich mal zwei Stunden in eine Straßenbahn setzen, die in die Problemviertel unserer Großstädte fährt. Da kann man lernen, wie es in unserem Land wirklich zugeht. Protokoll:

Zwei junge WIR mit deutsch-anatolischem Sozialisations-Hintergrund sind sich einig, dass das Lebensziel relativ einfach formuliert werden kann: Auto, Freundin, gute Arbeit und eine Wohnung mit etwas Abstand zur Großfamilie. Zunächst gibt es hier ein Problem, dass die Alte und das Opfer, offensichtlich ihre ehemaligen Lehrer, ihnen schlechte Zeugnisse ausgestellt haben, obwohl sie mit Nachdruck darauf aufmerksam gemacht wurden, dass sie damit die Zukunft zweier hochbegabter WIR versauen. Mit einem schlechten Zeugnis erhält man weder eine attraktive Lehr- noch eine Arbeitsstelle. Dieses Problem lässt sich aber offensichtlich recht einfach lösen.

Da die großen Automobilhersteller Probleme haben, wegen der harten Arbeitsbedingungen ihre Stellen am Band zu füllen, haben sie Assessment Center aufgebaut. Dort werden Jugendliche getestet. Dabei werden nicht nur Schulkenntnisse wie Mathematik sondern manuelle und organisatorische Fertigkeiten sowie Motivation und Einsatzwillen geprüft. Wer diesen Test besteht, erhält ein Angebot für eine Stelle z.B. das DAIMLER oder AUDI Zertifikat (Abitur der Hand). Mit diesem Angebot geht man aber nicht unbedingt zum Daimler ans Band, sondern kann sich mit diesem Befähigungsnachweis mit guten Aussichten auch an anderen Stellen bewerben. Das eine WIR in der Straßenbahn hatte das Daimler Abitur bestanden, das andere WIR konnte sogar Angebote von Daimler und Audi vorweisen. Ein Problem besteht aber weiterhin. Der zu erwartende Verdienst erlaubt es nicht, sich alle Lebenswünsche zu erfüllen. Leider bleibt das eigene Auto dann meist auf der Strecke.

Schafft man als WIR mit schlechten Zeugnissen kein DAIMLER Abitur, bleibt eigentlich nur das Dasein als Hartzer. Offensichtlich hat ein Freund der beiden diese Option gewählt. Er lebt nun von 850 €/Monat in einem entlegenen Vorort in einer Wohnung im Grünen,   inklusive Heizung (der macht beim Lüften nicht einmal die Heizung aus!) mit Freundin und Kind (450 €/Monat). Mit ein paar Nebengeschäften kann man das Einkommen etwas aufbessern. Das Hartz WIR steht sich also nicht wesentlich schlechter als ein Arbeiter WIR und hat den ganzen Tag Zeit für Freundin und Kind. Einen wesentlichen Nachteil fand man doch: aus dem Kaff kommt man in der Nacht nicht in die Discos in der Innenstadt. Bis jetzt – seit neuestem fahren in Stuttgart U- und S-Bahn die ganze Nacht (wie in Berlin) und so verschwindet ein weiterer Anreiz, sich für ein paar € krumm zu legen. Trotz aller Widrigkeiten finden die Arbeiter Wir ihren Weg aber besser, es könnte ja irgendwann einmal besser werden. Das wäre eigentlich eine schöne Aufgabe für die WIR in der Politik.

PS Die Idee mit dem DAIMLER Abitur als Qualifikationsnachweis könnten die Arbeitsagenturen aufgreifen. Betriebspsychologen, die diese Tests durchführen können, werden an deutschen Universitäten neuerdings in großer Zahl ausgebildet. Damit könnte man auch einen Beitrag zur Behebung der Arbeitslosigkeit unseres gehobenen Mittelstands Nachwuchses leisten.

Veröffentlicht unter Idee, Innovation, Politik, Schule, Sozial, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar